Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 11.11.2018


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Gespenst Momo geht auf WhatsApp um: Tiroler Kinder in Angst

Via WhatsApp droht der Geist Momo den Kindern, sie zu töten. Die Jugendanwaltschaft rät, auf die Gefahren des Internets aufmerksam zu machen.

© DPA/Stein/YouTubeHandy-Geist Momo erscheint in den Kontaktlisten, verschickt Nachrichten und Videos und ruft an.



Von Brigitte Warenski

Innsbruck, Wien — Das Handy-Gespenst Momo erscheint wie aus dem Nichts in vielen WhatsApp-Kontaktlisten, verschickt Nachrichten und Videos — und ruft sogar an. Die Nachrichten, die Momo hinterlässt, versetzen Kinder in Schrecken: Momo droht, in der Nacht zu erscheinen, Kinder und Eltern zu töten, wenn man die Nachricht nicht an andere Kontakte weiterschickt.

Als Beispiel, was bei Nichtbeachtung droht, werden Kinder genannt, die man mit abgefressenen Beinen oder tot im Bett gefunden habe. „Als Erwachsener kommt man leicht in Versuchung zu sagen, das ist ja nichts Ernstes. Aber besonders für Kinder im Volksschulalter ist das alles Realität und sie glauben fest daran, dass dieses Etwas existiert", sagt die Innsbrucker Kinderpsychologin Christine Kruselburger-Hye, die gerade mit einem derartigen Fall zu tun hat.

Momo, der bereits im Sommer sein Unwesen getrieben hat, ist ein Hoax (englisch etwa Scherz, Schwindel) und damit eine gezielt verbreitete Falschmeldung, die vor allem in den sozialen Medien verbreitet wird. „Aber das ist den Kindern oft nicht so einfach begreiflich zu machen", weiß Kruselburger-Hye.

Die Tiroler Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser kennt solche Kettenbriefe, die durch die sozialen Medien geistern. „Man muss die Kinder immer wieder auf die Gefahren im Internet aufmerksam machen und man muss ihnen sagen, dass man Leute im Internet treffen kann, die es nicht gut mit einem meinen."

Was bei Fake-Schreckgespenstern zu tun ist, „wissen am besten die Experten von Saferinternet", so Harasser. Die Experten unterstützen Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrer beim sicheren Umgang mit digitalen Medien (www.saferinternet.at). Auch bei Rat auf Draht (www.rataufdraht.at) erhält man österreichweit unter der Rufnummer 147 kostenlos Rat — auf Wunsch anonym —, u. a. zum Thema Handy und Internet. Weil bei jüngeren Kindern die Medienkompetenz „noch nicht so stark ausgeprägt ist, brauchen Kinder im Volksschulalter noch kein internetfähiges Handy", sagt Harasser. Um als Eltern Hilfe anbieten zu können, rät sie, „gemeinsam die eine oder andere Seite im Internet zu besuchen und darüber zu sprechen". Heimlich nachzusehen, welche Seiten das Kind besucht, davon rät die Jugendanwältin dringend ab: „Nachspionieren ist wie ein Briefgeheimnis zu brechen und damit ist das Vertrauen weg."