Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.10.2017


Exklusiv

Mehr Wild-Abschüsse im Visier

Um bis zu fünf Prozent mehr Wildabschüsse wurden im vergangenen Jagdjahr laut Statistik Austria in Tirol gezählt. Damit trotzte man dem Bundestrend. Doch nicht nur die Bürokratie macht den Jägern zu schaffen.

© ZanonLandesjägermeister Anton Larcher.



Von Marco Witting

Innsbruck — Die Bürokratie hat in Österreich so ihre Wildschüsse. Etwa wenn laut dem Tiroler Jagdgesetz die Abstände von Zaunlatten bei der Rehfütterung reglementiert sind. Und wenn es einen Unterschied macht, ob die Latten vertikal oder horizontal angebracht sind — was einige Jäger richtig heiß laufen lässt und Bescheide von Behörden nach sich zieht. Die Bürokratie ist es auch, die das Jagdwesen durch verschiedene Ländergesetze regelt. Und da ist ein Jagdjahr in Salzburg dem Kalenderjahr entsprechend — und geht über der Grenze in Tirol vom 1. April bis 31. März. Gestern veröffentlichte die Statistik Austria dann die Ergebnisse des vergangenen Jagdjahres 16/17. Und dabei trotzt Tirol dem Bundesschnitt.

Denn alle Bundesländer zusammengerechnet, ist ein leichter Rückgang bei den Abschusszahlen festzustellen — ein Minus von 2,7 Prozent. In Tirol ist dagegen im Vergleichszeitraum die Zahl der Abschüsse gestiegen. Beim Rotwild gab es 412 Abschüsse — insgesamt 9025. Das sind knapp fünf Prozent mehr. Nicht ganz so stark die Steigerung beim Rehwild. Hier gab es 14.832 Abschüsse, knapp 300 mehr als noch im Jahr zuvor. Auch beim Gamswild wurde in der Statistik ein Anstieg verzeichnet. Zahlen, die Landesjägermeister Anton Larcher nicht überraschen, aber trotzdem freuen. „Das ist absolut positiv. Und zeigt, dass man sich in vielen Bereichen intensiv bemüht hat."

Nicht ausgewiesen sind aber die vorgegebenen Abschussquoten. Und hier wies die entsprechende Statistik beim Rotwild zuletzt eine Erfüllungsquote von knapp 86 Prozent auf. Für die einen deutlich zu wenig. Für Larcher war das zufriedenstellend. Außerdem hänge die Erfüllung derartiger Quoten auch von den Vorgaben ab. Und die seien für die Jäger sehr hoch. Nicht jedes Pro­blem im Wald könne von der Jägerschaft gelöst werden. Die Abstimmung mit den Waldbauern funktioniere größtenteils sehr gut. Da und dort gebe es aber noch Verbesserungspotenzial.

Gestiegen sind im vergangenen Jahr die Abschüsse beim übrigen Haarwild — etwa bei Murmeltieren. Hier wurden im Auswertungszeitraum im Tirol 4288 erlegt. Eine Steigerung zum Vorjahr. Lediglich bei den Füchsen, wo 7036 Tiere abgeschossen wurden, gab es einen Rückgang. Über die so genannte Verjüngungsdynamik (die Entwicklung der Jungwaldbestände wird bei der Abschlussplanung berücksichtig) will Larcher nicht lamentieren, sondern daran arbeiten.

Apropos: Die Jagd ist laut dem Landesjägermeister immer noch attraktiv. „Sie ist aber im Wandel. Und sie wird jünger und weiblicher", erklärt Larcher. „Viele Menschen suchen nach einem Leben in unserer Kultur, die alle vier Jahreszeiten beinhaltet." Da sei die Jagd ideal, weil von der Fütterung bis zur Brunft alles inbegriffen sei. Bundesweit gibt es derzeit 127.000 Jahresjagdkarten — ein Plus von 3,8 Prozent. Es wurden auch 12.600 Jagdgastkarten mit unterschiedlicher Gültigkeitsdauer ausgestellt. In Tirol gab es 14.701 Jahresjagdkarten und 2100 Gastkarten. Larcher spricht sich für weniger Bürokratie aus. „Wir müssen aufpassen, dass das, was sich auf dem grünen Tisch leicht ausmachen lässt, in der Natur dann auch umsetzbar bleibt." Man habe es in den Revieren dann doch immer mit Unwägbarkeiten zu tun. Nicht nur topografischen.

Krankheiten, Autos bedrohen Wild

Innsbruck — Straßenverkehr, Witterung und Krankheit, all das sind Faktoren, die auf den Wildbestand Einfluss haben. So wurden im vergangenen Jagdjahr rund 1600 Tiere in Tirol im Straßenverkehr getötet. Insgesamt weist die Statistik 4500 Tiere als Fallwild aus. Krankheiten spielen dabei naturgemäß eine Rolle. Martina Just, Wildbiologin beim Jägerverband, erklärt: „Derzeit gibt es keine größeren Krankheits- oder Seuchenzüge in Tirol." Den weitaus größten Einfluss bei den Erkrankungen von Gams- und Steinwild hat aber die Räude. Es gibt aber immer wieder auch Fälle der „so genannten Keratokonjunktivitis (IKK) oder umgangssprachlich Gamsblindheit". Das ist eine Augeninfektion, die durch ein Bakterium ausgelöst wird und bei Gams-, Stein- und Muffelwild sowie bei Schafen und Ziegen auftritt. Während die Krankheit bei den Nutztieren meist in milder Form auftritt bzw. behandelt werden kann, kann es bei Wildtieren zu starken Erkrankungen kommen. Im Falle von hochgradigen Infektionen kommt es zur Zerstörung des Inneren des Auges sowie der Hornhaut. „Die Tiere erblinden, sondern sich meist vom Rudel ab, verhalten sich auffällig, magern ab und stürzen nicht selten ab", wie Just erklärt. Beim Auftreten der Krankheit sollte jegliche Störung vermieden werden, um zu verhindern, dass die Tiere bei der Flucht abstürzen. Störungen durch Menschen, vor allem im Winter, sind es auch, die den Tieren zusetzen — weil das Wild dadurch geschwächt und anfälliger für Krankheiten wird. „Kranke Wildtiere werden nicht behandelt. Vielmehr ist es die Aufgabe der Jägerschaft, kranke Tiere zu erlösen und eine Ausbreitung der Krankheit zu verringern." (mw)





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