Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.06.2017


Exklusiv

Vereinsführung wehrt sich gegen Kontrollamtskritik

Der Tierschutzverein für Tirol hält die aufgezeigten Mängel zum Teil für unberechtigt. Politik rät Vorstand, Empfehlungen rasch umzusetzen.

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© Rudy De Moor / TT



Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck – Die Mängelliste ist lang, die Kritik wiegt schwer. Wie in der gestrigen Ausgabe berichtet, hat das Innsbrucker Kontrollamt den Tierschutzverein für Tirol 1881 (TfT) unter die Lupe genommen. Nicht nur die organisatorische Führung des gemeinnützigen Vereins, auch in Finanzangelegenheiten hoben die Prüfer in manchen Teilbereichen den warnenden Zeigefinger. Die Rede ist von fehlenden Protokollen, einer nicht klar definierten Aufgabenverteilung im Vorstand, einem nicht erfolgten Rückkauf zweier Liegenschaften, Details zu einer gegründeten gemeinnützigen Stiftung und einer nicht wirtschaftlichen Vereinszeitung.

Zumindest für die Politik ist die Lage klar: Der Verein als Empfänger städtischer Zuschüsse (seit dem Jahr 2000 rund 2,1 Mio. €) hat die aufgezeigten Mängel abzustellen und den Empfehlungen des Kontrollamtes nachzukommen. „Der Verein leistet wichtige Arbeit. Die Empfehlungen der Kontrollabteilung werden wir gerne mit den Verantwortlichen diskutieren“, sagte etwa FI-Klubobmann Lucas Krackl. Die grünen Kontrollausschussmitglieder Kathrin Heis und Marcela Duftner kündigen an, sich dafür einzusetzen, dass die Kritikpunkte abgearbeitet werden. Sollte das nicht der Fall sein, müsse es aber auch „Konsequenzen geben“. Generell wird ein Imageschaden befürchtet.

Für den Sprecher des TfT und Vereinskassier, Peter Schweiger, sind die Kritikpunkte des Kontrollamtes zum Großteil nur formaler Natur: „Die letzte Wahl ist hochprofessionell abgelaufen.“ Der Vorstand habe sehr wohl eine klare Aufgabenverteilung, auch wenn diese nicht verschriftlicht sei. Das verschaffe dem Team „mehr Spielraum“. Aber auch hinsichtlich der in dem Prüfbericht erwähnten Kritik an finanziellen Details sei „keine Substanz dran“. Entgegen den Prüfern bewertet Schweiger die Vereinszeitung Tierschutzkurier als gewinnbringend. Einfach die Mitgliedsbeiträge auf die Kosten der Zeitung umzurechnen, sei „ein völlig falscher Zugang“. Vielmehr seien hier die dadurch lukrierten Spenden (per Erlagschein) hinzuzurechnen. Unabhängig von der Prüfung habe man aber bereits eine Reduktion der Ausgaben von sechs auf vier veranlasst.

Der Rückkauf der einst zur Entschuldung des Vereins an den Landeskulturfonds veräußerten zwei Grundstücke sei deshalb nicht erfolgt, sagt Schweiger, weil der LKF dem Verein dazu ausdrücklich geraten habe. Denn das Spendenaufkommen der Folgejahre sei nicht vorhersehbar. Ungeachtet der damals liquiden Vereinslage (hohe Erbschaft). „Im Folgejahr hatten wir dann tatsächlich einen Abgang von 343.000 Euro.“

Die Gründung einer Stiftung sei indes aus steuerrechtlichen Gründen erfolgt. Jeder Euro darin würde aber für den Tierschutz verwendet, sagt Schweiger.

Auch die ehemalige Obfrau des TfT, Inge Welzig, meldete sich gestern zu Wort. Sie spart nicht mit Kritik am aktuellen Vorstand. Nach ihrem Hinweis auf die Verpflichtung des Vereins betreffend der Grundstücke sei sie „nur ausgelacht worden“. Sie hofft, dass „die Machtspiele nicht die Zukunft des Vereins gefährden“.