Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 10.09.2018


Bezirk Reutte

Oberland soll wolfsfrei bleiben

Die Bezirksobmänner der Landwirtschaftskammer sehen Herdenschutzmaßnahmen als nicht praktikabel.

© DornWolf und Schaf passen nicht zueinander, finden die drei LK-Bezirksobmänner Christian Angerer, Rudolf Köll und Elmar Monz (v. l.).Foto: Dorn



Tarrenz – Die Tarrenzer Schafschied nutzten drei Bezirksobmänner der Landwirtschaftskammer (Rudolf Köll aus Imst, Elmar Monz aus Landeck und Christian Angerer aus Reutte), um ihre Meinung über die Rückkehr des Wolfs in den alpinen Raum kundzutun. „Ich kann das mit Herdenschutz, Hunden und Zäunen nicht mehr hören. Es ist undenkbar im Tiroler Oberland, die Schafe einzuzäunen“, bezweifelt Monz, dass man die Tiere in kargen Almgebieten durch Zäune schützen könnte. „Es gibt zwar Gebiete, wo der Herdenschutz funktioniert, aber nur ganzjährig“, bezweifelt der Landecker Bauernbundobmann auch, dass ein Hütehund in Tirol, wo Stall- und Koppelwirtschaft die Almwirtschaft ergänzen, seiner Aufgabe gerecht werden könnte.

Der Arbeit der von der Landesregierung eingesetzten Steuerungsgruppe, die sich nun mit dem Thema auseinandersetzen und Lösungen erarbeiten soll, stehen alle drei Kammerobmänner kritisch gegenüber: „Das sind im Prinzip Beamte, die den gesetzlichen Rahmen aufarbeiten“, sieht Angerer deren Aufgabenbereich als begrenzt an. Und auf die Frage nach Lösungsvorschlägen hinsichtlich Schutzmaßnahmen ergänzt der Vorstand des Tiroler Schafzuchtverbands: „Das ist unnützer Zeitvertreib, was da organisiert wird.“

Heuer seien möglicherweise fünf Wölfe durch das Oberland durchgezogen, angesiedelt hätte sich noch kein Tier. Die Gefahr sei aber groß, dass innerhalb kürzester Zeit die Raubtiere wieder heimisch werden. Für diesen Fall zeichnet Monz ein drastisches Bild: „Das könnte das Ende für die Hälfte der Almwirtschaft bedeuten.“ Bauern im Nebenerwerb könnten die Stalltüren dann endgültig schließen, wenn ihre Herden durch Wölfe dezimiert würden.

Um das Oberland aber wolfsfrei zu erhalten, müssten die Tiere gezielt zum Abschuss freigegeben werden, so die drei Kammerobmänner. Jäger müssten verpflichtet werden beziehungsweise müssten „professionelle Entnahmetruppen“ sich der Sache annehmen. Dazu müsste die EU ihre Habitat-Richtlinie ändern, in der der Wolf unter strengen Schutz gestellt ist. Eine entsprechende Petition des Tiroler Schafzuchtvereins soll demnächst dem Parlament vorgelegt werden. (ado)




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