Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 30.07.2017


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Tiroler Tierschützer: “Novelle verursacht Chaos“

„Tierschutz-Novelle nein!“, skandierten die Teilnehmer einer Demonstration gestern in Innsbruck. Der ehrenamtliche Tierschutz werde lahmgelegt.

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Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – „Wir lassen uns die Hilfe nicht verbieten!“, „Tierliebe ist grenzenlos“: Rund 100 Menschen haben sich dem Protest der Mitarbeiter von sieben Tiroler Tierschutzvereinen angeschlossen, auch in Wien fand parallel dazu eine Demonstration statt. Sie fordern eine Rücknahme der verschärften Regelungen für Private und kleinere Organisationen, die selbst kein Tierheim führen. Diese dürfen ihre Schützlinge seit Juni weder über Inserate noch im Internet vermitteln.

Es gilt zwar eine einjährige Übergangsfrist, de facto ist die Arbeit der vielen ehrenamtlichen Helfer aber bereits lahmgelegt, weil die Behörden den kleinen Vereinen keine Bescheide mehr ausstellen.

„Bei der Ausarbeitung der Novelle wurde völlig übersehen, wie viele Menschen in Österreich wertvolle Arbeit für den Tierschutz leisten“, sagt Peter Kahr von den Tiroler Tierengeln. Susi Al-Madin, Tierschutz Sonne, fürchtet, dass der illegale Handel, den man eigentlich eindämmen wollte, sogar bestärkt wird.

Die Auswirkungen sind bereits deutlich spürbar, denn nun müssen sich alle an die Tierheime wenden: „Wir haben absolut keinen Platz mehr, alle Zimmer sind voll“, sagt Kristin Müller, Leiterin des Tierheims Mentlberg in Innsbruck. Bis zu 90 Prozent müssen abgewiesen werden, bei den Hunden sind es – wegen des Umbaus des Außengeheges – sogar 100 Prozent.

Völlig überlastet sind aber auch die Telefonleitungen: Allein um die vielen Anfragen privater Tierbesitzer, die – meistens für ihre Katzen oder Hunde – einen neuen Platz suchen, bearbeiten zu können, werden drei zusätzliche ehrenamtliche Helfer benötigt.

Müller: „Wir waren darauf vorbereitet, dass durch die Gesetzesänderung viel auf uns zukommen wird, doch damit haben wir nicht gerechnet!“ Der Grundgedanke der Novelle, den illegalen Welpenhandel zu beschränken, sei richtig und notwendig. Doch sollten kleine Vereine mindestens erwachsene Tiere inserieren dürfen.

Der Tierschutzverein für Tirol betreibt insgesamt vier Tierheime in Nordtirol. Geben Menschen dort ihre Vierbeiner ab, werden diese von den Mitarbeitern zuerst eingeschätzt und dann mit einer Art Steckbrief versehen. Derzeit ist das nicht möglich, was bereits dazu geführt hat, dass Tiere zurückgegeben werden mussten. „Wir appellieren an die neuen Besitzer, das ausgesuchte Tier zuerst genau kennen zu lernen, bevor sie sich entscheiden.“

Proteste gegen das Tierschutzgesetz

Die Novelle sieht vor, dass Organisationen eine Betriebsstätte benötigen, um weiterhin inserieren zu dürfen. Pflegestellen müssen über einen Quarantäneraum verfügen, auch ein Vertragstierarzt muss zur Verfügung stehen: All das ist mit hohen Kosten verbunden. 25.000 Unterstützer für die Petition zur Änderung der Tierschutzgesetzesnovelle 2017 und rund 7000 Likes für eine eigens gegründete Facebook-Gruppe „Wir sagen Nein".




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