Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 08.01.2019


Bezirk Schwaz

Schwaz druckte eigenes Geld

In den 1920er-Jahren wurde in der Silberstadt Not- und Bettlergeld ausgegeben.

So sah damals das so genannte Notgeld aus. Die Scheine wurden mit Schwazer Motiven bedruckt.

© HörhagerSo sah damals das so genannte Notgeld aus. Die Scheine wurden mit Schwazer Motiven bedruckt.



Von Peter Hörhager

Schwaz – Der Film „Das Wunder von Wörgl“ mit Karl Markovics in der Hauptrolle begeisterte Tausende Kinobesucher und TV-Seher. Wörgl hat 1932/33 die Weltwirtschaftskrise dank dem innovativen Bürgermeister Michael Unterguggenberger relativ unbeschadet überstanden. Mit umlaufgesicherten „Arbeitswertbestätigungen“ (als Geld durften die banknotenähnlichen Scheine nicht bezeichnet werden) wurde ein Nothilfe-Programm gestartet, in dessen Rahmen öffentliche Aufträge (Straßenbau, Kanalisation, Erneuerung einer Brücke, Bau einer Sprungschanze etc.) vergeben und damit Arbeit geschaffen wurde. Auch in Schwaz wurde eine Art „Notgeld“ eingeführt.

Während die Arbeitslosigkeit in Österreich damals weiter anstieg, sank sie im Bereich der Gemeinde Wörgl binnen eines Jahres um 25 Prozent. Das „Wunder von Wörgl“ machte Schule – auch die Kirchbichl, Hopfgarten, Brixen und Westendorf bereiteten ein eigenes Freigeld­experiment vor, ebenso die Städte Linz, St. Pölten und Lilienfeld. Doch die Österreichische Nationalbank sah darin einen Verstoß gegen ihr Banknotenprivileg und erwirkte im September 1933 das Aus des kommunalen Ersatzgeldes.

Zu den Gemeinden, die dem Wörgler Beispiel folgen wollten, zählte auch Schwaz. „Die Stadtgemeinde Schwaz hat wie Wörgl in diesen Jahren auch ein Schwundgeld zur Beschaffung von Arbeit herausgegeben, doch wurde diese Geldausgabe in kurzer Zeit vom Finanzministerium verboten“, heißt es dazu im Schwazer Stadtbuch.

Jahre vorher wurde allerdings ein Not- oder Bettlergeld ausgegeben. In der Sitzung vom 12. Juli 1920 beschloss der Gemeinderat wegen Hartgeldmangels bzw. in Ermangelung ausreichender Zahlungsmittel einstimmig die Ausgabe von Notgeld im Gegenwert von 100.000 Kronen. Entscheidend war auch, dass der Wert der Währung von Monat zu Monat sank und sie im Ausland jede Kaufkraft verlor. Die mit Schwazer Motiven bedruckten Scheine mit einem Nennwert von 30, 50, 60 und 75 Heller konnten als Zahlungsmittel im Ort verwendet werden, der Reinerlös wurde sozialen Zwecken zugeführt. Wegen der Arbeitslosigkeit explodierte die Zahl der Landstreicher und Bettler. Die Bettler erhielten eigenes „Bettlergeld“, das bei der Polizei gegen Bargeld eingelöst werden konnte.




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