Letztes Update am Fr, 28.12.2018 17:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Jahreswechsel

Silvester-Feuerwerk: Was in Tirol erlaubt ist und was nicht

Zu Silvester geht es vielerorts heiß her: Während sich der Pyrotechnik-Handel über den anhaltend guten Verkauf freut, steht die Polizei vor einer schwierigen Aufgabe. Experten warnen vor illegalen Böllern.

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Innsbruck — Ihr Feuerwerk ist den Österreichern fast schon heilig, gehört zum Jahreswechsel wie der Christbaum zu Weihnachten. Jeder dritte Österreicher deckt sich für den letzten Tag des Jahres mit Pyrotechnikartikeln ein, wie die Tiroler Landesorganisation der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) bekannt gibt. 57 Euro lassen sich die Hobby-Pyromanen diesen Spaß durchschnittlich kosten. „Im Trend liegen nach wie vor Raketen, aber auch Verbundfeuerwerke, Feuerwerk-Batterien mit langer Laufzeit, kommen immer mehr", berichtet der Berufsgruppensprecher des Pyrotechnik-Handels der WK Tirol, Christoph Riedl.

Am Silvestertag werden die Einkäufe dann stolz gezündet. Dabei gilt auch am 31.12. keine Ausnahme, ein Irrglaube, der in der Bevölkerung aber weit verbreitet ist. Das Pyrotechnikgesetz kenne gar kein Silvester, wie es von der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck-Land heißt. Höchstens der Bürgermeister könnte eine Ausnahmeverordnung erlassen, die es aber für Innsbruck und andere Tiroler Städte (mit ganz wenigen Ausnahmen) in letzter Zeit laut BH nicht gegeben hat.

Feuerwerksraketen im Stadtgebiet verboten

Daher gilt: Feuerwerkskörper ab den Kategorie F2 — u. a. Raketen — sind ab 16 Jahren erlaubt und nach dem Pyrotechnikgesetz im Stadtgebiet verboten. Trotzdem werden sie in den Städten immer wieder — fast selbstverständlich — in die Luft geschossen.

Das liegt vor allem an der schwierigen Kontrolle dieser Straftaten zwischen Menschenmengen und Rauch: Für die Polizei sind Täter schwer ausfindig zu machen. „Es ist direkt nach dem Zünden, wenn die Polizei das Geräusch wahrnimmt, bereits schwierig zu sagen, wer die Rakete abgeschossen hat", erklärt Othmar Sprenger von der Landespolizeidirektion.

Einteilung und Kategorien

Kategorie F1: Wunderkerzen, Knallerbsen, Tischfeuerwerke, ab zwölf Jahren, Fachkenntnis nicht erforderlich.
Kategorie F2: Blitzknallkörper, Knallfrösche, Baby-Raketen, ab 16 Jahren, Fachkenntnis nicht erforderlich.
Kategorie F3: Knallkörper, Feuerräder, wirkungsstarke Raketen etc., ab 18 Jahren, Sachkunde erforderlich (nur mit Berechtigung erhältlich).
Kategorie F4: Feuerwerksbomben, römische Lichter, Feuertöpfe, ab 18 Jahren, Fachkenntnis erforderlich (nur mit Berechtigung erhältlich.

Beschwerden und Strafen

Schall und Rauch ist das Pyrotechnikgesetz dennoch nicht, denn eingeschritten wird bei einem eindeutigen Verstoß selbstverständlich, betont Sprenger. Beschwerden und Strafen gebe es — besonders zu Silvester — immer wieder. Besonders in der Nähe von Kirchen, Gotteshäusern, Krankenanstalten, Kinder-, Alten- und Erholungsheimen, sowie Tierheimen und Tiergärten, denn dort ist jegliche Pyrotechnik, auch jene der niedrigsten Kategorie F1, untersagt. Viele halten sich aber nicht daran.

„Das sind dann ganz typische Beschwerden", berichtet Sprenger. Grundsätzlich gebe es viele, die sich an die geltenden Regeln halten, allerdings auch jedes Jahr wieder einige Unbelehrbare, resümiert die Tiroler Polizei.

Aufpassen muss man aber nicht nur im Stadtgebiet: Auch wer außerhalb Raketen zündet, hat sich an Regeln zu halten — sonst drohen Klagen: Etwa wenn der Müll anschließend nicht verräumt werde, könne der Grundbesitzer zivilrechtliche Schritte einleiten, wie die BH Innsbruck-Land informiert.

Ungekennzeichnete Böller verboten

Umso mehr wird — in Deutschland und in Österreich — vor ungekennzeichneten Böllern gewarnt, wie sie vielfach im Internet angeboten werden. In Deutschland wurde dazu erst Anfang des Monats eine Razzia mit Festnahmen durchgeführt, 57 Verdächtige wurden europaweit festgenommen.

Das Pyrotechnikgesetz verbietet hierzulande alle Feuerwerkskörper, die keine Klassenangabe, Bezeichnung, Gebrauchsanweisung und Altersbeschränkung in deutscher Sprache aufweisen. Der Besitz und die Verwendung von pyrotechnischen Gegenständen ohne Kennzeichnung (illegal eingeführt oder selbst hergestellt) sind verboten. Verstöße gegen die Verbote können laut Polizei mit bis zu 3600 Euro oder drei Wochen Gefängnis geahndet werden.

Kennzeichnung

Sämtliche pyrotechnische Gegenstände der Kategorien F1 bis F4 haben aufzuweisen:

  • eine Angabe über die Klasse oder Kategorie,
  • Bezeichnung, Name, Typ,
  • eine Gebrauchsanweisung sowie
  • eine Altersbeschränkung

200 Verletzte pro Jahr in Österreich

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) erwartet zu Silvester erneut zahlreiche Verletzte bei Pyrotechnikunfällen und wies darauf hin, dass sich jährlich 200 Personen in Österreich derart schwer verletzen, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Der KFV warnte insbesondere vor nicht zugelassenen Erzeugnissen.

Vorzeitiges bzw. verzögertes „Losgehen" von Knallkörpern und Raketen sind besonders häufig Unfallursache, 36 Prozent der Pyrotechnikunfälle sind auf Fehleinschätzung zurückzuführen. Rund die Hälfte aller Verletzten sind 15 bis 24 Jahre alt, 17 Prozent der Verletzten sind sogar jünger als 15 Jahre. „Jungen Menschen fehlt häufig einerseits das Wissen über den richtigen Umgang mit Feuerwerkskörpern und andererseits das Gefahrenbewusstsein", erklärte KFV-Direktor Othmar Thann. Personen, die sich im Zusammenhang mit pyrotechnischen Produkten verletzen, sind nahezu immer männlich.

Pyrotechnische „Versager" ignorieren

Zuschauern von Feuerwerken empfiehlt der KFV, das Geschehen nur aus größerer Entfernung zu verfolgen, Raketen und Knallkörper können die Kleidung entzünden, Taschen und Kapuzen sind dabei besonders gefährdet. Ebenso sollten man Fenster, Balkon- und Haustüren schließen, damit brandgefährliche „Irrläufer" nicht in die Wohnung oder in das Haus eindringen.

Raketen sollten zudem niemals mit dem Stab in den Erdboden oder in einzeln stehende Flaschen gesteckt werden, das Anzünden sollte immer mit möglichst großem Körperabstand erfolgen. Die pyrotechnischen „Versager", also Blindgänger, sollte man niemals ein zweites Mal zünden - auch das Nachsehen, „was denn da los ist", gilt es zu unterlassen.