Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.01.2019


Innsbruck

Nach Gewalttat in Flüchtlingsheim: Hoffnung für kleine Halbwaisen

Nach dem tödlichen Familiendrama im Flüchtlingsheim in der Innsbrucker Rossau kurz nach Weihnachten wollen Verwandte die Kinder (drei und fünf Jahre alt) aufnehmen.

Flüchtlingsheim in der Innsbrucker Rossau.

© thomas boehmFlüchtlingsheim in der Innsbrucker Rossau.



Innsbruck — Die Mutter getötet, dem Vater droht ein langjähriger Gefängnisaufenthalt: Nach der Gewalttat im Flüchtlingsheim in der Ross­au haben die beiden Kinder (drei und fünf Jahre) des Paares de facto beide Eltern verloren. Doch jetzt können die Kleinen wieder auf ein geregeltes Familienleben hoffen: „Die Kinder haben Verwandte in Innsbruck, die auch bereit sind, sie aufzunehmen", erklärt Gabriele Herlitschka, Leiterin des Innsbrucker Jugendamtes.

Rückblende: Es war in der Nacht zum Stefanitag, als zwischen den Eltern der Kinder im Flüchtlingsheim ein Streit ausbrach. Die Auseinandersetzung eskalierte, schließlich ging der 37-jährige Syrer angeblich mit den bloßen Fäusten auf seine Ehefrau los. Dabei soll der Asylwerber der 23-Jährigen so schwere Kopfverletzungen zugefügt haben, dass sie am Morgen in der Klinik starb. Das Motiv: vermutlich Eifersucht. Das Opfer ist mit den beiden Kindern bereits im vergangenen Frühling in Tirol angekommen, der Ehemann erst Monate später. Das Paar wohnte offenbar nicht zusammen. Der Syrer war auf Besuch bei seiner Familie, als es zum tödlichen Streit kam.

Nach der Gewalttat kletterte der 37-Jährige auf ein Fensterbrett. Dort konnte der Verdächtige von Polizeibeamten festgenommen werden. Bei der Einvernahme hat der zweifache Vater die tödliche Attacke gestanden. Seither befindet sich der Asylwerber in der Innsbrucker Justizanstalt in Untersuchungshaft.

Nach der Tragödie übernahm das Jugendamt die Verantwortung für die beiden Kinder. Noch in der Tatnacht brachten städtische Mitarbeiter die Geschwister in eine Betreuungseinrichtung. „Dort sind sie noch immer untergebracht", sagt Gabriele Herlitschka. Das dürfte aber nicht so bleiben: Wie sich mittlerweile herausstellte, war die vierköpfige Familie nicht allein in Innsbruck. Die ebenfalls aus Syrien stammenden Verwandten wollen die Kinder bei sich aufnehmen: „Sie haben bereits einen Obsorgeantrag gestellt", bestätigt die Leiterin des Jugendamtes. Damit ist es allerdings noch nicht getan: „Wir sind derzeit dabei, die Verhältnisse, in denen die Verwandten leben, zu prüfen. Das Ergebnis leiten wir dann in Form einer Stellungnahme an das Gericht weiter." Aber auch das Gericht wird sich durch persönliche Gespräche ein Bild von den Obsorge-Werbern machen. Und letztendlich die Entscheidung treffen, wo und in welchem Umfeld die Zukunft der beiden Kinder liegt.

Jugendamtsleiterin Gabriele Herlitschka: „Die Kinder haben Verwandte in Inns­bruck, die auch bereit sind, sie aufzunehmen. Das wird jetzt geprüft.“
Jugendamtsleiterin Gabriele Herlitschka: „Die Kinder haben Verwandte in Inns­bruck, die auch bereit sind, sie aufzunehmen. Das wird jetzt geprüft.“
- Ruß

Die Halbwaisen dürften nach bisherigen Erkenntnissen vom Familiendrama nichts mitbekommen haben. Im Heim konnten sie sich bisher gut einleben. Sollte der Obsorgeantrag der Verwandten abgelehnt werden, wird's schwierig. Weil es sich um Geschwister handelt, die nicht getrennt werden sollen. Allerdings gibt es nur wenige Pflegefamilien, die zwei Kinder auf einmal aufnehmen können oder wollen. (tom)




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