Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 27.10.2018


Osttirol

Geschichtsträchtiger Boden, kritische Worte in Kartitsch

Nahe den einstigen Weltkriegsstellungen fand die Angelobung neuer Rekruten für Lienz statt. Dem Brigadier fehlte die „Treue von oben“.

Das Hissen der österreichischen Fahne durfte beim Festakt zur Angelobung nicht fehlen.

© Daniela AguDas Hissen der österreichischen Fahne durfte beim Festakt zur Angelobung nicht fehlen.



Von Daniela Agu

Kartitsch – Unter dem mächtigen Kartitscher Kirchturm standen die rund 200 Rekruten der Lienzer Kasernen Spalier und warteten auf ihre Angelobung. Die Militärmusik Tirol intonierte die Bundeshymne, während hochrangige Heeresmitglieder salutierten. Ranghöchster Anwesender war Brigadier Johann Gaiswinkler von der 6. Jägerbrigade. Das Land Tirol wurde von Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler vertreten, das Jägerbataillon 24 von Kommandant Bernd Rott. Zur Feier des Tages hissten die Soldaten die österreichische Nationalflagge.

Zahlreiche Angehörige und Ehrengäste, darunter die Bezirkshauptfrau Olga Reisner und der Bürgermeister von Kartitsch, Josef Außerlechner, waren beim Festakt anwesend. Militärkurat Johannes Peter Schiestl und der evangelische Pfarrer Hans Hecht sprachen als kirchliche Vertreter zu den Festbesuchern. Die Schützenkompanien unter der Führung von Gottfried Steinwender gaben eine Ehrensalve ab.

Johann Gaiswinkler, einst selbst in Lienz stationiert, ließ es bei der Angelobun­g in Kartitsch nicht an kritischen Worten fehlen.
Johann Gaiswinkler, einst selbst in Lienz stationiert, ließ es bei der Angelobun­g in Kartitsch nicht an kritischen Worten fehlen.
- Daniela Agu

Kartitsch war für die Feierlichkeiten nicht zufällig ausgewählt worden, ließ Gaiswinkler wissen. „Hier sind einst die Fronten verlaufen.“ Mehr als 100 Jahre nach dem Ersten Weltkrieg will sich die kleine Berggemeinde an die Kriegshandlungen erinnern. Am Karnischen Kamm sollen mehrere Projekte entstehen, so ist auch geplant, die Überreste der Stellungen zu erforschen. Zur Erhaltung des Soldatenfriedhofes und der geplanten Aktivitäten sichert­e das Jägerbataillon 24 seine Unterstützung zu.

Gaiswinkler schoss scharf, als er das Wort an die Vertreter der Politik richtete. „Radikale Kräfte rütteln von links und von rechts an den Grundfesten der Demokratie“, meinte er. Die Neutralität sei mit Blut und Tränen erkämpft. Die Treue, die gelobt werde, sei eine Qualität in einer Beziehung. Die Treue von oben habe er jedoch zuletzt schmerzlich vermisst. Das Bundesheer sei sträflich vernachlässigt worden, sagt der ranghohe Militär. Seiner Meinung nach sollte das Heer besser gerüstet werden, um weiterhin Sicherheit gewährleisten zu können. Er sei jedoch guter Dinge, wenn er all die jungen Menschen sehe, die dienen wollen. Er erkenne auch, dass der neue Bundesminister Mario Kunasek (FPÖ) erste Schritte in die richtige Richtung mache.

Landeshauptmannstell­vertreter Josef Geisler betonte, dass Tirol stolz auf das Heer sei. Es sei unverzichtbar im Katastrophenschutz, bei großen Veranstaltungen und im Einsatz von schwerem Gerät. „Gemeinsam mit der Polizei und den Blaulichtorganisationen ist das Bundesheer eine tragende Säule für die Sicherheit der österreichischen Zivilgesellschaft“, stellte Geisler fest. Seine Anerkennung gelte den außerordentlichen Leistungen des Heeres. Soldaten würden „helfen, wo andere nicht mehr helfen können“.

Schließlich sprachen die Rekruten ihren feierlichen Gelöbniseid auf die Republik Österreich, womit der Festakt am Kirchplatz endete.