Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 11.11.2018


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Ausgefallene Hochzeitsfeste: „Ja“-Wort soll kein Zirkus sein

Nicht nur am Standesamt, auch an ausgewählten Orten in Tirol ist eine Heirat möglich. Manche Feier ist aber erst mit der Bestätigung am Amt gültig.

© Südtirol HeuteEnde Oktober feierten zwei Tauchfans die erste Unterwasser-Hochzeit in Südtirol. Auch in Nord- und Osttirol kann man außerhalb des Standesamtes heiraten.



Von Alexandra Plank

Innsbruck – Franco und Giovanna sagten Ende Oktober bei einem Tauchgang mithilfe von Schildern „Ja“. Es war die erste Unterwasserhochzeit in Südtirol. Die Verliebten hatten sich bei einem Taucherurlaub auf den Malediven gefunden. Dennoch mussten die Frischgetrauten ihre Unterschrift auf dem Standesamt ablegen. Bei aller Romantik ist eine standesamtliche Hochzeit nämlich zuallererst ein Verwaltungsakt.

Auch in Nordtirol gibt es einige Vorgaben, wie Arnold Wackerle, Landesleiter der Standesbeamten, gegenüber der Tiroler Tageszeitung erklärt. „Die Gemeinden können bestimmte Orte für die standesamtliche Hochzeit bereitstellen. In Telfs werden Hochzeiten nur am Standesamt angeboten. Da wir eine große Anzahl von Trauungen haben – drei bis vier Feiern pro Samstag sind normal –, können wir keine Außerhaus-Trauungen anbieten.“

Wer fern des Standesamtes heiraten will, hat aber in Tirol viele Möglichkeiten. Wobei für Trauungen außerhalb des Standesamtes ein höherer Tarif fällig wird. Die Tirol Werbung hat das Potenzial schöner Trauorte erkannt und bietet diese auf ihrer Homepage an. Laut Wackerle müssen Trauungen grundsätzlich von einem Standesbeamten vorgenommen werden: „Da zum Beispiel ein Kapitän der Achenseeschiffahrt kein Standesbeamter ist, kann es zwar eine wunderschöne Zeremonie auf einem Schiff geben, diese begründet jedoch wie jede freie Hochzeitszeremonie keine rechtsgültige Ehe.“ Laut Wackerle ist eine Hochzeit im Kern ein Verwaltungsakt. Die Standesbeamten seien aber sehr bemüht, diesen individuell zu gestalten. Wem das zu wenig ist, der bucht eine Hochzeitsplanerin. Verena Strasser sagt, dass das Eheversprechen bei ihr in einem festlicheren Rahmen erfolgen könne. Die Wünsche der künftigen Eheleute seien mitunter skurril. Ein Paar ließ sich die Ringe im Zuge der Feier auf die Finger tätowieren. „Am schrägsten war die Hochzeit von Star-Wars-Fans, der Bund fürs Leben wurde mit dem Lichtschwert besiegelt.“ Abseits solcher Skurrilitäten sei ihr wichtig, dass die künftigen Eheleute stark in die Zeremonie eingebunden seien und ihr eigenes Eheversprechen formulieren, so Strasser. Der Standesbeamte betont, dass eine Verehelichung keine Zirkusveranstaltung sein dürfe. Das sieht auch Strasser so. Ernsthaftigkeit sei wichtig. Scheidungspartys, wie in den USA, richtet sie nicht aus.

Ein stimmiges Fest ist das eine, eine dauerhafte Bindung das andere. Hat Strasser einen Tipp? „Wenn ihr einen Partner findet, der zu 80 Prozent entspricht, nehmt ihn. Das ist das Maximale.“

Die Top 3 — Berge, Wasser, Gold

Das Höchste. Café 3.440 am Pitztaler Gletscher hält den Österreichrekord.

Das Schwimmende. Die Achenseeschiffahrt bietet Trauungen an Bord an.

Das Goldene. Das Goldene Dachl ist auch als Heiratsort ein Hit.




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