Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 21.11.2018


Gesellschaft

Ist 2018 das Jahr der Frauen?

© APAIm Nationalrat liegt der Anteil an weiblichen Abgeordneten nach 100 Jahre­n Frauenwahlrecht bei 37 Prozent.



In Literatur, Gesellschaft und Film spielen Frauen und Feminismus heuer zumindest eine Rolle. 100 Jahre Frauenwahlrecht geben Anlass, über Errungenschaften der Frauenpolitik zu schreiben, Ausstellungen zu organisieren und über Gleichberechtigung zu diskutieren. Am 12. November 1918 wurde von der Provisorischen Nationalversammlung die Republik Österreich ausgerufen, an diesem Tag wurde auch das Frauenwahlrecht eingeführt.

Der Frauenanteil im österreichischen Parlament liegt heute bei 37 Prozent. 68 der 183 Abgeordneten sind weiblich. Den höchsten Frauenanteil haben NEOS mit 50 Prozent, gefolgt von der SPÖ mit 48 Prozent. JETZT, vormals Liste Pilz, kommt auf 43 Prozent, die ÖVP auf 36 und die FPÖ auf 24 Prozent. Die Partizipation von Frauen in der Politik ist auch nach 100 Jahren bescheiden und von Parität weit entfernt.

Entscheidend bei der Höh­e des Frauenanteils ist eine entsprechende Frauenquote. Eine solche gibt es traditionellerweise bei der SPÖ und den Grünen, die ÖVP hat im letzten Wahlkampf nachgezogen und ihren Anteil an Nationalrätinnen nicht zuletzt dadurch erhöht. Traditionell wenige Mandatarinnen finden sich bei der FPÖ.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in einer Gedenkstunde zum 100. Jahrestag des Frauenwahlrechts gemeint: „Man muss doch nicht drum herumreden: Die Quoten waren wichtig, aber das Ziel muss Parität sein." Diese Parität forderte die scheidende CDU-Vorsitzende in der Politik, der Wirtschaft, der Verwaltung, Wissenschaft oder im Kulturbereich ein.

In Deutschland müssen seit Januar 2016 rund 150 börsennotierte Unternehmen bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat eine Frauenquote von 30 Prozent erreichen. Wird diese Zahl nicht erreicht, bleiben die Posten unbesetzt. Die Quote ist nicht erfüllt. In Österreich gilt seit Jänner 2018 in den Aufsichtsräten von Unternehmen, die entweder börsennotiert sind oder ständig mehr als 1000 Mitarbeiter beschäftigen, eine gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent. Sanktionen haben die Unternehmen keine zu befürchten, wird die Quote nicht erfüllt, bleiben die Aufsichtsratsmandate vakant. Mit Stand Dezember 2017 haben in Öster­reich nur acht der 33 betroffenen Unternehmen die Quote erreicht. Mit Jahresende werden die neuen Zahlen vorliegen. (aheu)