Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.01.2019


Innsbruck-Land

Gries stellte Schneeräumung im Venntal ein

Die Gemeinde will, dass die Bewohner die Hälfte der Räumungskosten für die Privatstraße übernehmen. Diese fühlen sich diskriminiert und im Stich gelassen.

Das Venntal ist tief verschneit. Die Gemeinde ist nicht mehr bereit, die Gesamtkosten für die Schneeräumung der Privatstraße zu übernehmen.

© TTDas Venntal ist tief verschneit. Die Gemeinde ist nicht mehr bereit, die Gesamtkosten für die Schneeräumung der Privatstraße zu übernehmen.



Von Denise Daum

Gries a. Br. – Das Venntal ist ein verstecktes, wunderschönes Seitental des Wipptals unmittelbar vor der Grenze zu Italien. Ortskundige Naturliebhaber und Wanderer kennen dort die Jausenstation Venn, daneben gibt es in dem Tal noch zwei Höfe und ein Wohnhaus. Aufgrund der Lage im Brennergebiet sind die Winter im Venntal oft besonders schneereich. Die Räumung hat über Jahrzehnte hinweg die Gemeinde Gries am Brenner sichergestellt. Bis zum heurigen Winter: Aktuell versinkt das Tal im Schnee.

Ende Oktober hat Bürgermeister Karl Mühlsteiger die Grundeigentümer in einem Brief informiert, dass die Gemeinde in Zukunft nicht mehr die gesamten Kosten für die Schneeräumung übernehmen wird. Aus Gründen der Gerechtigkeit, wie Mühlsteiger ausführt, immerhin handelt es sich bei dem Weg ins Tal um eine Privatstraße. „Andere Gemeindebürger müssen für die Räumung ihrer Privatflächen ebenfalls einen Beitrag zahlen. Wir möchten alle gleich behandeln“, erklärt der Bürgermeister. Die Gemeinde hat angeboten, die Hälfte der Kosten zu übernehmen. Im vergangenen Winter lagen die Gesamtkosten bei rund 8500 Euro.

Die Venntaler fühlen sich von der Gemeinde benachteiligt und im Stich gelassen. „Uns wird auch sonst jede Infrastruktur verweigert, wie beispielsweise ein Kanal“, erklärt Hubert Steiner. Die privaten Parkplätze und Stichwege habe man ohnehin stets selbst geräumt, aber die Straße könne nicht in Eigenregie geräumt werden – mit einem normalen Traktor komme man da nämlich nicht weit.

Verzweifelt sind auch die Betreiber der Jausenstation. „Normalerweise haben wir jetzt das beste Geschäft, aber es kommt kein Mensch zu uns. Wie auch, ohne Schneeräumung?“, sagt Benjamin Kerschbaumer. Aber nicht nur das: Seine Mutter sei nicht mehr bei bester Gesundheit. „Was ist, wenn es einen medizinischen Notfall gibt? Da kommt keine Rettung und nichts durch“, betont Kerschbaumer. Eine Beteiligung an den Kosten sei für ihn finanziell nicht zu stemmen. „Wir haben schon mangels Kanal eine Kläranlage gebaut und auch beim Ausbau der Unterführung ins Tal mitgezahlt“, führt Kerschbaumer aus.

In diesem Zusammenhang verweist BM Mühlsteiger darauf, dass in die Ausweitung der Unterführung rund 1,2 Mio. Euro an öffentlichen Geldern geflossen sind. „Von Benachteiligung kann da wohl keine Rede sein.“