Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.01.2018


Innsbruck

Obdachlose bekommen neue Praxis in Innsbruck

Im Februar eröffnen Rotes Kreuz und Caritas im Inns­brucker Zentrum eine Ordination für Kranke ohne Versicherungsschutz.

© medcareEine niederschwellige Basisversorgung für soziale Randgruppen bietet das Team von Medcare mobil und in einer Ordination.Foto: Rotes Kreuz



Von Denise Daum

Innsbruck – Vor etwas mehr als vier Jahren haben Rotes Kreuz und Caritas das Projekt „Medcare“ ins Leben gerufen. Das Ziel: Menschen ohne Versicherung eine medizinische und soziale Basisversorgung zu bieten. Bis Ende Dezember war die Medcare-Praxis in der Südbahnstraße untergebracht – bis sie aufgrund des PEMA-3-Projekts weichen musste. Nach einem Monat ohne Ordinationsstandort freut sich Thomas Wegmayr, Direktor des Roten Kreuzes, dass man ab Februar neue Räumlichkeiten in der Innsbrucker Innenstadt gefunden hat. „Wir haben ein Jahr lang gesucht, das Warten hat sich gelohnt. Wir ziehen in eine sehr zentral gelegene, ehemalige Praxis ein“, erklärt Wegmayr. Die genaue Adresse möchte er noch nicht nennen, da zunächst die Nachbarn informiert werden sollen. „Aber wir werden niemanden stören“, schickt er voraus.

Die ehrenamtlich arbeitenden Ärzte von Medcare versorgen ihre Patienten nicht nur in der Praxis, sondern auch mobil in Obdachloseneinrichtungen und mit dem Vinzibus. In der Zeit ohne Ordination hat Medcare die aufsuchende Betreuung verstärkt. Im Jahr 2016 wurden knapp 1000 Menschen aus 33 Ländern versorgt. Die größte Zielgruppe sind Obdachlose. Am häufigsten wird Medcare von rumänischen, slowakischen und ungarischen Staatsbürgern aufgesucht, von Österreichern wurden 51 Besuche gezählt.

In Tirol bleibt zwar grundsätzlich im Akutfall niemand unbehandelt, aber vielfach ist gerade bei sozialen Randgruppen die Hemmschwelle zu groß, um ins Krankenhaus zu gehen. „Der große Vorteil bei Medcare ist, dass das Angebot sehr niederschwellig ist“, erklärt Wegmayr. Die häufigsten Gründe für einen Besuch seien Schmerzzustände sowie chronische Hautdefekte. Wenn das Team von Medcare nicht mehr weiterhelfen kann, werden Patienten weiterüberwiesen. „Wir haben mit allen wichtigen Kliniken ein gutes Übereinkommen. Wir können beispielsweise eine schwangere Patientin unmittelbar auf die Gynäkologie bringen“, erklärt Wegmayr.

Während sich die freiwilligen Mitarbeiter des Roten Kreuzes um die medizinische Betreuung kümmern, übernimmt die Caritas die Sozialberatung. Dieses Angebot nutzten im Jahr 2016 über 230 Personen.

„Medcare“ wird gefördert von Land Tirol, Stadt Innsbruck und Tiroler Gebietskrankenkasse.