Letztes Update am So, 28.10.2018 06:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Eine Familie auf Schiene

Von der ersten Brenner-Lok über Eisenbahnmodelle bis zur Logistik: Der Tiroler Familie Kirchmair-Sevignani liegt die Eisenbahn im Blut.

Anton Kirchmair war vor über 100 Jahren Werkmeister im Innsbrucker Bahnwerk Wilten.

© ÖBBAnton Kirchmair war vor über 100 Jahren Werkmeister im Innsbrucker Bahnwerk Wilten.



Von Philipp Schwartze

Innsbruck – Im Kindergartenalter fährt Vivien Sevignani ganz vorne in einer Lokomotive mit, steuert auf der Modelleisenbahnanlage in Opas großem Keller die unterschiedlichsten Züge durch eine Miniaturlandschaft und lauscht den Erzählungen über ihren Ururonke­l Anto­n Kirchmair. Der war Werkmeister in Wiltens Bahnwerk, arbeitete laut Familienerzählungen an der ersten Lok, die auf Eisenbahnschienen zum Brenner fuhr.

Die Wattenerin Vivien Sevignani, die Ururnichte von Anton Kirchmair, führt die Eisenbahner-Tradition als Speditionskauffrau der Bahn fort.
Die Wattenerin Vivien Sevignani, die Ururnichte von Anton Kirchmair, führt die Eisenbahner-Tradition als Speditionskauffrau der Bahn fort.
- Thomas Boehm / TT

„Ich war eigentlich schon als Kind in meine­r jetzigen Arbeit“, lacht Vivie­n Sevignani, heute 20 Jahre jung, mit Rückblick auf die Stunden an Opas Modelleisenbahn. Als Speditionskauffrau bei Rail Cargo Austria setzt sie die gelebte Eisenbahnbegeisterung der Familie fort. Beinahe wäre aber alles ganz anders gekommen. „Das ist durch einen Zufall passiert“, sagt die Wattenerin heute. „Ich habe erst eine Lehre als Köchin angefangen, das hat mir aber nicht gefallen. Durch einen Zufall bin ich dann auf Rail Cargo Austria gekommen, und da ist gerade ein Lehrling abgesprungen“, erinnert sie sich an das Jahr 2015.

„Bahn find ich eh cool und der Opa hat damit sicher auch eine Freud’“, war ihre Überlegung zum Lehrstart. Opa Günte­r Sevignan­i, Pensionist und begeisterter Modellbahnbauer des Innsbrucker ESV, ist begeistert. „Ich hab’ die größte Gaudi, bin sehr stolz“, sagt der 79-Jährige. „Die Eisenbahn hat mich schon immer fasziniert, seit ich die Lok von Viviens Urur­onkel gesehen hab’“, sagt er. Gemeint ist damit aber nicht die echte, große Lok, sondern ein Modell, das Günte­r Sevignani als Bub im Zimmer von Onkel Anton Kirchmair auf einer Anrichte entdeckte. „Leider habe ich das nie wiedergefunden.“

Vivien Sevignanis Opa Günter hatte als Bahnfan und Modellbauer großen Anteil an der Entscheidung seiner Enkelin.
Vivien Sevignanis Opa Günter hatte als Bahnfan und Modellbauer großen Anteil an der Entscheidung seiner Enkelin.
- Thomas Boehm / TT

Als gelernter Tischler fertigt er heute vor allem Brücken, Enkelin Vivien kann sich vorstellen, die private Anlage einmal zu übernehmen. Zu viel Eisenbahn scheint bei den beiden gar nicht möglich. „Nur die Oma mag das nicht so gern“, lacht die Enkelin, die auch in ihrer Freizeit gerne Bahn fährt.

Aufgefrischt wurden die Erinnerungen an die lange Familientradition Eisenbahn – denn auch der Zwillingsbruder von Anton Kirchmair war als Verschubarbeiter tätig – durch die Wanderausstellung „Zusammenbringen“ der ÖBB. Dafür hat die Bahn Familien mit großer Eisenbahngeschichte gesucht – und in Tirol bei den Sevignanis gefunden.

Inzwischen hat Vivie­n Sevignani die Lehre zur Speditionskauffrau abgeschlossen, arbeitet im Verkauf. Doch mit einem zusätzlichen vierten Lehrjahr will die 20-Jährige Speditionslogistikerin werden – dafür pendelt sie wöchentlich nach Braunau. „Einiges hab ich durch meinen Opa schon vor der Ausbildung gewusst, etwa, was der Verschub ist“, sagt sie. Abzuwarten bleibt noch ihre nächste Weichenstellung und damit ihr weiterer Karriereweg. „Mal schauen. Ich kann mir aber sehr gut vorstellen, bei der Bahn zu bleiben.“

Vorher steht ohnehin noch ein anderes großes Ereignis im Hause Sevignani an: Im November feiern Vivien und Günter Sevignani gemeinsam 100 Jahre. Und was könnte zu diesem Anlass passender sein als eine gemeinsame Bahnfahrt? Vielleicht wieder ganz vorne in der Lokomotive.