Letztes Update am Sa, 10.06.2017 12:24

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Osttirol

Blinder Bergsteiger Andy Holzer: Zweifel an sieben Gipfelsiegen

Andy Holzer hat als erster blinder Bergsteiger alle Seven Summits bestiegen. Das zumindest behauptet er von sich selbst. Ein Online-Magazin zieht diese Aussage nun erheblich in Zweifel.

Das Gipfelfoto vom Mount Everest: Andy Holzer mit Klemens Bichler und Wolfgang Klocker.

© Archiv HolzerDas Gipfelfoto vom Mount Everest: Andy Holzer mit Klemens Bichler und Wolfgang Klocker.



Lienz – War der blinde Bergsteiger Andy Holzer auf allen sieben höchsten Gipfeln der Welt, den so genannten Seven Summits? Er selbst behauptet Ja. Das Onlinefachmagazin Bergsteigen.com hingegen widerspricht. Erst kürzlich ist dem Osttiroler sein letzter Streich gelungen: Er hat den Gipfel des Mount Everest erreicht – im dritten Anlauf. Am Aufstieg über die Nordroute und am Erreichen des Gipfels zweifelt auch niemand, schreibt Bergsteigen.com. Vielmehr gehe es um eine Expedition zu einem anderen Gipfel, den Holzer 2008 in Angriff genommen hatte. Den 6194 Meter hohen Denali (McKinley).

Laut Recherchen des Fachmagazins war der „Blind Climber“ aber gar nicht am Gipfel, sondern auf einem Vorgipfel namens „Kahiltna Horn“.

Umkehr zugegeben

Mit den Vorwürfen konfrontiert, soll einer der damaligen Begleiter auch zugegeben haben, dass man den Gipfel wegen der schlechten Witterung gar nie erreicht habe: „Ja, es war eine Teamentscheidung und ein Wunsch von Andy, das Team nicht zu gefährden. Andy hat den Rückweg langsam aber anstandslos angetreten, wir mussten ihn nicht tragen, stützen etc. und schliefen eine Nacht auf 5300 m und am nächsten Tag gings in einem Rutsch auf 2200 Meter runter.“

Andy Holzer erklärte gegenüber dem Online-Fachmedium: „Wir haben (Anm: nach dem Abstieg) mit den dort zuständigen Rangern unseren Aufstieg mit all den Details erörtert und ich und auch meine Kameraden haben von der offiziellen Stelle dort das Zertifikat einer gültigen Besteigung des Denali erhalten. Auf dieser offiziellen Grundlage habe ich damals folglich wie jeder anderer Bergsteiger kommuniziert, dass wir als Team am Denali Erfolg hatten.“

Auch die Recherche bei den Parkrangern vor Ort ergab, dass derartige Zertifikate nur ausgestellt würden, wenn Bergsteiger wirklich den Gipfel erreicht hätten und nicht etwa einen Vorgipfel. Kritiker stellen klar, dass man erst auf einem Gipfel sei, wenn man auch wirklich den Vermessungspunkt erreicht habe.

Laut ORF will Andy in den kommenden Tagen zu den Vorwürfen Stellung beziehen. Er hat bereits einen Anwalt eingeschaltet. (TT.com)