Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.09.2018


Bezirk Imst

Hausfrau, Installateurin und Regisseuse

Haushalt, Familie, berufliche und ehrenamtliche Tätigkeiten hat die heute 91-jährige Martha Neuner schon seit jungen Jahren unter einen Hut gebracht.

© TT-Foto: Hubert StaudacherIm vergangenen Jahr traf sich die ganze Familie zu einer großen Feier, um den 90. Geburtstag der Mutter, Großmutter und Urgroßmutter gebührend zu feiern.TT-Foto: Hubert Staudacher



Von Agnes Dorn

Ötztal-Bahnhof – So manchen Siphon in Oberländer Bädern und Küchen hat sie selbst gesetzt. Als vermutlich eine der ersten Frauen überhaupt in Tirol fungierte die heute 91-jährige Martha Neuner nicht nur als Büromitarbeiterin im eigenen Installationsunternehmen, sondern arbeitete selbst auf den Baustellen mit.

Sechs Kinder hat sie großgezogen und mittlerweile ist sie stolze Oma und Uroma von insgesamt zehn Enkeln und neun Urenkeln. Haushalt und Beruf waren damals jedoch noch viel schwerer zu vereinbaren als heute und ein Abschluss der Lehre blieb ihr deshalb verwehrt. Ausschließlich daheim bei den Kindern zu bleiben, kam für sie nicht in Frage: „Auch wenn sie heute zu mir sagen ,Kannst du nicht einmal langsamer machen?‘. Das ist drinnen, das kann man nicht mehr rausbringen. Das langsame Arbeiten ist nie gegangen. Ich hab oft gesagt, das erste Wort, das ich verstanden habe, war ,gschlein di‘ und das bleibt drinnen.“

Langweilig ist ihr wohl in ihrem Leben selten geworden, denn neben der Hausarbeit, die ihr der vielköpfige Haushalt bescherte, war sie beruflich und ehrenamtlich in vielen Bereichen zeit ihres Lebens aktiv. Nicht nur, dass sie ihren bereits verstorbenen Ehemann Eduard Neuner bei dessen Schritt in die Selbstständigkeit im Jahr 1951 tatkräftig unterstützte, sie war in dem 1955 nach Ötztal-Bahnhof übersiedelten Betrieb auch stets die zweite Handwerkskraft an der Seite ihres Mannes.

Eine ihrer ganz großen Leidenschaften lagen aber immer auf den Brettern, die die Welt bedeuten: Schon als Mädchen beim Rietzer Theaterverein tätig, baute sie ihr Wissen und ihr Engagement über die Schauspielerei immer weiter aus. Außer bei der Rietzer war sie jahrelang auch bei der Roppener und der Silzer Dorfbühne als Spielleiterin tätig und brachte so manche Komödie und Tragödie zur vielgelobten Aufführung.

Dass ihr neben all diesen Tätigkeiten und ihrer Familie auch noch Zeit blieb, im eigenen Wohnhaus Zimmer zu vermieten sowie am Wochenende in Rietz als Ranggenwirtin die etwas oberhalb des Dorfes gelegene Jausenstation zu bewirtschaften, ist erstaunlich.

Dank körperlicher und geistiger Gesundheit bewältigt sie auch heute noch ihren Haushalt allein, fährt kurze Strecken mit dem Auto selbst und besucht mindestens zweimal im Jahr eine ihrer Töchter im Burgenland. Manchmal wundert sich Martha Neuner selbst, wenn sie von ihrem Leben erzählt, dass das alles in den 91 Jahren Platz gefunden hat und nicht auf zwei Leben aufgeteilt war.


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