Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.10.2018


EXKLUSIV

Drogenkonsumraum in Innsbruck angedacht

In der Stadt wird auch eine eigene Suchtkoordinations­stelle gefordert. Ein Drogenkonsumraum soll indes die Suchtkranken von der Straße wegbringen.

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© Thomas Boehm / TT



Von Denise Daum

Innsbruck – Die Anrainerbeschwerden rund um die Mentlvilla Innsbruck rückten in den vergangenen Wochen die Gruppe der Suchtkranken verstärkt ins Interesse der Öffentlichkeit. Die Politik versprach Sofortmaßnahmen rund um die Betreuungseinrichtung der Caritas in der Mentlgasse. Das reicht der Alternativen Liste Innsbruck (ALI) nicht. Sie will ein generelles Umdenken in der Drogenpolitik. „In den vergangenen 20 Jahren ist bei uns in diesem Bereich nicht wirklich viel passiert“, erklärt Ekkehard Madlung-Kratzer, Leiter der Drogenabteilung im Krankenhaus Hall und ALI-Mitglied. Die Drogenszene habe sich verändert. So gebe es weniger jugendliche Einsteiger, die Konsumenten werden älter, jedoch auch kränker. Zudem seien vermehrt Obdachlose unter den Drogenkranken, weiß Madlung-Kratzer. „Auch die Toleranz der Bevölkerung ist weniger geworden. Drogenkranke werden immer stärker aus dem Stadtbild gedrängt.“

Die Alternative Liste fordert nun nicht nur eine eigene städtische Suchtkoordinationsstelle für die Planung und Entwicklung einer zeitgemäßen Drogenpolitik (im Land Tirol gibt es diese Stelle bereits), sondern auch die Einrichtung eines Drogenkonsumraums. „In Gesprächen mit Betroffenen hat sich gezeigt, dass viele Suchtkranke gezwungen sind, Drogen auf offener Straße zu konsumieren, weil sie keine Alternative haben“, erklärt ALI-Gründer Mesut Onay. Ein medizinisch betreuter Drogenkonsumraum soll hier Abhilfe schaffen und zudem Todesfälle verhindern. Dabei handle es sich keineswegs um einen „Chillraum“, wie Suchtexperte Ekkehard Madlung-Kratzer betont, sondern er stehe lediglich für wenige Minuten während des Konsums zur Verfügung. „In Österreich konnte so etwas trotz jahrzehntelanger Bemühungen noch nicht installiert werden. Andere Länder wie Deutschland haben damit bereits sehr gute Erfahrungen gemacht.“

Bei der zuständigen Sozial-Landesrätin Gabriele Fischer (Grüne) rennt man mit derartigen Forderungen offene Türen ein. „Das Land Tirol hat bereits eine Suchtkoordinationsstelle und es wäre sehr sinnvoll, wenn wir uns da mit der Stadt Innsbruck zusammenschließen“, erklärt Fischer. Auch einen Drogenkonsumraum hält sie für „sehr, sehr wichtig“.

Der zuständige Vizebürgermeister Franz X. Gruber (ÖVP) erteilt der Forderung nach einer städtischen Suchtkoordinationsstelle hingegen eine klare Absage. „Es gibt bereits eine intensive Abstimmung und Zusammenarbeit der einzelnen Einrichtungen und Vereine. Ich bin nicht dafür, dass wir weitere Dienststellen schaffen. Wir sollten unsere Energie lieber in die Prävention stecken.“

Der Einrichtung eines Drogenkonsumraums steht Gruber hingegen positiv gegenüber. „Wir müssen diese Diskussion tabulos führen.“ Die Gespräche der vergangenen Wochen hätten gezeigt, dass der Drogenkonsum im öffentlichen Raum zugenommen habe. Ein eigener betreuter Raum könne hier helfen. „Der Drogenkonsum findet so oder so statt. Wenn das mangels Alternative in der Öffentlichkeit passiert und dann Spritzen herumliegen, ist das auch keine Lösung“, so Gruber.

Die NEOS haben bereits Mitte Oktober – wie berichtet – eine „akzeptierende Drogenpolitik sowie einen Suchtmittelkonsumraum“ eingefordert.