Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.02.2018


Exklusiv

Winter bringt gesalzene Rechnung

Der strenge Winter könnte die Kosten für Schneeräumung in manchen Gemeinden explodieren lassen. Die Asfinag hat bis Mitte Jänner bereits so viel Geld ausgegeben wie sonst in einem „normalen“ Winter.

© BöhmRäumfahrzeuge im Dauereinsatz: Stellenweise wurden die Kosten von „normalen“ Wintern schon Mitte Jänner erreicht.



Von Marco Witting

Innsbruck – Ein Winter wie damals. Mit so viel Schnee, dass die Hausbesitzer irgendwann nicht mehr wussten, wohin damit. Mit so viel Schnee, dass die Pflüge an manchen Tagen irgendwann mit dem Räumen nicht mehr nachgekommen sind. Und auch wenn der Winter noch lange nicht vorbei ist, eines zeichnet sich jetzt schon ab: Die Rechnung für die Winterdienste wird jedenfalls gesalzen ausfallen.

Drei Millionen Euro betragen die Kosten bei der Autobahngesellschaft Asfinag – nur bis zu Mitte Jänner gerechnet. Das sind schon jetzt mehr, als man sonst in einem durchschnittlichen Winter ausgibt. 8000 Tonnen Salz wurden im heurigen Winter bisher verbraucht, die Fahrzeuge selbst legten rund 320.000 Kilometer zurück. Geschäftsführer Stefan Siegele sagt: „Wir erleben einen sehr intensiven Winter. Das heißt für uns: Einsatz von mehr Mitteln, mehr Personal und natürlich auch ein Plus bei den Kosten.“

Angesichts von zusammengerechnet dreieinhalb Metern Schnee am Arlberg verwundern die Zahlen nicht. Siegele: „Es gab für die Autofahrer aber keine langen Behinderungen oder Wartezeiten.“ Dafür sorgen rund 100 Mitarbeiter in vier Autobahnmeistereien. Insgesamt, so rechnet die Asfinag vor, würde man im Schnitt über 23.000 Einsatzstunden leisten.

Pausenlos im Einsatz sind auch die Mitarbeiter des Landes. Auch hier liegen die aktuellsten Zahlen noch nicht wirklich vor. Bernd Stigger, Leiter des Sachgebiets Straßenerhaltung, erklärt aber: „Wir haben sicher einen der stärksten Winter in den vergangenen 15 bis 20 Jahren.“ Dabei seien die Stunden der Kollegen vor Ort gar nicht so maßgeblich, weil diese auch in milden Wintern auf Kontrollfahrten seien. Stärkster Indikator heuer sei der Salzverbrauch. „Wir haben hier normalerweise knapp 27.000 Tonnen. Heuer befürchte ich, dass es schon fast an die 40.000 Tonnen gehen wird.“

Auch bei den Gesamtkosten rechnet Stigger, dass man für den Winter 17/18 am Ende 30 bis 40 Prozent über den durchschnittlichen Wintern liegen werde. „Das Geld fehlt dann natürlich für andere Investitionen.“ Besonders auffällig sei heuer, dass es im ganzen Land sehr viel Schnee habe. Sowohl in Nord- als auch in Osttirol würden die Räummannschaften im Dauereinsatz stehen. Ingesamt leisten die Mitarbeiter der 14 Landes-Straßenmeistereien rund 150.000 Stunden Winterdienst. Sie sind für 2236 Kilometer Landesstraßen verantwortlich. Besonders hart trifft so ein Winter natürlich die Gemeinden – speziell jene mit sehr vielen entlegenen Bergstraßen. Schon vor rund zwei Wochen hat das Land Tirol deshalb bereits insgesamt 500.000 Euro für Mehrkosten zugesagt. Dieses Geld stellt man strukturschwachen Gemeinden zur Verfügung. Das Land ging sogar davon aus, dass sich die Kosten teilweise verdoppeln könnten.