Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 29.10.2017


Problemfeld Elterntaxi

Jedes fünfte Kind wird von Eltern zur Schule gebracht

Wenn das Elterntaxi vor der Schule für Chaos sorgt: Der Verkehrsclub Österreich plädiert für verkehrsberuhigte Zonen nach Südtiroler Vorbild.

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Innsbruck – Jeder fünfte Schüler im Alter von 6 bis 14 Jahren wird von seinen Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht. Diese gefährden damit nicht nur die Sicherheit der anderen Kinder, die zu Fuß gehen, sondern auch die der eigenen, macht der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) aufmerksam. Die Stadt Salzburg will den unerwünschten Zubringer- und Abholdiensten nun ein Ende bereiten – mit Fahr-, Halte- und Parkverboten, aber auch mit technischen Maßnahmen wie Barrieren.

Viele Eltern sind der Meinung, dass der sicherste Schulweg jener auf dem Rücksitz ihres Wagens ist, der womöglich direkt vor der Schule hält. Die in Innsbruck für den Verkehr zuständige Vizebürgermeisterin Sonja Pitscheider spricht von „einigen Egoisten, die bis zu den Schulpforten fahren, egal, was oder wer ihnen dabei im Weg steht“. Der Großteil der Eltern sei aber rücksichtsvoll. Bei den anderen müsse die Stadt nicht eingreifen, „das nehmen die Schulgemeinschaften selbst in die Hand“. Man sei aber trotzdem „hochinteressiert“ an den Vorschlägen der Stadt Salzburg. „Wir werden uns die Maßnahmen ansehen und – so in Innsbruck umsetzbar – übernehmen“, so Pitscheider.

Für Christian Gratzer vom VCÖ müsse das Ziel darin bestehen, rund um Schulen zumindest verkehrsberuhigte Zonen sowie „auf jeden Fall“ Halte- und Parkverbote einzurichten. Auch Schulstraßen, die in der Früh und zu Mittag nicht befahren werden dürfen, sollten nach dem Südtiroler Vorbild eingerichtet werden. „Natürlich ist das nicht überall durchführbar, aber diese Möglichkeit wurde bisher zu wenig berücksichtigt. Und was in Südtirol funktioniert, sollte doch auch bei uns umzusetzen sein.“

ÖVP-Sicherheitssprecher GR Franz Hitzl ist dagegen der Meinung, dass die Familien die Wahlfreiheit haben sollten: „Zu Fuß zu gehen, dient der Gesundheit. Wer jedoch glaubt, es sei sicherer, sein Kind mit dem Auto zur Schule zu bringen, soll und kann dies gerne tun. Hier technische Sperren zu errichten oder eigene Parkverbote im Bereich der Schulen zu erlassen, halte ich für nicht zweckmäßig und vollkommen überzogen.“ Auch seien ihm keine Beschwerden bekannt. (ms)

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