Letztes Update am Mo, 09.10.2017 16:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Verhüllungsverbot

Verhüllungsverbot: Algerischer Millionär erhielt nach Auftritt Strafe

Ein verkleideter Aktivist verursachte einen Menschenauflauf vor dem Außenministerium: „Ich provoziere nicht, dieses Gesetz ist eine Provokation“, verlautbarte er.

Nekkaz will alle die nach dem österreichischen "Burka-Verbot" ausgesprochenen Strafen bezahlen.

© APANekkaz will alle die nach dem österreichischen "Burka-Verbot" ausgesprochenen Strafen bezahlen.



Wien - Der algerisch-französische Geschäftsmann Rachid Nekkaz, der alle Strafen nach dem österreichischen „Burka-Verbot“ bezahlen will, wird nun selbst eine Geldbuße leisten müssen. Der Aktivist war verkleidet vor dem Außenministerium erschienen, wo er einen Menschenauflauf verursachte. „Ich provoziere nicht, dieses Gesetz ist eine Provokation“, begründete er seine Aktion.

Im schwarzen Anzug, oranger Maske und Hut trat Nekkaz auf dem Wiener Minoritenplatz auf. Umgehängt hatte er sich ein großformatiges Foto von Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP), das mit 100-Euro-Noten gespickt war. Laut eigener Aussage geht es ihm nicht bloß um Provokation, vielmehr bezeichnete er sich als Kämpfer für Menschenrechte, wie er es auch in seiner Heimat Algerien getan hatte. Auch mit Kurz würde er gerne über dieses Thema sprechen.

Zuerst machte Nekkaz aber Bekanntschaft mit der Exekutive: Beamte unterbrachen den turbulenten Medienauftritt und baten den Millionär, die Maske abzunehmen. Es folgte eine viertelstündige Amtshandlung in den Räumen des Innenministeriums, die eine Strafe von 50 Euro zur Folge hatte. Stolz präsentierte Nekkaz danach das Strafmandat und lobte die „sehr freundlichen“ Polizisten. „Ich wäre sehr froh, wenn es in meiner Heimat Algerien auch so wäre.“

Zu emotionalen Wortgefechten mit Beschimpfungen kam es während des Auftritts auch unter dem Publikum der Aktion. Mehrere Männer, offensichtlich aus dem arabischen Raum, zankten sich dabei mit Befürwortern des Verhüllungsverbots. Zu ernsthaften Vorfällen kam es dabei aber nicht.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Kurz: Druck „sicher nicht nachgeben“

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) lässt die Aktion des Geschäftsmannes Rachid Nekkaz, der alle Strafen nach dem österreichischen „Burka-Verbot“ bezahlen will, unbeeindruckt. ‚Wir lassen uns nicht beirren und werden dem Druck eines algerischen Millionärs sicher nicht nachgeben“, reagierte er am Montag in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der APA auf den Auftritt vor seinem Ministerium.

Dass Nekkaz in Österreich die Strafe für Frauen bezahlen will, die Nikab oder Burka tragen, ist laut Kurz „ein Versuch, unsere Gesellschaft zu beeinflussen, den wir nicht hinnehmen werden“. Die Vollverschleierung sei „ein Symbol der Gegengesellschaft und des politischen Islamismus, und diesen bekämpfen wir entschieden“, meinte er weiter. „Wir stehen zu unseren europäischen Werten, wie der Gleichstellung von Mann und Frau. Diese werden wir weiterhin unbeirrt verteidigen.“ (APA)


Mehr Artikel aus dieser Kategorie

In den Subsahara-Ländern Afrikas sind derzeit nur bis zu zwölf Prozent aller Kinder unter fünf Jahren offiziell registriert. (Symbolbild)Unicef-Bericht
Unicef-Bericht

Ein Viertel aller Kinder weltweit „unsichtbar“: 166 Millionen nie registriert

Der Anteil registrierter Geburten ist laut UNICEF zwar in den letzten zehn Jahren um 20 Prozent gestiegen, 166 Millionen Kinder unter fünf Jahren bleiben den ...

Amtshilfe aus Italien
Amtshilfe aus Italien

Video: Carabinieri helfen Tiroler Polizei am Innsbrucker Christkindlmarkt

Bereits zum zehnten Mal gehen in der Adventszeit italienische Carabinieri zusammen mit Tiroler Polizisten in der Innsbrucker Innenstadt auf Streife. Sie soll ...

Die Eltern von Laurent Simons finden, dass zehn Monate für ein Studium zu lang sind. Die TU-Eindhoven widerspricht.Niederlande
Niederlande

Uni für Hochbegabten „zu lahm“: Neunjähriger bricht sein Studium ab

Die meisten Bachelorstudiengänge dauern drei Jahre. Nach dem Zeitplan der niederländischen Universität TU-Eindhoven hätte ihr Student Laurent Simons in zehn ...

Für adventliche Stimmung in der ausverkauften Thöni Sky Lounge in Telfs sorgten unter anderem der Kinderchor Do-Re-Mi der Landesmusikschule Telfs.Gesellschaft
Gesellschaft

Benefizgala für „Netzwerk Tirol hilft“: Tirols Sternenhimmel leuchtet heller

Tolle Künstler und ein spendierfreudiges Publikum bei der 5. Benefizgala für das „Netzwerk Tirol hilft“.

Video
Video

Video: Gregor Schlierenzauer spricht hörbehinderten Kindern Mut zu

Der Skispringer Gregor Schlierenzauer hört selbst von Geburt an auf einem Ohr nichts. Mit hörbehinderten Kindern hat er sich am Dienstag in Seefeld auf das E ...

Weitere Artikel aus der Kategorie »