Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 17.10.2017


Bezirk Kitzbühel

Das höchste Glück auf Erden

Seit über 80 Jahren heben Flieger am St. Johanner Flugplatz ab – manchmal auch mit Promis an Bord.

© HotterEin Blick auf St. Johann aus der Luft: der Wilde Kaiser im Hintergrund, davor die Gemeinde und rechts die Start- und Landebahn des Flugplatzes.



St. Johann i. T. – Eine Cessna 172 wartet auf der Rollbahn am St. Johanner Flugplatz auf die Starterlaubnis. „Delta Echo Charlie Sierra Charlie ist abflugbereit“, rauscht es aus dem Funkgerät. „Start nach eigenem Ermessen“, antwortet Thomas Stocker knapp. Das heißt, der Pilot kann eigenverantwortlich abheben. Und schon macht sich der Flieger auf den Weg nach Zell am See.

Thomas Stocker sitzt im „Tower“ – ein Büro im ersten Stock des „Fliegerstüberls“, Glasfronten ringsherum, mehrere Bildschirme, Flugpläne auf dem Schreibtisch. Seit sieben Jahren arbeitet der 43-Jährige als Betriebsleiter am St. Johanner Flugplatz. „Meine Aufgabe ist es, den Piloten Informationen zu geben.“ Aus welcher Richtung kommt der Wind? Wie hoch ist der aktuelle Luftdruck? Gibt es Einschränkungen auf der Start- und Landebahn? Diese Details sind für einen Piloten notwendig, um sicher starten bzw. landen zu können.

Betriebsleiter Thomas Stocker steigt selbst gerne in einen Flieger und genießt das Gefühl der Freiheit in der Luft.
- Hotter

Bis zu 150 Bewegungen, also Starts und Landungen, zählt der Flugplatz am Tag, etwa 12.000 im Jahr. An Bord befinden sich nicht nur Einheimische, sondern auch Gäste, die in der Region Urlaub machen – darunter auch Promis. „Gerade ist die Fiona weggeflogen“, erzählt Stocker an diesem Tag. Mit Fiona meint er Swarovski-Erbin Fiona Pacifico Griffini-Grasser, die unter anderem neben Sänger Andreas Gabalier, Moderator Thomas Gottschalk und Milliardärin Heidi Horten den Flugplatz in St. Johann genutzt hat bzw. dort immer noch ab- und anreist. Die Voraussetzung: Ihr Flieger darf nicht mehr als 5700 Kilogramm wiegen. Jets scheiden daher aus – schon aus lärmschutztechnischen Gründen. „Die größte Maschine, die bei uns landen darf, ist eine Pilatus 12“, sagt Stocker, selbst leidenschaftlicher Flieger. Als Elfjähriger ließ er noch Modellflieger steigen. „Dann hab’ ich mir gedacht, ich will die Flieger nicht nur basteln, sondern selbst damit fliegen“, erinnert er sich. Mit 15 machte der Wörgler seinen Segelflugschein. Heute darf er sogar Kunstflüge machen, doch oft biete sich nicht die Gelegenheit dazu. Viel öfter bringt er als „Schlepperpilot“ Segelflieger in die Lüfte.

Betriebsleiter Franz Süss im "Tower".
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Genauso wie Fred Süss. „Wir sind ,towing pilots‘“, nennt der 65-Jährige den englischen Ausdruck für Schlepperpiloten. Der St. Johanner unterstützt Stocker als zweiten Betriebsleiter. Die beiden sind auch klarerweise Mitglieder des „Segelfliegerclub St. Johann in Tirol“, der 1935 gegründet wurde und den Flugplatz betreibt. Schon ein paarmal hätte es Anfragen gegeben, den Flugplatz zu übernehmen. „Aber den gebn ma nit aus der Hand, ge’ Fred?“, fragt Stocker in Richtung seines Kollegen. „Na, sicher nicht“, antwortet dieser lachend. Der Club selbst hat einige Flieger im Hangar. „Drei Motormaschinen, zwei Motorsegler und sieben Segelflieger“, zählt Süss auf.

Gerade startet wieder eine Motormaschine und zieht in einer Kurve zwischen den nächstgelegenen Häusern nach Norden. „Das muss er machen, wegen der Anrainer“, sagt Stocker. Viele Beschwerden könnten dadurch vermieden werden. Auch, weil sich der Club an selbst auferlegte Zeiten halte. „Wir fliegen von acht Uhr morgens bis sieben Uhr abends, von halb eins bis zwei ist Mittagspause.“ Fliegen und Frieden – mehr wünschen sich die Piloten nicht. (miho)