Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 12.08.2018


Hitze

Tiertransporte im Hochsommer: Klimaanlagen äußerst selten

Temperaturen bis zu 36 Grad: Tiere dürfen bei dieser Hitze laut Gesetz nicht auf Lkw geladen werden. Polizei und Amtstierärzte sind bei Kontrollen gefordert.

© Getty ImagesAuch Rinder müssen oft lange auf Transportfahrzeugen ausharren. Mittlerweile gehen laut Verein gegen Tierfabriken über 70 Prozent der Tiertransporte über EU-Grenzen hinaus.Foto: iStock



Von Brigitte Warenski

Innsbruck — Polizei und Amtstierärzte haben bei ihren Schwerpunktkontrollen derzeit viel zu tun: Die EU-Tiertransportverordnung sieht nämlich vor, dass die Temperatur in Tiertransportern zwischen 0° und 30° Celsius liegen muss, „für kurze Zeit gibt es eine Toleranzgrenze von plus oder minus 5°", erklärt der stellvertretende Tiroler Landesveterinärdirektor, Paul Ortner.

Weil nicht nur in Innsbruck in den letzten Wochen Temperaturen bis 36° gemessen wurden, sondern auch Deutschland unter der Hitze stöhnte, dürften Tiere, die über Österreich zur Mast oder zur Schlachtung nach Italien oder Spanien gebracht werden, eigentlich gar nicht mehr transportiert werden. „Schon beim Aufladen auf die Fahrzeuge muss die Routenplanung berücksichtigt werden und die Transportunternehmer müssen sich über die Temperaturen auf der vorgesehenen Route erkundigen", sagt Ortner. Dass es auch in den Lkw derzeit sehr heiß wird, hat damit zu tun, „dass klimatisierte Tiertransport-Lkw sehr selten sind", weiß Ortner. Vorgeschrieben für Fahrten über acht Stunden sind nur Ventilatoren, „aber die kühlen nicht runter, sondern verwirbeln nur die heiße Luft". Heikel ist derzeit auch die Situation für Hunde. „Bereits ab 25° Außentemperatur heizt sich das Wageninnere in der prallen Sonne schnell auf bis zu 50° auf." Muss der Vierbeiner zwischen einer Viertel- und einer halben Stunde so ausharren, besteht laut Ortner tödliche Gefahr.

Tiertransporte

Zunahme: Waren es 2014 noch rund 21 Millionen Tiere, die als Zucht-, Mast- oder Schlachttiere nach Österreich importiert oder aus Österreich exportiert wurden, erhöhte sich laut aktueller Analyse des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) diese Zahl 2016 auf rund 25 Millionen Tiere.

Milchkälber: Laut Protokollen der Tiroler Veterinärmediziner wurden vergangenes Jahr 19.000 fast ausschließlich männliche Milchkälber direkt oder über ein anderes österreichisches Bundesland in die Masthallen nach Italien und Spanien gebracht.