Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.12.2017


Teil 23

Die gute Geschichte: ,,Man weiß dann, wie gut es einem selbst geht“

Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen entlasten das Team im Caritas-Zentrum.

Erika Bradl (Mitte) und Juliane Geisler kümmern sich im Caritas-Zentrum Zillertal seit 20 Jahren um Menschen mit Handicap.

© MonthalerErika Bradl (Mitte) und Juliane Geisler kümmern sich im Caritas-Zentrum Zillertal seit 20 Jahren um Menschen mit Handicap.



Uderns – Der Heilige Abend rückt unaufhörlich näher. Und während die Kleinsten sich schon ganz aufs Christkind freuen, stehen immer mehr Türchen des virtuellen Adventkalenders von Caritas und Tiroler Tageszeitung offen. Welch großen Einfluss auch kleine Gesten haben können, zeigt ein Beispiel aus dem Zillertal, das sich hinter der 23. Tür versteckt.

Begonnen hat alles mit einem Informationsabend des Caritas-Zentrums Zillertal vor 20 Jahren. Das neu eröffnete Haus suchte Freiwillige, die bei der Betreuung von Menschen mit Behinderung mithelfen. „Ich war damals gerade frisch in Pension und suchte eine sinnvolle Aufgabe. Seit damals komme ich regelmäßig einmal die Woche ins Haus. Das gehört einfach zu meinem Leben dazu. Wenn ich unter der Woche Termine ausmache, dann hat die Caritas bei mir immer Vorrang“, erzählt Erika Bradl lebhaft. Die ehemalige Bankangestellte geht jeden Montag mit den Menschen mit Handicap spazieren, manchmal auch einkaufen und ist somit eine große Unterstützung für die Mitarbeiter im Haus.

Die 77-Jährige ist eine von wenigen Ehrenamtlichen und bereits seit Anbeginn dabei. Zu den treuen Seelen der Freiwilligen zählt auch Juliane Geisler. „Nachdem die Kinder groß waren, wollte ich noch etwas anderes erleben“, erzählt die Bäuerin, die auch seit 1997 mit an Bord ist. Im Caritas-Zentrum fand sie ihre neue Bestimmung. Lange Zeit half sie beim Therapieschwimmen mit, inzwischen ist auch sie Teil des „Spaziergeher-Teams“. Das Ehrenamt gehört ganz selbstverständlich zu ihr dazu und erdet sie. „Man weiß dann, wie gut es einem selbst geht“, sagt die 67-Jährige.

Juliane und Erika haben schon einiges im Haus gesehen und erlebt. Sie sind mit den Menschen mitgewachsen, haben beobachtet, wie aus Kindern Erwachsene wurden und wie sie sich weiterentwickelt haben. Sie wissen um die schönen Momente und um die Herausforderungen, die das Leben mit Handicap für alle Beteiligten mit sich bringt. Und beide sind sich einig: „Es gibt einem einfach ein gutes Gefühl, wenn man weiß, dass man gebraucht wird.“

Ans Aufhören denken die beiden noch lange nicht: „Solange ich gehen kann, komme ich“, versichert Erika. (TT)