Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 16.10.2018


Osttirol

Daheim in der Sprengelstube

Die Gemeinden Anras, Abfaltersbach und Assling betreiben über ihren Sozialsprengel eine gemeinsame „Sprengelstube“: Diese Tagespflegeeinrichtung bedient das gesamte Oberland mit den Seitentälern.

Zum Mittagessen treffen sich alle bei Tisch.

© Blassnig ChristophZum Mittagessen treffen sich alle bei Tisch.



Von Christoph Blassnig

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Abfaltersbach – Aloisia Wurzer aus Strassen und Anna Schneider aus Abfaltersbach arbeiten an handflächengroßen Teilstücken einer wollenen Tagesdecke. „Die soll dann da bleiben“, weisen die beiden einmütig auf den Bereich, wo sich die Tagesgäste der Sprengelstube in Abfaltersbach zur Mittagsruhe hinlegen. Zuvor haben sie noch mit den anderen Brotteig gerührt und Laibe geformt. Das Brot ist inzwischen im Rohr. Heinrich Wilhelmer aus Strassen kreiert ein Bild aus aufgeklebten Hülsenfrüchten. Auf der Terrasse steht Johann Huber. Mit geschlossenen Augen genießt er die Strahlen der Herbstsonne auf seinem Gesicht. „Woher kenne ich dich?“, fragt er unvermittelt, als er Martha Theurl bemerkt. Die Geschäftsführerin des Sozialsprengels Assling, Anras und Abfaltersbach kennt ihn natürlich. Johann dagegen scheint sich gerade nicht an Martha zu erinnern. „Mir geht es so gut“, erklärt der Mann mit einem Lächeln und einer Prise Schalk in seinen Augen. „Ich bin gesund, habe alle Leute gern. Dankbar bin ich. Ich habe eine Familie und ein von so vielen schönen Kleinigkeiten erfülltes Leben. Was soll mir fehlen?“ Lange hat Johann als Diakon gedient. Heute geht das nicht mehr. „Woher kenne ich dich?“, fragt er wieder. Aloisia hat zwei alte Fotos vor sich auf dem Tisch liegen. Angeregt ergründet sie mit Anna Zusammenhänge und erinnert sich an gemeinsame Bekannte von früher. „Man kennt immer wen, der jemanden kennt“, sagt dazu die Geschäftsführerin. „Im Gespräch entsteht eine Bindung zwischen unseren Leuten. Wie daheim.“ Hier arbeiten die beiden Pflegeassistentinnen Ruth Wi­demair und Katrin Ortner, die die Einrichtung auch leitet. Die Tagesbewohner kommen hauptsächlich aus den Sprengelgemeinden Assling, Anras und Abfaltersbach. Mit dem Fahrdienst des Roten Kreuzes gelangen auch alte Menschen aus dem gesamten Oberland, aus Trist­ach und dem Iseltal in die Einrichtung. Einen Teil der Transportkosten und des Tagsatzes müssen die Angehörigen selbst aufbringen. „Ich bin selbst Betroffene“, erzählt Martha Theurl. „Meine Mutter ist demenzkrank und war lange hier. Nun lässt ihr Zustand das nicht mehr zu.“ Die Tagesbetreuung bietet volle Versorgung bis zur höchsten Pflegestufe. Derzeit ist an drei Tagen geöffnet, sieben wären möglich. Zehn Plätze können täglich vergeben werden.

Ruth Widemair, Martha Theurl und Katrin Ortner (v. l.) betreuen die Sprengelstube in Abfaltersbach.
Ruth Widemair, Martha Theurl und Katrin Ortner (v. l.) betreuen die Sprengelstube in Abfaltersbach.
- Blassnig Christoph
Katrin Ortner und Martha Theurl (v. l.) demonstrieren die Funktion einer Hebehilfe.
Katrin Ortner und Martha Theurl (v. l.) demonstrieren die Funktion einer Hebehilfe.
- Blassnig Christoph