Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 19.05.2017


Osttirol

Erasmus-Austausch: Kinder aus sechs Ländern in Lavant

Die Lehrer Gregorius und Anastasios aus Athen bemalen mit Kindern Steine im Flussbett.

© BlassnigDie Lehrer Gregorius und Anastasios aus Athen bemalen mit Kindern Steine im Flussbett.



Lavant – Inge ist Lehrerin in Dänemark. Zum gegenseitigen Kennenlernen im Zuge eines Erasmus-Austausches ist sie mit 22 elfjährigen Kindern mit einem Bus nach Osttirol gereist. Ziel: die Volksschule am Dorfbach in Lavant. „Die Fahrt war anstrengend“, so Inge. „Aber unsere Kinder haben noch nie solche Berge gesehen. Und die Fahrt durch den Felbertauerntunnel hat für große Aufregung gesorgt.“

Aus Magdeburg ist Pädagoge Mario mit 13 Kindern angereist. Auch für einige seiner Schützlinge sind die Osttiroler Berge eine noch nie gesehene Kulisse. Den Schüleraustausch sieht er als spannende Begegnung: „Die Kinder lernen, mit anderen und ihren fremden Sprachen klarzukommen, sich gegenseitig zu helfen.“ Das Besondere an der Lavanter Schule sei die Lage mitten in unberührter Natur. Dem stimmen Anastasios und Gregorius zu. Die beiden unterrichten an einer Schule in Athen. Sie kamen ohne Schüler und lernen die Methodik in einem anderen europäischen Land kennen. „Bei uns gibt es keine Parks, kein Grün. Unsere Kinder kennen nur Zementbauten und Verkehrsstaus“, erzählt Gregorius. Die Schule in Lavant sei ein Paradies. „Die Kinder hier lernen in und mit der Natur. Steine, Wiesen, ein Fußballfeld, Wald, ein Fluss mit felsigem Bachbett: unvorstellbar bei uns.“ Ihre Schule in Athen habe nur einen winzigen Freibereich. Der Unterricht finde streng in den Klassenräumen statt. Es gebe praktisch keine Gelegenheit für Ausflüge. Auch die Lehrerin Maria Jesus aus Spanien reiste ohne Kinder an. Sie arbeitet an einer Einrichtung mit Kindern aus schwierigen Verhältnissen. „Ich kann hier neue Methoden kennen lernen und mich mit Kollegen austauschen.“

Aus Schlesien in Polen ist Danuta mit acht Kindern für diese Woche gekommen. Sie unterrichtet an ihrer Schule Deutsch als Muttersprache. „Der Kontakt zu lebenden Fremdsprachen wie Finnisch in einem Gastland ist eine einmalige Chance für unsere Schüler.“ Schulleiter Walter Schneider zeigt sich dankbar für die Möglichkeit des Austausches in Europa: „Und aus all meinen Erfahrungen in den verschiedensten Ländern kann ich feststellen, dass unser duales Schulsystem gut ist – es wird wegen PISA, das völlig überbewertet ist, schlechtgeredet.“ (bcp)

Die Schüler lernen sich spielerisch kennen und friedvoll miteinander umzugehen.
Die Schüler lernen sich spielerisch kennen und friedvoll miteinander umzugehen.
- Blassnig