Letztes Update am Fr, 18.01.2019 22:52

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Spanische Hofreitschule

Sonja Klima neue Leiterin: Beirat der Hofreitschule trat aus Protest zurück

Aus Protest gegen die Bestellung von Sonja Klima zur neuen Geschäftsführerin der Spanischen Hofreitschule trat der vierköpfige Fachbeirat wie angekündigt geschlossen zurück. Der Vorwurf: „Postenschacher“.

Sonja Klima ist die neue Leiterin der Spanischen Hofreitschule.

© imagoSonja Klima ist die neue Leiterin der Spanischen Hofreitschule.



Wien – „Das Glück der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“, lautet ein altes Sprichwort – doch in der altehrwürdigen Spanischen Hofreitschule sind derzeit nicht alle glücklich. Nach dem erbitterten Streit um die Nachfolge der bisherigen Leiterin Elisabeth Gürtler ist der vierköpfige Fachbeirat am Freitag geschlossen zurückgetreten. Grund für den Protest: Nicht der bestgereihte Kandidat – ein langjähriger Mitarbeiter der Hofreitschule – bekam den Posten, sondern Sonja Klima, Leiterin der Ronald-McDonald-Kinderhilfe und frühere Volksschullehrerin.

„Sollte die Wahl als Geschäftsführerin auf mich fallen und ich die wichtigste Institution in Sachen Pferdesport leiten dürfte, dann wäre das für mich die Erklimmung des Olymp in meiner Pferdewelt“, schrieb Klima in ihrer Bewerbung

Vorwurf: „Postenschacher“

„Sonja Klima erfüllt keines der drei geforderten Hauptkriterien der Ausschreibung“, heißt es in dem Rücktrittsschreiben an das Landwirtschaftsministerium. Der Beirat, dem neben der Präsidentin des Österreichischen Pferdesportverbands Elisabeth Max-Theurer als Vorsitzende auch der Präsident der Rechtsanwaltskammer Wien, Michael Enzinger, der Präsident des Tiroler Pferdesportverbandes, Klaus Haim, sowie Grand Prix-Reiter Thomas Lang angehören, kritisiert die Bestellung Klimas als „Postenschacher“. Damit sei eine „rein politische Entscheidung getroffen“ worden, ist der Beirat überzeugt.

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Klima fehle der fachliche Background „leider vollständig“, heißt es in dem Schreiben weiter. „Hier wird einer international einzigartigen Institution ein langfristiger Schaden zugefügt.“

In der öffentlichen Ausschreibung für den Posten würden die Ausübung und Bewahrung der klassischen Reitkunst, die dauerhafte Erhaltung und Zucht der Pferderasse Lipizzaner sowie die Vertretung der die Gesellschaft betreffenden Angelegenheiten in nationalen und internationalen Organisationen als Aufgaben genannt. Diese Anforderungen erfüllt nach Ansicht des Beirats nur Bereiter Herwig Radnetter.

Sowohl im Hearing des Gremiums als auch von der Personalberatungsfirma Korn Ferry habe Klima eine schlechtere Bewertung als Radnetter erhalten, argumentiert der Beirat. Denn während der langjährige Mitarbeiter der Spanischen Hofreitschule 165 Punkte erreicht habe, habe Klima lediglich 145 Punkte erhalten. Die frühere Team Stronach-Abgeordnete Ulla Weigerstorfer wurde mit 143 Punkten letztgereiht.

Ministerium weist Vorwürfe zurück

Medienberichten zufolge hat das Landwirtschaftsministerium, in dem die Hofreitschule angesiedelt ist, Druck auf den Aufsichtsrat der Hofreitschule ausgeübt, sich für Klima zu entscheiden. Das Ministerium von Elisabeth Köstinger (ÖVP) wies den Vorwurf der Einflussnahme zurück: Der Aufsichtsrat habe weisungsfrei und unabhängig entschieden.

Sonja Klimas politische Kontakte sind jedenfalls längst nicht mehr rot gefärbt: Die Ex-Frau des SPÖ-Altkanzlers Viktor Klima warf sich etwa bei der vergangenen Nationalratswahl für Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) in die Schlacht. Zuletzt ließ sie sich beim Winter-Fest von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) freudig lächelnd mit dem Regierungschef ablichten.

Auch „gute Kontakte“ zur Frau des Vizekanzlers, Philippa Strache, wurden Klima in Medienberichten nachgesagt. Dies wurde von der FPÖ am Freitag vehement dementiert: Der Vizekanzler und seine Frau „kennen Sonja Klima weder persönlich, noch sind sie mit ihr befreundet“, hieß es in einer Aussendung.

Elisabeth Gürtler, die die Hofreitschule von 2007 bis Ende des vergangenen Jahres leitete, betonte im Interview mit der APA, dass eine Leiterin oder ein Leiter der Spanischen Hofreitschule in erster Line die klassische Reitkunst bewahren müsse und möglichst keine oder wenig Verluste schreiben sollte. Es handle sich nicht um einen politischen Job, so Gürtler.

