Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 09.10.2017


Hall

Ein Kirchenjuwel strahlt wieder hell

Am Sonntag, 29. Oktober, feiert die Pfarrkirche St. Nikolaus in Hall nach vierjährigen Restaurierungsarbeiten ihre Wiedereröffnung. Edle Fresken leuchten wie neu – die Umgestaltung des Altarraums war umstritten.

© Domanig



Von Michael Domanig

Hall – Noch herrscht Baustellenatmosphäre im prächtigen Inneren der Haller Pfarrkirche St. Nikolaus, einem der bedeutendsten Sakralgebäude Tirols. Doch schon in drei Wochen feiert man die Wiedereröffnung des Kulturjuwels – nach insgesamt vier Jahren intensiver Innenrenovierung mit jeweils monatelangen Sperren.

Pfarrer Jakob Patsch neben dem 
versetzten Taufbecken, im Hintergrund der „frisch aufpolierte“ Hochaltar.
- Domanig

Eine Proberestaurierung im Sommer 2013 hatte ein dramatisches Schadensbild offenbart: Aufgrund jahrzehntealter Wasserschäden waren die wertvollen Deckenfresken von Joseph Adam Mölk und andere Kunstschätze akut gefährdet, der Putz löste sich bereits. In der Folge wurden Experte Jörg Riedel und sein Team mit der delikaten Restaurierung der Rauminnenhaut beauftragt, auch Elektro- und Lichtplaner nahmen ihre Arbeit auf.

Im ersten Baulos (ab Mai 2014) wurden die veralteten Elektroinstallationen erneuert und der schadhafte Sockelputz abgeschlagen. Im Jahr darauf restaurierten die Fachleute den flächenmäßig größten Teil der Wand- und Gewölbemalereien. Begleitende archäologische Grabungen in Sakristei und Presbyterium brachten tiefe Einblicke in die Baugeschichte der Kirche. Im dritten Bauabschnitt folgten Fresken und Raumhaut im Presbyterium, ehe heuer schließlich die Wand- und Gewölbeflächen im hinteren Kirchenschiff gereinigt und saniert wurden. Zugleich brachte man Seitenaltäre, Bilder und Ausstattungsgegenstände auf Hochglanz.

Wenn Pfarrer Jakob Patsch die nunmehr komplett renovierten Deckenfresken betrachtet, dann strahlt auch er. Viele Details der Gemälde seien erst jetzt wieder erkennbar – auch dank des neues Beleuchtungskonzepts, „das alle Stückerln spielt“.

Ein Highlight für Patsch ist auch der frühbarocke Hochaltar, der seine ursprüngliche Farbgestaltung in Schwarz-Gold und Elfenbein-Weißgrau zurückerhielt – und dadurch nun „luftiger und filigraner“ wirke. Der völlig verschmutzte Nepomuk-Altar im südlichen Seitenschiff leuchtet nun wieder hell – und auch die gotische Madonna im barocken Altar der Waldauf-Kapelle wurde aufwändig gereinigt.

Zugleich kam es zu einer Umgestaltung der liturgischen Orte: Eine neue Altarinsel entstand, Altar und Ambo wurden räumlich vorgezogen – auch „aus rein praktischen Gründen“, wie Patsch erklärt: Schließlich macht die Kirche zwischen Langhaus und Chorraum aus bauhistorischen Gründen einen deutlich sichtbaren Knick. Nun sei der gesamte Altarraum besser einsehbar, rücke – als „das Zentrum, wo man die Messe feiert“ – auch symbolisch näher an die Gemeinde heran.

Konzentriert: Gemälderestauratorin Eva Lesny bei ihrer filigranen Arbeit.
- Domanig

Zudem böten Altar, Ambo und Priestersitz aus Muschelkalk mit ihrer „reduzierten zeitgenössichen Formensprache“ einen notwendigen Kontrast zur „barocken Überfülle“ der Kirche, ergänzt Patsch. Im Zuge der Arbeiten wurde überdies das Taufbecken, das zuvor im Eingangsbereich der Kirche stand, hinter den Altar versetzt, erläutert Patsch – damit schaffe man einen „geschützten Taufort“, ungestört von den Touristen, die in die Kirche strömen.

In Teilen der Kirchengemeinde war die Neugestaltung des Altarraumes heftig umstritten – nicht zuletzt, weil einige der Kritiker persönlich an der Gestaltung des alten Altarraumes beteiligt gewesen waren. Doch inzwischen hätten sich „die Wogen geglättet“, meint der Pfarrer.

Geweiht wird der neue Altar bei einem Festgottesdienst am 29. Oktober um 9.30 Uhr – als Höhepunkt eines dichten Festprogramms, das sich bis 5. November erstreckt.

Die Gesamtkosten für die Kirchenrestaurierung betragen ca. 3,5 Mio. Euro. Den Großteil davon trägt die öffentliche Hand (Bund, Land, Stadt, Landesgedächtnisstiftung, Diözese), auch die deutsche Messerschmitt Stiftung oder die „Gedächtnisstiftung Peter Kaiser“ aus Liechtenstein beteiligen sich. Rund 750.000 Euro muss die Pfarre selbst auftreiben – wobei Bevölkerung, Vereine und Firmen mit Spenden, Benefizaktionen und Patenschaften für Kunstobjekte seit Jahren tatkräftig mithelfen. Wer sich noch beteiligen will, findet alle Möglichkeiten unter www.kulturgut-hall.at.