Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 10.05.2017


Bezirk Landeck

Hüter einer faszinierenden Waalkultur

Ein Rieder Nebenerwerbsbauer pflegt die Tradition der alten Flurbewässerung. Jährlich ist eine Woche Wartungsarbeit für drei Männer nötig. Tiroler Waalgruppe strebt Denkmalschutz für Anlage bei Landeck an.

Der Fraunsbach bei Ried im Oberinntal liefert das Lebenselixier für Felder mit 22 Hektar Gesamtfläche. Andreas, Lukas und Mathias Schöpf (v. l.) öffnen das Fallenbrett, um das Wasser in die Waale zu leiten.

© WenzelDer Fraunsbach bei Ried im Oberinntal liefert das Lebenselixier für Felder mit 22 Hektar Gesamtfläche. Andreas, Lukas und Mathias Schöpf (v. l.) öffnen das Fallenbrett, um das Wasser in die Waale zu leiten.



Von Helmut Wenzel

Ried im Oberinntal – „Es ist ein großes Glück, dass wir den Fraunser Bach in unserer Nähe haben.“ Das stellte der Nebenerwerbsbauer Andreas Schöpf kürzlich am Tag der Eröffnung des uralten Waalsystems im Rieder Ortsteil Frauns fest. Normalerweise ziehen Schöpf sowie die Söhne Lukas und Mathias das Fallenbrett um den 24. April hoch, um den Tragwaal (Hauptwaal) samt Nebensträngen zu fluten. Heuer dauerte es wegen der späten Schneefälle bis 5. Mai.

Es ist eine faszinierende Anlage, die Generationen von Bauern genutzt haben, um ihre Felder zu bewässern. Die Schöpfs haben 14 Rinder im Stall, die saftiges Grünfutter von den Wiesen bekommen. „Das Obergricht ist eine Trockenregion. Ohne Bewässerung hätten wir weniger als den halben Ertrag.“

Schöpf und Söhne haben die uralte Anlage wie jedes Jahr händisch geräumt und gewartet, um ihre sechs Hektar großen Felder zu bewirtschaften. In Summe können 22 Hektar bedient werden, die restlichen Felder gehören anderen Bauern. Neben Grünfutter gedeihen Kartoffeln und etwas Mais in den Fraunser Feldern.

Das kostbare Nass wird mit dem Waaleisen gestoppt, um eine Wiese zu berieseln.
Das kostbare Nass wird mit dem Waaleisen gestoppt, um eine Wiese zu berieseln.
- Wenzel

Wie alt die Waale sind, darüber wird gerätselt. „Schriftliches gibt es nicht“, weiß der Bauer. „Fest steht nur, dass wir eine Bewässerungsinteressentschaft sind und ein Wasserrecht haben, solange wir die Anlage nutzen.“

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Während ein Teil der Felder traditionell bewässert bzw. berieselt wird, kommen auch Beregnungsanlagen mit Wasser aus dem Fraunser Bach zum Einsatz. Man kombiniere das uralte System mit moderner Technik, „um eine gewisse Effizienz zu erzielen“. Fördermittel aus öffentlichen Töpfen gebe es allerdings nicht. „Es kostet uns praktisch kein Geld, um die Waale in Schuss zu halten“, bemerkt der engagierte Landwirt. „Es braucht nur etwas Muskelarbeit.“

Trotzdem gab es zuletzt Unterstützung von der öffentlichen Hand: Die Wildbach- und Lawinenverbauung mit Koordinator Matthias Huber etwa hat Instandsetzungsarbeiten nach Murenabgängen am Fraunser Bach geleistet. Hilfestellung zur Absicherung der Anlagen kam auch von Waldaufseher Elmar Halbeis sowie von Bürgermeister Elmar Handle. „Die Pflege dieser uralten Waalkultur kann ich nur begrüßen und unterstützen“, sagte Handle.

Am ersten Bewässerungstag in Frauns mit dabei war die Tiroler Waalgruppe mit Sprecher Werner Holzner. Er weiß: „Im Obergricht werden weniger als fünf Anlagen zur traditionellen Flurbewässerung genutzt.“ Die meisten der mehr als 100 Waale sind vom Verfall bedroht bzw. kaum noch zu erkennen. Kleiner Trost für die Gruppe: Entlang der Kanäle sind erste Waalwanderwege errichtet worden.

Holzner und Kollegen sehen Waale als schützenswertes Kulturerbe. Am Ziel, den einzigartigen Rummelwaal südlich von Landeck zu restaurieren und unter Denkmalschutz zu stellen, halte man weiterhin fest.

 Die weitverzweigte Bewässerungsanlage muss alljährlich von drei Männern eine Woche lang händisch gewartet werden.
Die weitverzweigte Bewässerungsanlage muss alljährlich von drei Männern eine Woche lang händisch gewartet werden.
- Wenzel