Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 12.11.2018


TT-Ombudsmann

10.000 Flyer nicht zugestellt: Post entschädigt Tiroler mit 20 Euro

Ein Unternehmer versandte 10.000 Flyer, um neue Kunden zu gewinnen. Als sich niemand meldet, steht für ihn fest: Die Sendung wurde nie zugestellt. Die Entschädigung der Post: 20 Euro.

© TT / Thomas BoehmWurden die Flyer gar nie zugestellt? Ein Unternehmer muss selbst den Beweis dafür erbringen.



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Eingeschriebene Briefe oder Pakete, die verlorengehen, Sendungen, die nicht wie versprochen am nächsten Werktag zugestellt werden. Postboten, die nicht läuten, obwohl die Adressaten zu Hause sind und auf ihre Bestellungen warten. Stattdessen finden sie einen Zettel im Brieffach, mit der Information, wo das Paket abzuholen ist. Die Liste der Klagen über Probleme mit der Post, die regelmäßig beim Ombuds­team eintreffen, ist lang. In einem aktuellen Fall soll eine Leserin ein Paket eines Versandhauses im Wert von 140 Euro bezahlen, das nie angekommen ist.

Um noch viel mehr Geld geht es bei einem jungen Tiroler Unternehmen, das in Innsbruck Sportkurse anbietet. Um das Angebot bekannt zu machen und neue Kunden zu gewinnen, hat der Betreiber eine Postwurfsendung in Auftrag gegeben – die bisher größte, insgesamt fast 10.000 Flyer. Da sich daraufhin auch nach längerer Zeit niemand meldete, steht der Verdacht im Raum, dass die Sendung nicht entsprechend verteilt wurde. „Aus früheren Aktionen wussten wir, wie hoch die Zahl der Rückmeldungen in etwa ist“, sagt Marco Probst und spricht von bis zu 100 Anrufen. Für ihn sei klar gewesen, dass etwas nicht stimmen konnte. „Wir haben begonnen, selbst nachzuforschen, und mehrere Personen befragt, die in dem Verteilungsgebiet wohnen. Niemand hat unsere Postwurfsendung erhalten.“ Material, Arbeit und Versandkosten hatten rund 2500 Euro ausgemacht. „Das ist für uns als kleines Unternehmen eine Menge Geld!“

Der Schaden sei aber noch viel größer, da wegen der nun zu geringen Anzahl an Interessenten mehrere Kurse nicht angeboten werden könnten. Probst spricht von einer „großen Belastung“ für sein Unternehmen und fordert Ersatz – ein Vorhaben mit vielen Hürden, wie sich herausstellte:

Bei der ersten Nachfrage und Beschwerde bei der Post per Telefon – „wir wurden ständig weiterverbunden“ – lautete die Antwort schließlich, man müsse das Ansuchen schriftlich per E-Mail schicken. Als die erhoffte Reaktion auch hier ausblieb, machte der „Wir-bewegen-Tirol“-Gründer die Sache auf Facebook öffentlich. „Daraufhin wurde uns zugesichert, dass die Post der Sache nachgehen werde.“ Doch auch das sei nur zäh vorangegangen.

In einer ersten Antwort durch den Kundenservice wird darauf hingewiesen, dass die Post ein Massenbeförderer sei, „der den Dienstleistungsbereich Info.Post Classic zu erschwinglichen Preisen anbietet und daher organisatorisch auf eine möglichst einfache, standardisierte Abwicklung einer großen Anzahl von Sendungen ausgerichtet ist“. Eine durchgehende Beaufsichtigung der Sendungen finde daher nicht statt. Die Weitergabe an das Brief-Verteilzentrum sei aber korrekt erfolgt. Außerdem wird darin um die Angabe von vollständigen Adressen von Empfängern gebeten, die den Flyer nicht erhalten haben.

Test ergab: Nur jedes zehnte Paket anstandslos zugestellt

Bei Zustelltests überprüften Mitarbeiter des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) verschiedene Paketdienste, am besten schnitt dabei die Post ab, mit 70 von 100 möglichen Punkten wurde das Ergebnis als gut bewertet. Nur „durchschnittlich“ lautet das Testurteil für GLS und UPS mit jeweils 50 Punkten und „wenig zufriedenstellend“ (30) für DHL und DPD.

Eher die Ausnahme als die Regel ist ein ordnungsgemäß zugestelltes Paket: Bei neun von zehn Zustellungen traten kleine Mängel auf. Pakete wurden einfach vor der Tür, am Grundstück oder beim Nachbarn abgelegt oder waren in einem kilometerweit entfernten Paketshop abzuholen.

Rund 210 Millionen Pakete wurden im vergangenen Jahr durch Österreich transportiert, durch den Onlinehandel nimmt die Zahl weiter zu. Beim VKI gehen fast täglich Beschwerden über den schlechten Service der Zustelldienste ein.

In einer weiteren E-Mail räumt ein Mitarbeiter, der die Reklamation bearbeitet, einige Tage später außerdem ein: „Einzelne Probleme in der Zustellung können angesichts der Vielzahl an Sendungen jeden Tag nicht gänzlich ausgeschlossen werden.“ Das dafür bezahlte Entgelt könne aber nur rückerstattet werden, wenn die Sendung nachweislich durch Verschulden der Post stark beschädigt, nicht zeitgerecht oder überhaupt nicht zugestellt worden sei.

Rund fünf Wochen später schließlich die Nachricht, dass interne Erhebungen keine Auffälligkeiten hinsichtlich der Beförderung unterwegs bis zur Aufteilung auf die beteiligten „Zustellrayone“ ergeben hätten. Falls es einzelne Probleme gegeben haben sollte, entschuldigt sich der Mitarbeiter allerdings „auch im Namen der Briefzustelldienststellen zutreffenderweise für Probleme in diese Richtung“. Zum Schluss werden dem Geschädigten noch zwei Gutscheine der Post AG um jeweils 10 Euro zum Kauf von Beförderungsleistungen oder Wareneinkauf angeboten. „Weitere Möglichkeiten der Regulierung bestehen nicht – ich danke für Ihr Verständnis.“

Auf Nachfrage weist Post-Sprecher David Weichselbaum auf die immer noch bestehende Möglichkeit hin, nähere Angaben zu Personen zu machen, die keinen Werbeflyer erhalten haben. „Wir sind jedenfalls weiterhin bemüht, das Problem zu lösen.“ Wie viele Namen und Adressen vorgelegt werden sollen, sagt er aber nicht, nur: „Eine Handvoll ist zu wenig.“

Für Marco Probst ist es unterdessen kaum noch realistisch, einen entsprechenden Nachweis zu erbringen, er hat die Postwurfsendung bereits im August in Auftrag gegeben. Die 20 Euro Wiedergutmachung sind für ihn „eine Beleidigung“, der Hinweis der Post auf ihre Geschäftsbedingungen ebenfalls. Auch ein günstiger Dienstleister sollte Sendungen beaufsichtigen.




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