Letztes Update am Mo, 28.01.2019 14:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Zentralmatura

Änderungen bei Mathe-Matura sollen für weniger Fünfer sorgen

Die schlechten Ergebnisse im Vorjahr waren Anlass für einige Änderungen bei der Mathematik-Zentralmatura: Unter anderem sollen kürzere Angaben, eine Erleichterung bei der Punktevergabe und ein neuer Notenschlüssel künftig für weniger Fünfer sorgen. Zudem soll zu Beginn der Prüfung ein Fachlehrer anwesend sein.

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© BegsteigerSymbolbild.



Wien – Kürzere und verständlichere Angaben, mehr Chancen auf Punkte, eine Änderung der Zeiteinteilung sowie eine neue „Rettungsmöglichkeit“ beim Punkteschlüssel sollen die Zahl der Fünfer bei der Mathematik-Zentralmatura senken. Die Reifeprüfung solle aber dadurch nicht leichter werden, beteuerten Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) sowie der ehemalige Wiener Stadtschulratspräsident Kurt Scholz.

22 Prozent Fünfer an den AHS

Gelten sollen die am Montag präsentierten Maßnahmen bereits beim nächsten Maturatermin am 8. Mai. Im Vorjahr waren an den AHS rund 22 Prozent an den schriftlichen Klausuren gescheitert, an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) waren es 19 Prozent. Faßmann schickte daraufhin Scholz auf eine „Zuhörtour“ in die Bundesländer, um Verbesserungsvorschläge zu sammeln.

Durch die Bank kürzer und einfacher verständlich werden die Aufgabenstellungen. Sogar die Hinweise zur Aufgabenbearbeitung sollen künftig auf eine A4-Seite passen. Darüber hinaus sollen die Schüler einfacher zu Punkten kommen - bzw. zu halben. Bisher mussten bestimmte Aufgabenformate – etwa Multiple-Choice-Aufgaben – vollständig korrekt gelöst werden, um einem Punkt zu erhalten, ansonsten waren null Punkte zu geben. Künftig soll eine teilweise richtige Lösung auch mit einem halben Punkt bewertet werden können, etwa wenn drei von vier Multiple-Choice-Möglichkeiten richtig erkannt wurden.

Flexiblere Zeiteinteilung

An den AHS wird die Zeiteinteilung der aus zwei getrennten Blöcken bestehenden Matura geändert: Bisher musste der zweistündige Grundlagenteil (24 Punkte) mit einfacheren Aufgaben gelöst und abgegeben werden, anschließend der zweieinhalbstündige zweite Teil mit anspruchsvolleren Aufgaben (ebenfalls 24 Punkte). Künftig werden beide Aufgabenteile gleichzeitig zu Beginn ausgeteilt und können die vollen viereinhalb Stunden bearbeitet werden.

Weitere Erleichterung: Für einen Vierer sind derzeit 16 Punkte im Grundlagenteil nötig, wobei im zweiten Teil dafür noch vereinzelt „Bonuspunkte“ zur Erreichung der 16 Punkte gesammelt werden konnten. Künftig sollen als zweite Möglichkeit auch insgesamt 24 Punkte aus beiden Teilen für ein Genügend ausreichen.

Anders als bisher soll außerdem ein Fachlehrer, nach Möglichkeit sogar der Klassenlehrer am Beginn der Klausur anwesend sein und für allgemeine Fragen zur Verfügung stehen. Konkrete Lösungshinweise darf er aber nicht geben. „Da habe ich keine Angst, dass das System ausgenutzt wird“, meinte Faßmann.

Bundesschulsprecher zufrieden

Begrüßt wurden die Änderungen von Bundesschulsprecher Timo Steyer: „Durch diese Veränderungen haben die Schülerinnen und Schüler die Chance, bei der Matura ihr Können unter Beweis zu stellen.“ Scholz wiederum will über die kurzfristigen Änderungen hinaus auch grundsätzlich die Frage stellen, warum es in Mathe um so vieles häufiger Fünfer gibt als etwa in Englisch oder Deutsch.

In einer anderen Funktion könnte Scholz übrigens erneut wiederkehren: Es gebe das Angebot, eine ähnliche Vermittlerfunktion in Sachen Lesefähigkeit bzw. Kritik der Schriftsteller an der Zentralmatura zu übernehmen, so der ehemalige Stadtschulratspräsident. „Reizvoll wäre das schon.“ Eine endgültige Zusage gebe es aber noch nicht.

(APA)

Nicht die erste Änderung bei Mathe

Die nunmehrigen Änderungen bei der Mathematik-Zentralmatura sind nicht die ersten in der Geschichte der sogenannten "Standardisierten Reife- und Diplomprüfung". Bereits nach den ersten Testläufen wurde an einigen Rädchen gedreht.

Kurz vor der ersten österreichweiten Zentralmatura an den AHS hatten aufgrund angeblich mangelhafter Vorbereitung Elternvertreter mit Klagen und Schülervertreter mit einem Streik gedroht. Im Dezember 2013 kam es dann zu einem Kompromiss. In der Mathematik wurde sogar die Grundkonstruktion etwas geändert.

Die Mathe-Matura an der AHS sollte ursprünglich strikt in zwei Teile gegliedert werden. Im ersten Teil sollten nur die Grundkompetenzen abgefragt werden, im zweiten Teil vertiefendes Wissen in komplexeren Aufgaben. Für ein "Genügend" sollte man - unabhängig vom zweiten Teil - zwei Drittel der Punkte (16 von 24) im ersten Teil brauchen. Nach Verhandlungen kam man den Schülervertretern entgegen: In den zweiten Teil (ebenfalls 24 Punkte) wurden ebenfalls vereinzelt Grundkompetenz-Beispiele eingebaut, bei denen "Bonus- bzw. Kompensationspunkte" gesammelt werden können. Diese werden seither für den ersten Teil angerechnet und können so vor einem "Nicht Genügend" bewahren.

Künftig gibt es noch einen weiteren Weg zum Vierer: Positiv sind Schüler auch dann, wenn sie zwar selbst inklusive der Bonuspunkte die 16 Punkte im Grundteil verfehlen, aber insgesamt (also inklusive Teil 2) 24 Punkte erreichen.

2013 ebenfalls festgehalten wurde eine Art "Im Zweifel für den Schüler"-Regelung: Seither wird in den Bewertungsvorgaben darauf hingewiesen, dass Aufgaben auch dann als korrekt gelöst zu werten sind, "wenn bei korrektem Ansatz das Ergebnis aufgrund eines Rechenfehlers nicht richtig ist". Auch bei einer fehlenden Maßeinheit ist der Punkt grundsätzlich trotzdem zu geben.

Künftig geht man noch weiter: Es ist auch die Vergabe von halben Punkten möglich - etwa bei Multiple-Choice-Aufgaben, die nicht vollständig korrekt gelöst wurden (etwa weil nur drei von vier Aussagen richtig zugeordnet wurden). Bisher war hier der Punkt nur dann zu vergeben, wenn alle Kreuze richtig gesetzt wurden.