Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 26.01.2018


Bezirk Kufstein

Mehr Lebensqualität in der Region Wilder Kaiser

Bei einem öffentlichen Diskussionsforum in Ellmau wurden der Bevölkerung konkrete Projekte und Maßnahmen vorgestellt.

© EberharterDer Söller Vizebürgermeister Wolfgang Knabl bei einer anschließenden Diskussionsrunde mit Bürgern aus der Region des Wilden Kaisers.



Von Brigitte Eberharter

Ellmau – Die Nächtigungszahlen in der Region Wilder Kaiser sind in den vergangenen Jahren von rund 800.000 auf eine Million gestiegen. Das brachte allerdings mit der Zeit Probleme mit sich und so wurde im Vorjahr das Projekt „Lebensqualität am Wilden Kaiser“ gestartet. Vor Kurzem wurden fünf konkrete Projekte präsentiert, die nun in Angriff genommen werden.

In Arbeitskreisen haben sich Bürger und Touristiker der Gemeinden Going, Ellmau, Scheffau und Söll die Frage gestellt: „Wie gestalten wir gemeinsam unseren Tourismus für eine höhere Lebensqualität aller?“

Als Thema, das sozusagen unter den Nägeln brennt, stellte sich dabei das leistbare Wohnen für junge Bürger heraus. Der Scheffauer Bürgermeister Christian Tschugg hat die Leitung dieses Arbeitskreises übernommen, in dem es auch darum geht, der Jugend Perspektiven zu geben. „Die Schere von Einkommen und Lebenshaltungskosten geht immer weiter auseinander“, weiß er und deshalb hat man sich auf zwei Themen fokussiert: Schaffung neuen Wohnraums und die bessere Nutzung von vorhandenem. „Ältere Menschen können den vollen Wohnraum oft gar nicht mehr nützen“, erklärt Tschugg. Deshalb wird ein Modell angedacht, wo junge Menschen bei ihnen wohnen und für gewisse Mithilfe verringerte Miete bezahlen. Eine Wohnungsbörse soll eingeführt, leerstehende Wohnungen sollten aktiviert werden und ebenso will Tschugg mit laufenden Erhebungen die Wohnbedürfnisse in der Region eruieren.

Scheffaus Bürgermeister Christian Tschugg im Gespräch mit Besuchern.
- Eberharter

In einem weiteren Arbeitskreis ging es um das Arbeiten im Tourismus. Der Arbeitskräftemangel ist mittlerweile auch bei den 5-Sterne-Betrieben angekommen, wie Elisabeth Hauser, Personalmanagerin beim Stanglwirt, versicherte. „Wenn wir viele zufriedene Einheimische haben, die im Tourismus arbeiten, dann ist das der Hebel für viele andere Sachen“, meinte Initiator Lukas Krösslhuber, Geschäftsführer des TVB Wilder Kaiser.

Fix ist bereits ein dreijähriges EU-gefördertes Leader-Projekt mit dem Titel „Personal Regional“. Da sich Tourismusmitarbeiter laut einer Umfrage Vergünstigungen für Freizeitangebote wünschen, soll eine „Staff Card“ eingeführt werden, die ähnlich einer Gästekarte funktioniert.

Im Arbeitskreis regionale Kooperationen hat Josef Lanzinger das Projekt „Almfleisch“ vorgestellt. Ein Regionalitätscoach soll die Verbindung zwischen Produzenten und Gastronomen herstellen und diese auch mit Geschichten zu den Herkunftsalmen der Tiere versorgen, um Qualitäts- und Preisbewusstsein beim Gast zu erzeugen.

Der Söller Vizebürgermeister Wolfgang Knabl stellte das Projekt „Umweltschule/Naturhaus“ vor. „Die Natur wird durch die (Freizeit-)Nutzung von Einheimischen und Gästen belastet. Durch Bewusstseinsbildung und Lenkungsmaßnahmen soll ein sensibler und nachhaltiger Umgang mit der Natur und den Ressourcen erreicht werden.“

Der Dialog, der die ganze bisherige Entwicklung zum Thema „Lebensqualität“ eingeleitet hat, soll aufrechterhalten bleiben. Tourismusferne Personengruppen erhalten so die Möglichkeit, ihre Standpunkte den Entscheidungsträgern und Touristikern darzulegen und umgekehrt.