Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 09.11.2018


Innsbruck-Land

Haller Schulzentrum: “Wunderschön, aber fertig ist was anderes“

Gestern zogen 305 Schüler im neuen Haller Schulzentrum ein. Noch sind aber nicht alle Arbeiten abgeschlossen – was für Kritik der Lehrer sorgt.

© DomanigDie Schüler der 4a-Klasse erkundeten gestern erstmals ihre neue Schule.



Hall – Neugierig setzen die Schüler der 4a-Klasse die ersten Schritte in „ihre“ neue Schule, staunen über den vielen Platz und das viele Glas, die ungewohnt transparenten, lichtdurchfluteten Räume. Sie zählen zu den insgesamt 305 Schülern aus 15 Klassen, die gestern aus den bisherigen Neuen Mittelschulen Europa und Schönegg ins neue Haller Schulzentrum übersiedelt sind – im Halbstundentakt und in vier „Tranchen“. Die Sonderschule folgt am 19. November.

Schon auf den ersten Blick fallen in der Schule Besonderheiten auf: die farblich abgestimmten „Cluster“, die aus je drei Klassen- und einem Lehrerzimmer sowie großzügigen Lernflächen bestehen; die elektronischen „Active Boards“ und „White Boards“, die die alten Kreidetafeln ersetzen; aber auch eine erkleckliche Anzahl an Handwerkern, die noch im Innen- und Außenbereich der Schule arbeiten.

Genau das stößt bei der Lehrerschaft auf Kritik: „Es fehlt noch an vielen Dingen, teils herrscht Baustellencharakter“, sagt eine Lehrerin zur TT. So gibt es in einzelnen Klassen noch keine Schränke, weshalb dort auch die Elektroinstallationen nicht abgeschlossen werden konnten – und offene Leitungen vorübergehend mit Plastikabdeckungen verkleidet werden mussten. Die Klassenzimmer können nicht beschattet werden, der Turnsaal ist noch nicht nützbar. „Es wird eine tolle Schule, aber der Einzug kommt mindestens einen Monat zu früh“, fasst die Lehrerin zusammen.

Ähnlich sieht das Günter Nimmerfall, neuer Mittelschuldirektor seit 1. September. „Was fertig ist, ist wunderschön“, schickt er voraus. „Und der viele Platz ist für uns alle ein Riesenvorteil.“ Zudem sei gerade in den letzten Tagen noch sehr viel passiert. Aber: „Fertig ist ganz was anderes, zumindest die nächsten Wochen müssen wir sicher improvisieren. Wir machen das Beste daraus und versuchen, den Regelstundenplan so gut wie möglich umzusetzen.“ Schularbeiten werde man so ansetzen, dass es möglichst wenig Störungen gibt, einige eventuell verlegen, kündigt der Direktor an. Wann der Turnsaal bezugsfertig ist? Darüber habe es zuletzt täglich andere Informationen gegeben, vorerst nütze man den Turnsaal der alten Schule. „Eine Übersiedlung in den Weihnachtsferien wäre für uns wesentlich stressfreier gewesen“, merkt Nimmerfall an.

Für Vize-BM Werner Nuding (VP), Obmann des Raumordnungs- und Schulzentrum-Ausschusses, ist die Kritik der Lehrer überzogen: „Das Schulgebäude ist fertig – und was noch fehlt, ist sicher kein Hindernis für einen guten Start.“ Jeder Stuhl und jeder Tisch sei da, alle elektronischen Tafeln angeschlossen, die topmoderne EDV betriebsbereit. Dass einzelne Kästen noch fehlen, liege am Konkurs eines Zulieferers des Tischlereiunternehmens – auch einer der Hauptgründe für den ohnehin verspäteten Bezug des Schulzentrums. Der Turnsaal sei bis auf die Türen und die Filzverkleidung der Wände fertig.

Eine noch spätere Übersiedlung sei allein schon deshalb nicht möglich gewesen, weil in der ehemaligen NMS Schönegg seit Montag Umbauarbeiten laufen, ergänzt Nuding. Dort werden, wie berichtet, drei temporäre Kindergartengruppen eingerichtet. (md)

- Domanig



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