Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 14.10.2018


Gesellschaft

200 Jahre “Stille Nacht“: Vorweihnacht in Russland

Werbewirksame Aktion zum 200-Jahr-Jubiläum von „Stille Nacht“ in den russischen Metropolen Moskau und St. Petersburg.

© HörhagerDie Bürgermeistermusikkapelle vor dem Denkmal Zar Peters des Großen in St. Petersburg.



Von Peter Hörhager

Moskau, St. Petersburg — „Tikhaya noch'" — ja, so klingt „Stille Nacht" auf Russisch. Und was hat Russland mit dem bekanntesten Weihnachtslied zu tun? Viel, sehr viel. Sie hat zwar Salzburger Wurzeln, diese von Franz Xaver Gruber komponierte Melodie, die mit dem Text von Joseph Mohr zu einem weihnachtlichen Welthit wurde. Aber dass sie zu einem Welthit wurde, der von rund zwei Milliarden Menschen in 350 Sprachen bzw. Dialekten gesungen wird, ist den Zillertalern zu verdanken. Vor 200 Jahren wurde dieses einzigartige Lied erstmals im Salzburgischen Oberndorf gesungen. Von dort „importierte" es aber der Zillertaler Orgelbauer Karl Mauracher in seine Heimat, wo es wiederum von den Geschwistern Strasser und der Familie Rainer weltweit verbreitet wurde.

Ein Zillertaler Schnapsl für Karl Mark (r.) und Botschafter Johannes Eigner.
- Hörhager

1822 war das Schloss Fügen, das später (und bis vor wenigen Jahren) als „Bubenburg" diente, Standort einer besonderen Begegnung. Über Einladung von Graf Ludwig von Dönhoff beherbergte es mit Kaiser Franz I. und Zar Alexander I. gleich zwei gekrönte Häupter. Und für die musikalische Umrahmung sorgten die besagten Rainer-Sänger und intonierten angeblich auch das „Stille Nacht"-Lied. Übrigens aus Respekt vor den Majestäten (und wohl auch wegen des Lampenfiebers) hinter einem Vorhang. Der russische Herrscher muss schwer beeindruckt gewesen sein, denn er bat die Sänger nicht nur zu sich an den Tisch, sondern lud sie auch nach St. Petersburg ein. Dieses Gastspiel kam tatsächlich zustande. Die von Ludwig Rainer geführte Gruppe weilte von 1858 bis 1868 in Russland!

Es war also keineswegs abwegig, dass sich nun zum 200-Jahr-Jubiläum neuerlich Musiker und Sänger

-innen nach Russland aufmachten. Organisiert von der Österreich und Tirol Werbung sowie gefördert vom Land Tirol, standen in Moskau und St. Petersburg besondere Stille-Nacht-Gastspiele auf dem Programm, in die sich auch die Salzburg-Werbung eingeklinkt hatte. Florian Kahr (Tirol Werbung) hatte eine szenische Zusammenstellung der Stille-Nacht-Geschichte verfasst, die in der größten katholischen Kathedrale Moskaus sowie in der Evangelischen Kirche von St. Petersburg präsentiert wurde. Auf der Bühne: ein russischer Schauspieler, die Salzburger Sängerinnen Christiane Schober, Maresa Hochwimmer und Katharina Kalchhofer sowie die Tiroler Weisenbläser Albin Steixner, Elmar Huber, Peter Thaler, Josef Bucher und Hans Pfandler.

Den Teil zwei (sowie Konzerte im Haydn-Konservatorium in Moskau und vor dem Marijnskij-Palast in St. Petersburg) bestritt die von Karl Mark gegründete und geleitete Bürgermeisterkapelle. Die in ihren jeweiligen Trachten gekleideten Tiroler begeisterten nicht nur mit ihrem Spiel, sondern waren auch werbewirksame Botschafter der Alpenrepublik.

Tiroler Weisenbläser in der Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis in Moskau.
- Hörhager