Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.11.2018


Bezirk Reutte

Larissas Schwester über Gewalt gegen Frauen: “Sofort Konsequenzen ziehen“

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter. Die VP-Frauen treten dem entschlossen entgegen. Sie luden zum Vortragsabend mit Katrin Biber, deren Schwester vor fünf Jahren einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel.

© NikolussiCarmen Strigl-Petz, VP-Frauen-Bezirksleiterin, Referentin Katrin Biber sowie NR und Landesleiterin der VP-Frauen Elisabeth Pfurtscheller (v. l.) fordern Respekt ein und stellten sich gegen Gewalt an Frauen.Foto: Nikolussi



Von Hans Nikolussi

Reutte – „Beim Thema ,Gewalt gegen Frauen‘ gibt es noch viel zu tun“, meinte Nationalrätin Elisabeth Pfurtscheller eingangs einer Veranstaltung, zu der VP-Frauen-Bezirksleiterin Carmen Strigl-Petz in den Saal der Wirtschaftskammer geladen hatte. „Respekt für Frauen ist das große Schwerpunktthema der Frauen in der Tiroler Volkspartei“, verkündeten die beiden. Rund 100 Interessierte, der größte Teil davon junge Frauen und Mädchen, waren dieser Einladung gefolgt.

Am Anfang stand ein Impulsvortrag der gebürtigen Reuttenerin Katrin Biber, deren Schwester Larissa im September 2013 einem Aufsehen erregenden Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen war. Der Täter wurde gefasst und zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Biber erzählte freimütig in heimatlich gefärbter Sprache und somit authentisch, wie sie es schaffte, die Trauer anzunehmen und wieder neue Lebensfreude zu gewinnen. „Eine Art des Verlustes, die uns meist nur in schlechten Filmen begegnet, wurde damals schlagartig zu meiner Realität. Was folgte, war eine schreckliche Zeit an Schmerz und Leid, dem mein Körper kaum standhalten konnte.“ Lange Zeit habe sie mit dem Schicksal gehadert, sich Vorwürfe gemacht und irgendwie ihren Platz in der Gesellschaft verloren, berichtete sie. Das Selbstwertgefühl sei teilweise total am Boden, ihr Urvertrauen verschwunden gewesen. Sie verriet, dass auch sie in dieser Zeit in die Abhängigkeit eines gewaltbereiten Lebensgefährten geriet. Der Ausstieg aus dieser Umklammerung sei ihr unglaublich schwer gefallen, aber unbedingt notwendig gewesen. Von physischer, aber auch psychischer Gewalt Betroffenen riet sie: „Sofort die Konsequenzen ziehen und nicht zuwarten!“ Ihre Art, Sport zu treiben, habe ihr dann sehr geholfen. Nicht Bauch-Po-Gymnastik sei gefragt, sondern Körper und Seele gleichermaßen zu stärken. Am Ende ihrer Trauerarbeit stand für sie der Überbegriff „Seelen-Sport“.

Im Anschluss an den Vortrag wurde mit einer Runde von Expertinnen und Experten aus dem Bezirk Reutte und aus Innsbruck über das Thema Gewalt an Frauen und Mädchen diskutiert. „Statistisch gesehen ist jede vierte bis fünfte Frau einmal im Leben von Gewalt betroffen, auch in Tirol. Mit dieser Veranstaltung wollen wir Aufmerksamkeit erzeugen und stehen auch zusammen mit den Institutionen vor Ort für konkrete Hilfestellungen zur Verfügung“, so Pfurtscheller.

Zu Wort kamen Vertreterinnen der Frauen- und Familienberatung BASIS in Reutte, der Tiroler Kinderschutz, das Info-Eck und die Exekutive.

Polizei-Bezirkskommandant Egon Lorenz verwies zum Beispiel darauf, dass Krankenstände aufgrund bestätigter psychischer Probleme für den Verursacher ungleich höhere Strafen nach sich ziehen können.

Neben den Übergriffen in den eigenen vier Wänden oder auf der Straße sind laut Cyber-Mobbing-Expertin auch die sozialen Medien zunehmend Schauplatz von Übergriffen – vor allem auf Mädchen. Das Credo des Abends: Wehret den Anfängen! Bei Belästigungen jeder Art, innerhalb und außerhalb von Beziehungen, sei eine sofortige Reaktion das Wichtigste, Hilfe zu suchen vordringlich. Das Problem auf die lange Bank zu schieben, sei nur der Beginn eines vermeidbaren Leidensweges.