Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.08.2018


Bezirk Landeck

Nach Mure in Schnann: Lebensmittel müssen entsorgt werden

Bittere Konsequenz nach Mure in Schnann: Aus der Metzgerei im Gewerbegebiet landen Tonnen an Fleischwaren im Abfallcontainer. Getränke-Depot „s’Fäscht“ entsorgt Hunderte Kisten Bier und Fässer, die im Schmutzwasser standen.

© LieblNicht nur Keller, auch Geschäfte wurden überflutet.



Von Helmut Wenzel

Pettneu, Schnann — „Können verschmutzte Bierkisten und Fässer nicht einfach mit dem Gartenschlauch abgespritzt werden?" — „Ja schon, aber eine Bierflasche, bei der getrockneter Schlamm im Metallverschluss steckt, würde ich nur jemandem geben, der beim Verdursten ist. Das Gleiche gilt für die Fässer", erläuterte gestern Albert Wolf, Depot-Leiter der Vorarlberger Firma „Fohrenburg & s'Fäscht". „Alles, was unter Wasser und Schlamm gestanden ist, muss vernichtet werden."

In der 1700 Quadratmeter großen Niederlassung im Schnanner Gewerbegebiet stand das Wasser knapp einen Meter hoch. Büros, Heiz­anlage, Böden und Mauern sind zerstört und müssen erneuert werden. Dazu kommt die Entsorgung von Hunderten Bierkisten und Fässern. „In Summe haben wir einen Schaden von mehreren 100.000 Euro", resümiert Wolf, der in einem Notbüro mitten in der Lagerhalle saß, um mit Kunden zu telefonieren. „Mit den Aufräumarbeiten sind wir inzwischen so weit, dass Bestellungen ausgeliefert werden können." Er rechne keinesfalls mit 100 Prozent Schadensabdeckung durch die Versicherung. „Daher hoffen wir auch auf Unterstützung des Landes." Am Standort Schnann werden 15 Mitarbeiter beschäftigt.

Markus Wetter, Chef des am schwersten betroffenen Metzgereibetriebes, beziffert den Gesamtschaden mit vier bis fünf Millionen Euro. Nach einem Gespräch mit einem Versicherungsmann sei er aus allen Wolken gefallen: „Er hat mir erklärt, was da mit der Mure passiert ist, sei nicht versichert. Weil es sich um höhere Gewalt handelt. Er hat uns dann 15.000 Euro als Abgeltung geboten." Für seinen Betrieb in Schnann zahle er jährlich 25.000 Eur­o an Versicherungsprämien. Zumindest der Betriebausfall sei „einigermaßen abgedeckt". Aber in der Metzgerei sei vom Kühlaggregat bis zur 500.000 Euro teuren Verpackungsmaschine alles zerstört. „Dazu kommen Tonnen an Fleischwaren im Lager. Alles muss vernichtet werden, auch wenn es vakuumverpackt oder tiefgefroren war", klärt der Firmenchef auf. „Die Verpackungen sind zum Teil beschädigt, das Tiefgefrorene ist aufgetaut." Eine fixe Zusage von der Versicherung habe er nicht, sagte Wetter. Unabhängig davon zähle er auf den Landeshauptmann. „Er hat sich die Schäden im Betrieb angeschaut und Unterstützung zugesagt. Unser Ziel ist es, den Betrieb so weiterzuführen, wie er bis vorige Woche vor dem Murenabgang dagestanden ist." Wenn er nur 50 Prozent des Schadens abgegolten bekomme, „müssten wir Konkurs anmelden", sagte Wetter. BM Manfred Matt plädierte gestern: „Es ist ein Vorzeigebetrieb, den Pettneu nicht verlieren möchte. Ich hoffe sehr, dass die nötige Unterstützung kommt."

Rasch reagiert hat die Wirtschaftskammer mit Bezirksobmann Toni Prantauer. „Wir waren am Tag nach der Mure vor Ort und haben die Betriebe aus unserem Soforthilfefonds unterstützt." Die zugesagte Hilfe von LH Platter sei zwar begrüßenswert, werde aber für den Wiederaufbau der Metzgerei nicht reichen.

Bittere Konsequenz nach Mure in Schnann: Aus der Metzgerei im Gewerbegebiet landen Tonnen an Fleischwaren im Abfallcontainer. Getränke-Depot „s’Fäscht“ entsorgt Hunderte Kisten Bier und Fässer, die im Schmutzwasser standen.
- Wenzel



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