Letztes Update am Mo, 15.05.2017 11:31

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Suchtprävention

Tiroler Dialogwoche: Wie viel Alkohol ist zu viel?

Am 15. Mai startet in Innsbruck die „Dialogwoche Alkohol“ mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen. „Im Mittelpunkt der Dialogwoche steht die Frage: Wie viel Alkohol ist zu viel?

Erwachsene haben für haben als Vorbilder eine große Verantwortung und spielen bei der Prävention eine wichtige Rolle. (Symbolfoto)

© TT-ArchivErwachsene haben für haben als Vorbilder eine große Verantwortung und spielen bei der Prävention eine wichtige Rolle. (Symbolfoto)



Innsbruck – Der Alkoholkonsum ist ein fester Bestandteil der Tiroler Feier-, Fest- und Esskultur. Nur jeder fünfte Tiroler gibt an, keinen oder kaum Alkohol zu trinken. Für die übrigen Tirolerinnen und Tiroler ist es schwierig, beim Alkoholkonsum die Grenze zwischen Genuss- und Suchtmittel zu ziehen.

„Derzeit sind in Tirol rund 30.000 Menschen alkoholkrank, mindestens 60.000 Menschen sind alkoholsuchtgefährdet“, berichtet Univ. Prof. Christian Haring, Obmann des Vereins sucht.hilfe BIN und Primar des Psychiatrischen Krankenhauses des Landes Tirol.

„Immer noch ein Tabu

„Trotz der starken Verankerung des Alkohols in der Tiroler Gesellschaft ist das Sprechen über den persönlichen Alkoholkonsum oder das Trinkverhalten von Angehörigen, Freunden oder Kollegen noch immer weitestgehend ein Tabu. Dadurch werden die persönlichen, familiären, beruflichen und gesundheitlichen Probleme, die der Alkoholkonsum mit sich bringen kann, meist erst sehr spät, zu spät sichtbar“, meint Christian Haring.

Univ. Prof. . Wolfgang Fleischhacker:Alkoholabhängigkeit ist keine Charakterschwäche, sondern eine gut behandelbare Krankheit. Je früher man sich des Problems bewusst wird und sich auf eine Behandlung einlässt, desto besser die Erfolgsaussichten."
Univ. Prof. . Wolfgang Fleischhacker:Alkoholabhängigkeit ist keine Charakterschwäche, sondern eine gut behandelbare Krankheit. Je früher man sich des Problems bewusst wird und sich auf eine Behandlung einlässt, desto besser die Erfolgsaussichten."
- MUI

Ein Problem für die persönliche Einschätzung der Frage, habe ich oder hat ein Angehöriger ein Alkoholproblem, ist für Univ. Prof. Wolfgang Fleischhacker, Direktor des Departments für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik die verschwimmenden Grenzen zwischen einem risikoarmen und einem problematischen Alkoholkonsum: „Obwohl Mengenangaben daher immer problematisch sind, sollten Frauen nicht mehr als 0,2 Liter Wein oder 0,4 Liter Bier täglich und Männer nicht mehr als täglich 0,3 Liter Wein oder 0,6 Liter Bier trinken. Pro Woche sollten mindestens zwei Tage alkoholfrei sein.“

Ein problematischer Alkoholkonsum sei sicherlich vorhanden, wenn Frauen täglich 0,5 Liter Wein oder ein Liter Bier und Männer täglich 0,75 Liter Wein oder 1,5 Liter Bier trinken, so Fleichhacker weiter. Alkoholabhängigkeit sei keine Charakterschwäche, sondern eine gut behandelbare Krankheit. Je früher man sich des Problems bewusst werde und sich auf eine Behandlung einlasse, desto besser die Erfolgsaussichten. „Hausärzte seien dabei oft eine gute erste Anlaufstelle.

Tiroler Dialogwoche Alkohol

Am 15. Mai startet in Innsbruck die „Dialogwoche Alkohol“ mit zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen. „Im Mittelpunkt der Dialogwoche steht die Frage: Wie viel Alkohol ist zu viel? „Mit der Dialogwoche möchten wir die Tiroler Bevölkerung über Alkohol informieren, zu Gesprächen anregen und motivieren, über den eigenen Alkoholkonsum nachzudenken – tabulos, ehrlich, und faktenbasiert“, erklärt Gerhard Gollner, Leiter der Tiroler Suchtpräventionseinrichtung kontact + co.

„Ein verantwortungsvoller Umgang mit Alkohol will gelernt sein. „Die erwachsenen Tiroler haben hier eine große Verantwortung. Ihre Vorbildwirkung und Haltung spielen eine wichtige Rolle in der Prävention“, so Gerhard Gollner abschließend. (TT.com, hu)

Tiroler Dialogwoche Alkohol 15. bis 19. Mai 2017

Aktionen und Veranstaltungen:

Mehr Infos zu allen Aktionen und Veranstaltungen:
www.dialogwoche-alkohol.at

Montag, 15. Mai bis Freitag 19. Mai, 10.00 - 16.30

Informationsstand „Wie viel ist zu viel?"
Rathaus-Galerie, Innsbruck
Fachleute aus Einrichtungen der Suchthilfe stehen für Fragen zur Verfügung. An der MOBILisierBAR können bei einem Quiz alkoholfreie Cocktails gewonnen werden.
Veranstalter: pro mente tirol — caravan, Haus am Seespitz, sucht.hilfe BIN, Emmaus, ASP, AA, kontakt+co, suchthilfe.bin

Tag der offenen Tür
sucht.hilfe BIN, Anichstraße 34/2. Stock
Innsbruck

Der Verein BIN (Beratung, Information und Nachsorge) hilft und berät bei Abhängigkeitskrankheiten wie wie Alkohol-, Medikamenten oder Spielsucht. Er bietet in Tirol Beratung und Nachsorge an elf Standorten an. Kontaktmöglichkeit: 0512/580040. www.suchtberatung-tirol.atVeranstalter: sucht.hilfe BIN

Mittwoch, 17. Mai, 19.00 - 20.00

Vortrag
Alkohol: Vom Genuss- zum Suchtmittel
Frauen-Kopf-Klinik, Anichstraße 35
Großer Hörsaal
Innsbruck
Referent: Ao. Univ. Prof. Dr. Sergei Mechtcheriakov

Donnerstag, 18. Mai, 17.00 - 18.30

Vortrag
Leben statt Betäuben
Die Einrichtungen der pro mente tirol (Wendepunkt, Haus am Seespitz und caravan) stellen ihre Herangehensweise vor. Weiters eröffnen Betroffene und Therapeuten ihre Sichtweise über Wachstums- und Veränderungsprozesse.
ARCUS, Domplatz 3
Innsbruck
Veranstalter: pro mente tirol — caravan | Haus am Seespitz | Wendepunkt

Während der Dialogwoche organisiert vom 15. bis 19. Mai die Stadtbücherei Innsbruck (Colingasse 5a, Innsbruck) einen Büchertisch mit Fachbüchern und Belletristik zum Thema Alkohol.