Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.06.2017


Tierschutzverein für Tirol

Beim Tierschutzverein hapert es an einigen Ecken

Innsbrucker Kontrollamt prüfte erstmals den Tierschutzverein für Tirol: Kritik an Arbeit der Vereinsorgane und fehlendem Grundstücksrückkauf.

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© Rudy De Moor / TT



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Der Tierschutz hat in Österreich Verfassungsrang. Tierheime, wie sie der gemeinnützige Tierschutzverein für Tirol 1881 (TfT) in Nordtirol betreibt (Innsbruck-Mentlberg, Reutt­e, Schwaz, Wörgl), dienen dazu, entlaufene, ausgesetzte oder auch von Behörden beschlagnahmte Tiere gemäß Tierschutzgesetz zu übernehmen und artgerecht zu betreuen. Insofern wird der TfT auch vom Land und der Stadt Innsbruck finanziell unterstützt. Aus diesem Grund rückte nun auch das städtische Kontrollamt aus, um den TfT erstmals einer genaueren Prüfung zu unterziehen.

Die Zahlen, die das Kontrollamt dabei zu Tage förderte, wissen zu beeindrucken. Allein im Jahre 2015 nahm der TfT in all seinen Heimen 2870 Tiere (Hunde, Katzen, Kleintiere, Reptilien und Wildtiere) neu auf und gab 2057 wieder ab. Ausgewildert wurden 702 Tiere. Von den im Tierheim Mentlberg untergebrachten Hunden stammten 151 aus dem Stadtgebiet Innsbruck, 89 aus dem Bezirk Innsbruck-Land, gefolgt von Imst mit 42. Bei den Katzen kamen 209 aus Ibk-Land, 162 aus der Stadt, der Bezirk Schwaz folgte an dritter Stelle. Gar 260 der Kleintiere stammten aus Ibk-Land, 195 kamen aus Innsbruck und 27 aus Schwaz.

Allein der Betriebsaufwand des TfT betrug für das Jahr 2015 rund 1,48 Mio. €, die diesbezügliche Jahresrechnung wies einen Verlust von rund 343.000 Euro aus. Einnahmen werden in erster Linie durch öffentliche Subventionen (2015: rd. 485.000 €), Mitgliedsbeiträge und insbesondere durch Spenden/Erbschaften erzielt. Das Kontrollamt rechnete exemplarisch vor, dass allein die Stadt den TfT seit dem Jahre 2000 mit in Summe an die 2,1 Mio. € gefördert hat.

Daneben stieß das Kontrollamt aber auch auf Vorgänge, die auf teils recht herbe Kritik trafen. Diese betreffen auch die zuständigen Ämter im Stadtmagistrat. So attestiert man „eine Reihe von Schwachstellen kommunikativer und organisatorischer Art“ und empfiehlt zur Überwachung der Fördervereinbarungen zwischen Stadt und TfT die Etablierung eines Systems, das eine „effiziente Steuerungs- und Kontrollmöglichkeit der Subventionen für den Tierschutz vorsieht“.

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In der internen Organisation des TfT bemängeln die Prüfer u. a., dass der seit April 2015 im Amt befindliche Vereinsvorstand bis Prüfungsende laut Statut keinen Wirtschaftsplan erstellt und von der Vollversammlung absegnen lassen hat. Auch eine Geschäftsordnung für den Vorstand fehlte. Der TfT konterte, für 2017 sei ein Wirtschaftsplan bereits erstellt und genehmigt worden, seit 2015 habe es zumindest einen mittelfristigen Investitionsplan gegeben. Eine Geschäftsordnung liege im Entwurf vor.

Dass der TfT 2014 indes zwei Grundstücke, auf denen sich Teile des Tierheims Mentl- berg befinden, nicht vom Landeskulturfonds (LKF) zurückgekauft hat, finden die Prüfer hinterfragenswert. 2008 hatte der TfT zwecks Entschuldung selbige für rund 360.000 € an den LKF verkauft. Dabei soll sich der TfT aber zu einem Rückkauf verpflichtet haben, sobald er wirtschaftlich (ohne Neuverschuldung) dazu in der Lage ist. Für das Kontrollamt wäre das 2014 aufgrund einer hohen Erbschaft der Fall gewesen. Zumal sogar der damalige Vorstand einstimmig den Beschluss gefasst hatte, eine Million € der Erbschaft in eine vom Verein neu zu errichtende, gemeinnützige Privatstiftung und 400.000 € in das Vereinsbudget zu transferieren, jedoch mit weiteren 400.000 € die Grundstücke zurückzukaufen. Das sei aber bis dato nicht erfolgt, kritisieren die Prüfer. In einer Reaktion des TfT hieß es, diese Vorgangsweise sei unter den Beteiligten abgestimmt gewesen.

Die Prüfer regen auch an, zumindest zu vereinbaren, dass vom TfT eingebrachtes Vermögen im Fall der Stiftungsauflösung wieder rückgezahlt wird. Der TfT soll dies mit Verweis auf Anforderungen für die Gemeinnützigkeit zurückgewiesen haben.

Hitzl: „Professionellere Vereinsarbeit nötig“

Dem Innsbrucker Kontrollausschuss lag gestern der Prüfbericht zum Tierschutzverein für Tirol (TfT) vor, siehe Bericht oben. Ausschussobmann Franz Hitzl (VP) betonte zwar, dass der Verein mit seinen Tierheimen eine „Reihe von kommunalen Aufgaben" erfülle, jedoch zeige der Bericht klar, dass „eine professionellere Vereinsarbeit künftig notwendig ist". Laut Hitzl sei insbesondere „der Wechsel der letzten Vereinsvorstände alles andere als professionell abgewickelt worden". Der Verein sei dazu angehalten, so der Ausschussobmann weiters, den Empfehlungen des Kontrollamtes sowohl in organisatorischer als auch finanzieller Hinsicht nachzukommen. So sei die Vereinszeitung „entweder einzustellen oder auf neue Beine zu stellen". Sauer stößt Hitzl weiters auf, dass „die Stiftung für den Auflösungsfall nicht die Begünstigung des Tierschutzvereins, ja nicht einmal des Tierschutzes selbst definiert". Zudem sei das Stiftungsvermögen gewinnbringend zu veranlagen, fordert Hitzl. Derzeit „sinkt der Vermögenswert".