Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.08.2018


Innsbruck-Land

Pfarre Wattens feiert 700 Jahre Laurentiuskirche

Im Jahre 1318 wurde die Laurentiuskirche erstmals urkundlich erwähnt.

© DomanigErrichtet auf einem Schwemmkegel des Wattenbachs, wurde die Laurentiuskirche 1318 erstmals urkundlich erwähnt.



Von Michael Domanig

Wattens – Sie blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, die Laurentiuskirche im Herzen von Wattens. Heuer feiert die ehemalige Wattener Pfarrkirche ihr 700-Jahr-Jubiläum.

Die Laurentiuskirche im Schwazer Bergbuch (um 1556), ca. 1930.
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Die Laurentiuskirche heute.
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Errichtet auf einem Schwemmkegel des Wattenbachs, wurde die Laurentiuskirche 1318 erstmals urkundlich erwähnt – wobei erste Spuren noch deutlich weiter, bis ins Frühmittelalter, zurückweisen.

Um 1500 wurde die Kirche durch einen größeren spätgotischen Bau ersetzt. Dieser brannte jedoch 1809 bei einer Feuerkatastrophe zusammen mit 23 Häusern in Wattens ab. „Bei der Neuerrichtung kamen dann u. a. auch Steine der Burg Neurettenberg in Kolsassberg zum Einsatz“, erzählt Karl Wurzer, Chronist und Obmann des Heimatkunde- und Museumsvereins Wattens-Volders. Die Weihe des bis heute bestehenden klassizistischen Baus erfolgte 1820. Von der Vorgängerkirche zeugen u. a. noch das spätgotische Portal im Westen und der Südeingang.

Im Inneren der Kirche erinnert heute eine Gedenkstätte für Pater Jakob Gapp aus Wattens an dunkle Zeiten: Am 13. August 1943, also vor 75 Jahren, wurde der – später seliggesprochene – Priester von den Nationalsozialisten ermordet. Der Museumsverein möchte in der Kirche noch heuer weitere Schautafeln mit dem letzten Brief von Gapp – im Original und als Transkription – anbringen.

Pläne für eine Erweiterung der Laurentiuskirche – wie sie besonders der 1935 gegründete Laurentiusverein betrieb – wurden übrigens nie realisiert, stattdessen entstand die moderne, 1958 geweihte Marienkirche – die heuer somit ihr 60-Jahr-Jubiläum feiert.

1984 kam es zu einer umfassenden Innenrenovierung der Laurentiuskirche, begleitet von archäologischen Grabungen: Diese brachten Teile der frühgotischen Kirche von 1318, Fundamente einer romanischen Vorgängerkirche, aber auch frühmittelalterliche Gräber zum Vorschein. Die erste Kirche dürfte laut Archäologen somit schon im 8. Jh. entstanden sein.

An eine andere Anekdote rund um die Kirche können sich manche Wattener sicher noch gut erinnern: Um Kosten für ein Turmgerüst zu sparen, sollte das Turmkreuz 1957 mit einem Hubschrauber abgehoben werden. Doch dabei verhängte sich das Kreuz, der Hubschrauber drohte abzustürzen. Im letzten Moment fing der Pilot das Fluggerät ab – und musste unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Am Freitag um 19 Uhr wird in der Laurentiuskirche nun das Patrozinium und das große Jubiläum gefeiert. Den Festgottesdienst leitet Bischofsvikar Jakob Bürgler.




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