Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 25.06.2018


Bezirk Kufstein

Wörgler will 28 Gipfelsiege in 24 Stunden „erradeln“

Einen ganzen Tag lang will Alex Gindu die 440 steilen Höhenmeter auf die Möslalm auf- und abradeln – und damit Menschen in Not helfen.

© HrdinaFeuchtfröhlicher Empfang nach 24 Stunden auf dem Rad: Letztes Jahr schaffte Gindu 27 Runden und bekam im Ziel eine Sektdusche.Foto: Pircher



Von Jasmine Hrdina

Wörgl – Einmal mit dem Rad die Möslalm bezwingen – dieser Herausforderung stellt sich wohl jeder sportbegeisterte Wörgler früher oder später. Die 443 steilen Höhenmeter rauf- und auch heil wieder herunterzuschaffen, das reicht Alex Gindu allerdings nicht: 24 Stunden lang will der 35-Jährige den Wörgler Hausberg befahren. 27 Runden schaffte er bei seinem ersten Versuch im vergangenen Jahr, am kommenden Freitag will der junge Mann seinen eigenen Rekord brechen. „28 Runden wären das Ziel“, meint Gindu. Um Punkt 14 Uhr fällt der Startschuss. Von da an wird er seine Füße planmäßig nur dreimal für jeweils zehn Minuten von den Pedalen nehmen.

Ein Kraftakt, nicht nur für den Körper, erinnert sich der ambitionierte Radler ans Vorjahr zurück: „Mitten in der Nacht wusste ich nicht mehr, was ich da gerade machte. Es fiel mir auch schwer, auf dem Weg zu bleiben.“ Auf mentale Unterstützung von Schaulustigen, die ihn entlang der Strecke anfeuern, hofft er auch heuer wieder. „Freunde wechseln sich ab und begleiten mich rund um die Uhr auf einem E-Bike. Sie geben mir auch meine im Training eruierte Idealgeschwindigkeit vor“, berichtet Gindu. Diese liege zwischen 6 und 7 km/h. Dementsprechend freue er sich auch, wenn ihn jemand zu Fuß ein Stück begleiten wolle. „Es darf nur niemand böse sein, wenn ich ihn nicht grüße“, scherzt er. Neben Muskelkraft erfordert das Ganze nämlich viel Konzentration.

Seit knapp fünf Monaten trainiert der Sportbegeisterte für den 24-Stunden-Marathon – was ihm lange, anstrengende Tage beschert. Früh rückt der Polier auf die Baustellen aus, nach der körperlich intensiven Arbeit tritt er noch ein bis zwei Stunden in die Pedale. Das fordert Disziplin – und eine geduldige Familie, wie Gindu betont.

Feuchtfröhlicher Empfang nach 24 Stunden auf dem Rad: Letztes Jahr schaffte Gindu 27 Runden und bekam im Ziel eine Sektdusche.
- Gindu

Früher als Frontmann einer Metal-Band unterwegs – die Haare ebenso lang wie die Nächte –, schwitzt der Vater einer 7-jährigen Tochter heute lieber beim Sport als in überhitzten Konzerthallen. „Ein ziemlicher Lebenswandel“, bringt es Gindu auf den Punkt und verrät das Geheimnis dahinter: „Der Fanatismus ändert einiges.“ Zwischen dem Kauf seines ersten Mountainbikes und der extremen Challenge lagen nur fünf Jahre. „Das Ganze ist eigentlich aus einer Blödelei heraus entstanden“, erzählt der 35-Jährige. Im Freundeskreis wurde gescherzt, der ambitionierte Radler solle doch zehnmal hintereinander die Mösl­alm auf- und abfahren. „Ach was, da fahr ich doch gleich den ganzen Tag“, entgegnete der Wörgler sarkastisch, nicht ahnend, dass er mit dieser „Schnapsidee“ letzten Endes zu einem kleinen „Lokalhelden“ werden würde. Die Aktion hat nämlich auch einen sozialen Mehrwert: Auf der Möslalm wird während des Marathons nicht nur gefeiert – dort steht auch eine Box für Spenden zugunsten des gemeinnützigen Projekts „Licht für Wörgl“. 3000 Euro kamen im letzten Jahr zusammen, heuer will er die Summe verdoppeln. „Das ist vermutlich die größere Herausforderung als das Fahren“, so Gindu.

Wenige Tage vor dem Event hofft der 35-Jährige auf einen gut gelaunten Wettergott. „Abbrechen werde ich nur, wenn es schüttet.“ Nass wird er aber spätestens im Ziel: Die Sektdusche dürfte ihm sicher sein. „Gut so“, meint Gindu, „dann kann man die Freudentränen in meinem Gesicht nicht sehen.“