Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.09.2018


Osttirol

Firstfeier in Sillian: Mit Spezialseilbahn und Raupenkran Hütte saniert

Der Ausbau der Sillianer Hütte auf doppelte Größe läuft dank spezieller Baustellen-Logistik wie geschmiert. Gestern fand die Firstfeier statt.

© SintBaustelle auf 2447 Metern Seehöhe: Die Sanierung der Sillianer Hütte verlangt eine gefinkelte Logistik.Fotos: Sint



Von Catharina Oblasser

Sillian – Eine Höhenbaustelle wie jene bei der Sillianer Hütte bringt so einiges an Herausforderungen mit sich. Immerhin liegt die Hütte, die dem Österreichischen Alpenverein (AV), Sektion Sillian, gehört, auf 2447 Metern Seehöhe. Das Schutzhaus soll auf 80 Betten und 110 Restaurantplätze erweitert werden und ist dann fast doppelt so groß wie davor. Die Küche wird vergrößert, der Komfort erhöht. Eine Gaststube mit Blick auf das Drei-Zinnen-Panorama ist das Tüpfelchen auf dem i. Am Freitagnachmittag fand die Firstfeier statt.

Die Sommersaison im Gebirge ist kurz, das Wetter unbeständig. So war Eile beim Bauen angesagt, schildert Anton Sint, Obmann der AV-Sektion Sillian. „Es hat alles bestens geklappt. In weniger als 90 Tagen konnten wir den Großteil der Arbeiten abschließen.“ Auch bei den Baukosten, die 2,3 Millionen Euro betragen, liegt der Alpenverein im Plan.

Leicht war die Abwicklung der Baustelle nicht, berichtet Baumeister Johannes Viertler. Er zeichnet für die Logistik verantwortlich, zu der unter anderem eine 1,9 Kilometer lange Seilbahn für schwere Lasten zählt. Sie wurde von einer Matreier Firma errichtet und verbindet den Endpunkt des Lkw-tauglichen Fahrwegs mit der Baustelle. Die Spannhöhe beträgt mehr als 150 Meter. „Die Seilbahn musste auch schwere Bauteile transportieren können wie Beton oder Fertigteile“, sagt Viertler. Bis zu drei Tonnen Gewicht auf einmal galt es zur Hütte hinaufzubringen.

Auf der Baustelle selbst kam ein Raupenkran zum Einsatz, der im Gegensatz zu einem herkömmlichen Kran leicht beweglich ist. Der Alpenverein habe bewusst auf den Einsatz von Hubschraubern für Materialtransporte verzichtet, meint Sint. „Das wäre nicht nur sehr teuer, sondern auch sehr laut gewesen.“

Während der Bauarbeiten war die Hütte geschlossen, allerdings haben die Pächter einen Ersatzbetrieb in Containern aufrechterhalten. Die Wanderer hätten das alle klaglos akzeptiert, sagt Anton Sint. Ab jetzt wird am Innenausbau der Sillianer Hütte gearbeitet, voraussichtlich noch bis Mitte Oktober. Mit Saisonbeginn 2019 wird das Schutzhaus modern und runderneuert wieder aufsperren.

Die Hütte, die direkt an der Grenze zu Südtirol liegt, ist der Startpunkt einer Weitwanderstrecke entlang des so genannten Friedensweges. Dieser folgt in etwa dem Verlauf der Dolomitenfront am Karnischen Kamm im Ersten Weltkrieg. „Die Sillianer Hütte steht alpinhistorisch gesehen auf einem besonderen Platz“, meint der Obmann der AV-Sektion Sillian.