Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 13.01.2019


Schnee in Tirol

Die Helden des Winters: Helfer sind Gefahren ausgesetzt

Ohne sie geht derzeit gar nichts mehr: Die Helden des Winters sorgen dafür, dass das Leben trotz großer Schneemassen unbeeinträchtigt weitergeht.

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© Thomas Boehm / TT



Von Michaela S. Paulmichl

Innsbruck – Die Schicht des Trupps von ÖBB-Gleismeister Markus Geisler beginnt für gewöhnlich um 7 Uhr in der Früh, „aber bei den derzeitigen Wetterbedingungen sind wir rund um die Uhr im Einsatz“. Der Bereitschaftsdienst ist jederzeit abrufbar. Die 18 Mitarbeiter des für das Wipptal zuständigen Teamleiter-Stellvertreters befreien die Weichen an den Bahnhöfen und bei der Rollenden Landstraß­e (RoLa) am Brennersee vom Schnee, in Zusammenarbeit mit dem Maschinenring aber natürlich auch die Bahnhöfe, um den Kunden den Zugang zu den Zügen zu ermöglichen. Geisler: „Es gehört zu unserem Arbeitsalltag dazu, schnell und flexibel zu reagieren, damit der Bahnbetrieb problemlos durchgeführt werden kann. Dabei arbeiten wir sehr eng mit dem Betriebsmanager in der Betriebsführungszentrale (BFZ) Innsbruck und dem Fahrdienstleiter zusammen.“

Tinetz-Montageleiter Helmuth Schwaiger ist mit seinem Trupp für den Neu- und Umbau, aber auch die Instandhaltung der 45 Tiroler Umspannwerke zuständig. Viele müssen derzeit freigeschaufelt werden – teils mit Fräsen, aber auch händisch. In Hochfilzen liegen drei Meter, in Seefeld über eineinhalb Meter Schnee. Dort war nun auch der Bundesheerhubschrauber Blackhawk im Einsatz, um den Schnee von den Schaltgeräten zu blasen – eine Premiere bei Umspannkraftwerken. Schwaiger: „Türmt er sich zu hoch auf, kann es zu einem Erdschluss kommen, die Geräte könnten dabei beschädigt werden.“

Für die Asfinag sind derzeit vier Autobahnmeistereien im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr im Einsatz, alle 120 zur Verfügung stehenden Mitarbeiter im Winterdienst wurden in Rufbereitschaft versetzt. Doch weil das nicht ausreicht, müssen zusätzliche Frächter in Spitzenzeiten aushelfen.

Liegt viel Schnee auf der Fahrbahn, sind zwei Räumfahrzeuge gleichzeitig in einem Abstand von rund 20 Metern unterwegs. Bernhard Schatz von der Autobahnmeisterei Imst beklagt sich über die Leichtsinnigkeit und Rücksichtslosigkeit mancher Fahrzeuglenker, die „im Slalom zwischen uns durchfahren“. Weil dabei Schnee auf ihre Windschutzscheibe spritzt und dadurch die Scheibenwischer nicht mehr funktionieren, steigen manche voll auf die Bremse und gefährden so nicht nur sich selbst und den nachkommenden Schneepflugfahrer, sondern auch andere. „Und manche zeigen uns auch den Vogel, weil wir nicht schneller als 40 km/h fahren können.“ Mehr sei aber nicht möglich, sonst würde der mit enormer Wucht bis zu zehn Meter zur Seite geschleuderte Matsch die Verkehrstafeln an der Seite beschädigen.

Rücksichtslose, teils sogar unverschämte Skifahrer machen auch Sebastian Larcher, Mitglied der Innsbrucker Lawinenkommission und Sprengbefugter auf der Seegrube, und seinen Kollegen das Leben schwer. Mit Hilfe von vier Sprengseilbahnen werden die rund zweieinhalb Kilo schweren Patronen zu den Sprengpunkten befördert. Zwei Minuten braucht es, bis ein Meter Zündschnur abgebrannt ist, die längsten sind vier Meter lang.

Einmal war die Ladung bereits unterwegs, als er angefunkt wurde, dass wieder einmal Tourengeher die Warntafeln ignoriert hätten und auf der gesperrten Route unterwegs seien. „Ich konnte den Sprengstoff nicht mehr zurückholen, sonst hätte es mich getroffen“, erzählt Larcher. Es gelang, die Ladung über der präparierten Piste abzuwerfen, den leichtsinnigen Einheimischen ist nichts passiert.

Das Verhalten vieler Unbelehrbarer ist zum Risiko für das besonnen arbeitende Team geworden, das auch noch zur Verantwortung gezogen wird, wenn bei Sprengungen Menschen verschüttet werden.


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