Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.06.2017


Osttirol

Neue Anlaufstelle hilft, wenn Not am Mann ist

Die Beratungseinrichtung „Mannsbilder“ nimmt nun auch in Osttirol Fahrt auf. Der offizielle Startschuss fiel mit Frauenlandesrätin Christine Baur.

Männer haben unterschiedlichste Probleme und holen sich oft erst sehr spät Hilfe. Die neue Beratungseinrichtung in Lienz bietet in belastenden Phasen diskret Klärung, Orientierung, Rat und Hilfe.

© iStock/skynesherMänner haben unterschiedlichste Probleme und holen sich oft erst sehr spät Hilfe. Die neue Beratungseinrichtung in Lienz bietet in belastenden Phasen diskret Klärung, Orientierung, Rat und Hilfe.



Von Claudia Funder

Lienz – Beratungsstellen für Frauen sind mittlerweile ebenso gängig wie jene für Familien. Doch wohin wendet sich Mann in Zeiten der Krise? So mancher fühlt sich den gewandelten Rollenerwartungen nicht gewachsen, sein Selbstbild gerät ins Wanken. Das Klischee vom „starken Mann“ lässt bei Problemen erst denkbar spät Hilfe von außen holen. Hapert es auch noch am sozialen Umfeld, stehen Scheidung und Jobverlust ins Haus oder wächst die Aggressionsbereitschaft, wird es dann oftmals zu eng – gibt es doch Dinge, die Mann nicht mit sich selbst ausmachen kann.

Genau hier setzt der Verein „Mannsbilder“ an. Vor über 20 Jahren wurde diese Beratungsstelle in Innsbruck eröffnet, längst gibt es Außenstellen in Wörgl und Landeck. Gestern fiel auch in Lienz der offizielle Startschuss – im Beisein von Landesrätin Christine Baur und Martin Christandl, dem Leiter der Mannsbilder-Beratungsstellen.

Das Angebot sei ein wichtiger Beitrag zu einer geschlechtergerechten Gesellschaft und zur Gewaltprävention, meinte Baur, der als Frauenlandesrätin diese Bereiche offenkundig besonders am Herzen liegen: „Aus diesem Grund habe ich mich auch erfolgreich für einen eigenen Posten ‚Gewaltprävention‘ im Landesbudget eingesetzt, aus dem Angebote wie die Beratungsstelle Mannsbilder gefördert werden.“

Das Initialthema der Männerberatung war Gewalt, längst hat man aber ein deutlich breiteres Feld im Blick: Lebenskrisen, Vaterschaft, Erziehungsprobleme, Schwierigkeiten in Partnerschaft und Sexualität sowie Unsicherheit in der Schul- und Arbeitswelt. „Ich wünsche der Einrichtung, dass viele Männer hierher finden“, ergänzte Baur.

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Martin Christandl erklärte, dass es sich um ein niederschwelliges, maßgeblich vom Land gefördertes Angebot handle: „Männer haben Probleme, Stärken und Schwächen. Wir wollen Beratung auf Augenhöhe anbieten und einen Raum aufmachen für Männer auf der Suche.“

Die Beratung ist anonym und gratis für die Männer, die aber meist einen Solidarbeitrag leisten, über dessen Höhe sie selbst entscheiden. „Jeder Euro davon fließt wieder in die Beratung“, stellt Christand­l klar.

Die „Mannsbilder“ peilen nun auch so genannte Burschenarbeit an, werden in Schulen Mannwerden, Gewaltprävention und Orientierung zum Thema machen.

Wer sich für Hilfe von Mann zu Mann interessiert: Die Beratungsstelle in Lienz befindet sich in der Amlacherstraße 2. Das dreiköpfige Beraterteam Thomas Goller, Andreas Huber und Stefan Leibetseder ist telefonisch unter 0650/6036836 und beratung.lienz@mannsbilder.at erreichbar. Öffnungszeiten der Außenstelle: Dienstag von 17 bis 20 Uhr und nach Vereinbarung.

Zusätzliche Infos zum durchaus vielseitigen neuen Angebot sind unter www.mannsbilder.at abrufbar.


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