Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.06.2018


Bezirk Landeck

Pfundser Kleinstschule steht vor dem Aus

Der Volksschule Lafairs in Pfunds fehlt der Nachwuchs. In vier Wochen schließt sie ihre Türen. Acht Kinder drücken derzeit die Schulbank.

© ReichleLehrer Paul Krismer mit seinen acht Schützlingen in der einzigen Klasse der Volksschule Lafairs.Foto: Reichle



Von Matthias Reichle

Pfunds – 26 Haken gibt es in der Garderobe – nur an wenigen hängen an diesem Vormittag Jacken oder Fahrradhelme. Der Rest ist verwaist. Auf das Trampeln Hunderter Füße lauscht man in der Volksschule Lafairs im gleichnamigen Pfundser Ortsteil ebenso vergeblich wie auf vielstimmiges Kinderschreien. Oben sitzt Lehrer Paul Krismer mit acht Kindern in einem Klassenzimmer, das für über 20 Platz bietet, und unterrichtet. Es wird gerechnet. Hinten hängen bunte Gemälde von Sonnenblumen.

Deutsch, Mathe und Sach­unterricht stehen auf dem Stundenplan. Der ist nicht immer für alle gleich, sitzen hier doch ein Ersterler, je zwei Zweiterler und Dritterler sowie drei Vierterler in einem Raum beieinander. Lafairs ist eine der letzten Kleinstschulen im Bezirk Landeck – ab Herbst bleibt sie ganz geschlossen.

„Ganz überraschend war es nicht, weil es sich durch die Schülerzahl angekündigt hat. Dass es dann ein Jahr früher passiert, war es dann aber schon“, betont Krismer. Vor drei Jahren drückten hier noch 17 Kinder die Schulbank. Heuer wechseln drei der acht verbleibenden in die NMS. Fünf sind übrig. „Man hat die Eltern befragt, ob sie bereit wären, die Schüler schon jetzt in die Volksschule Pfunds zu schicken“, erklärt er. Es sei hier seit mehreren Jahren kein Kind mehr auf die Welt gekommen – höchstens ein oder zwei Jahre hätte es gedauert, bis die Schülerzahl ohnehin zu klein geworden wäre.

Krismer selbst wechselt ab Herbst als Direktor an die Volksschule Tösens. Dort sei eine Stelle frei geworden, wie Pflichtschulinspektor Bernhard Frischmann erklärt. Die Entwicklung der Schülerzahl war absehbar. Er hatte sich deshalb an Bürgermeister Rupert Schuchter gewandt. Vergangene Woche stimmte der Gemeinderat nun mit vier Gegenstimmen für eine Stilllegung der Schule. Die Eltern der Kinder seien einverstanden gewesen.

„Die Arbeit war spannend“, lässt Krismer die letzten Jahre im Interview Revue passieren, während immer wieder Kinder vorbeischauen und sich bei ihren Aufgaben helfen lassen. „Es ist familiär. Und der Schulweg kurz.“ Gleichzeitig ist die Schülerzahl im Sport oder bei Musik ein Manko.

Schuchter betont deshalb, dass die Einrichtung nur stillgelegt sei. „Es gibt dort Siedlungsentwicklung“ – und damit die Hoffnung, sie eines Tages vielleicht wieder zu öffnen, erklärt der Bürgermeister. In Pfunds ist ab Herbst nämlich nur noch eine Volksschule übrig. Anfang der 60er zählte die Obergrichter Gemeinde noch sechs – auch in den abgelegenen Weilern Wand (bis 2005), Kobl (bis 1977) und Greit (bis 2010). Bis 1963 bestand zudem eine Notschule in Kajetansbrücke. Vier Wochen haben die Schüler nun noch Zeit, sich von ihrer alten Schule zu verabschieden. Sie waren aber schon in der neuen schnuppern. Wie war’s? „Gut“, schmunzelt einer von ihnen.

Dann beginnt die letzten Unterrichtsstunde Sport. Vielleicht geht sich ab dem kommenden Herbst sogar eine volle Fußballmannschaft aus.