Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.06.2018


Innsbruck

Ein öffentliches Klo ist für Kioskgäste im Rapoldipark nicht genug

Weil die Kiosk-Wirtin im Rapoldipark keine eigene Toilette hat, droht ihr die Schließung. Der Witz: Ihr altes Klo wurde von der Stadt entfernt.

© Thomas Boehm / TTDer 84-jährigen Lieselotte Stern droht die Schließung ihres Kiosks. Foto: Böhm



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Das Tauziehen zwischen der 84-jährigen Wirtin und dem Stadtmagistrat um den Kiosk im Rapoldipark geht in die nächste Runde. Eine Runde, die die kämpferische Betreiberin Lieselotte Stern verlieren könnte – die Schließung von Amts wegen wäre die Folge. Der Grund: Ihrem Kiosk fehlt das stille Örtchen. Der für die Wirtin gar nicht lustige Witz an der Sache: Ihr Kiosk war einst durchaus mit dem vorgeschriebenen Gästeklo ausgestattet. Das wurde allerdings von der Stadt entfernt. Es sei nicht mehr nötig, da ja eine neue öffentliche Toiletten­anlage zur Verfügung stehe, hieß es damals. Für Sterns Anwalt Patrick Gaulin stinkt das Tauziehen ums Klo zum Himmel: „Man will meine Mandantin bzw. den Kiosk offenbar loswerden.“

Zumal die fehlende Toilettenanlage nicht das einzige Problem ist, das der Stadtmagistrat mit der 84-Jährigen hat. Bereits vor zwei Jahren stellte ein Beamter fest, dass der von der Pächterin in Anspruch genommene Gastgarten zu groß sei – die TT berichtete. Stern war sich keiner Schuld bewusst – immerhin hat sie den Kiosk samt Garten Ende der 90er-Jahre so von ihrem Vorgänger übernommen und nie habe sich jemand aufgeregt.

Zunächst kein Malheur – bei den Verhandlungen bezüglich des Grundstücks zeichnete sich bald ein Kompromiss ab: Und der sah vor, dass Stern zwar ihren Gastgarten verkleinern muss, aber einen Teil des unwissentlich in Anspruch genommenen Grundstücks von der Stadt künftig anmieten kann. „Es fehlten nur der Stadtsenatsbeschluss und die Mietvorschreibung“, schilderte Gaulin den Verhandlungsstand vom Herbst 2017.

Im Februar 2018 war plötzlich alles anders: Das noch im Herbst zur Miete in Aussicht gestellte Grundstück werde nicht freigegeben, hieß es in einem Schreiben der städtischen Liegenschaftsverwaltung. Bis zum 9. April hätte die 84-Jährige den Gastgarten räumen sollen. Das tat sie aber nicht – „die Stadt muss uns eben rausklagen“, erklärte Gaulin. Und das könne Jahre dauern.

Es sei denn, das fehlende Klo wird jetzt zum Stolperstein. Weil das für ein Lokal, das mindestens acht Gästen Platz bietet, vorgeschrieben sei, erläutert ein Magistratsbeamter der Gewerbe- und Betriebsanlagenabteilung. „Aber Ausnahmen sind möglich, wenn eine andere Toilette mitbenützt werden kann.“ Wie etwa die öffentliche Anlage unmittelbar neben Sterns Kiosk. Die 84-Jährige hat den entsprechenden Antrag bereits gestellt. Und auch versprochen, ihren Gästen die 50 Cent für die Benützung des Öffi-Klos zu ersetzen. Dennoch wird „von der Behörde beabsichtigt, Ihren Antrag negativ zu erledigen“, erfuhr die Wirtin aus einem Magistratsschreiben. Der Grund: Die Öffnungszeiten von Klo und Kiosk sind zwar weitgehend, aber nicht immer deckungsgleich. Im März und April ist der Kiosk eine Stunde länger offen als die Notdurft-Anlage. „Auf diese Stunde würde meine Mandantin aber auch verzichten“, sagt Gaulin: „Frau Sterns Hoffnungen ruhen jetzt auf dem neuen Bürgermeister Georg Willi, der sie ja vor der Wahl in ihrem Gastgarten besucht hat.“