Klima tritt als Präsidentin der McDonald-Kinderhilfe ab

Als neue Chefin der Spanischen Hofreitschule in Wien hat Sonja Klima indes ihre Funktion als geschäftsführende Präsidentin der Ronald McDonald Kinderhilfe Österreich zurückgelegt, berichtete diese am Freitag per Aussendung. Sie werde als Schirmherrin und Aufsichtsratsmitglied der Kinderhilfe eng verbunden bleiben, die freiwerdende Position in der operativen Geschäftsführung ehestmöglich neu besetzt. (TT.com, APA)

Bewerbung Sonja Klimas in Auszügen

„- Umfangreiches Wissen und Erfahrung über die klassische Reitkunst:

Solange ich mich in meinem Leben zurück erinnern kann, war dies stets mit einer großen Leidenschaft für Pferde und Pferdesport geprägt. (...) Der Reiterei blieb ich bis zum heutigen Tage treu (...). Vor zwei Jahren erwarb ich einen Teil des Gestüts Schönfeld und betreibe dort einen Einstellstall für Trabrennpferde und Freizeitreitpferde. (...) Für die Lipizzaner habe ich mich immer besonders interessiert und habe viele Reitvorführungen besucht sowie mehrmals das Gestüt Piber sowie das Gestüt Toblosjanski in der Slowakei.

- betriebswirtschaftliche Kenntnisse zur Führung eines Unternehmens mit mehrjähriger Berufserfahrung:

Seit 2010 bin ich Geschäftsführerin des Vereins ‚Ronald McDonald Kinderhilfe‘ zu dessen Aufgaben es gehört Geld für den Bau und die Erhaltung von Kinderhilfehäusern (...) aufzubringen. (...)

- besondere Kenntnis im Bereich Marketing und Tourismus:

Das verkaufen der Idee Kinderhilfehäuser ist eine besondere Herausforderung und ich konnte damit wie unter Punkt b ausgeführt enorme Erfolge erzielen. Dies deshalb, weil ich über ein ausgezeichnetes Netzwerk im Bereich der Medien verfüge und damit sehr effektiv Marketing betrieben habe. (...)

- Fachwissen über Zucht, Tierhaltung und Tiergesundheit:

Wie bereits ausgeführt beschäftige ich mich seit meiner Kindheit mit Pferden und habe insgesamt in meinem Leben wahrscheinlich Jahre im Pferdestall zugebracht. Ich konnte dabei sehr viel Erfahrung über Zucht, Tierhaltung und Tiergesundheit gewinnen, die ich in zahlreichen Gesprächen mit Tierärzten und Pferdeleuten ein ganzes Leben lang vertieft habe. Über Tierzucht habe ich auch mehrere Fortbildungsveranstaltungen bei Prof. Renee van den Hofen besucht. Als Präsidentin des Trabrennvereins von Baden, die ich von 2009 bis 2014 war, haben wir am Trabrennplatz stets zwischen 50 und 100 Trabrennpferde gehalten und war dort für deren Unterbringung und Haltung letztverantwortlich. (...)

- persönliche Identifikation mit den Unternehmenszielen:

„Mein ganzes Leben mein ganzer Werdegang ist Beweis, dass ich in einem Unternehmen wie der Spanischen Hofreitschule - Lipizzanergestüt Piber aufgehen würde und es eine Erfüllung eines Lebenstraums wäre dieser Institution vorzustehen.

- hervorragendes Auftreten und Repräsentation nach außen, auch auf internationaler Ebene:

Ich denke, mit Fug und Recht behaupten zu können, dass ich als Frau des Österreichischen Bundeskanzlers sowie später in meiner jetzigen Funktion als Präsidentin der Ronald McDonald Kinderhilfe ständig öffentliche Auftritte zu absolvieren habe und nach außen repräsentieren muss. Dies selbstverständlich auf nationaler wie internationaler Ebene.

- Presse- und Medienerfahrung:

Wie bereits ausgeführt habe ich in meiner Funktion als Präsidentin der Ronald McDonald Kinderhilfe fast täglich mit Medien zu tun. Ich verfüge daher auf diesem Gebiet nicht nur über eine jahrelange Erfahrung sondern auch über sehr gute Kontakte, die ich zum Wohl der Spanischen Hofreitschule einsetzen könnte.

Abschließend möchte ich noch anmerken, dass in meinen Leben als ausgebildete Volksschullehrerin Kinder und in meinem privaten Umgang Pferde das Wichtigste waren. Sollte die Wahl als Geschäftsführerin auf mich fallen und ich die wichtigste Institution in Sachen Pferdesport leiten dürfte, dann wäre das für mich die Erklimmung des Olymp in meiner Pferdewelt.“