Letztes Update am Mi, 30.01.2019 12:34

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Steiermark

Masern-Ausbruch: 26 ungeimpfte Kinder erhielten Schulverbot

In der Steiermark wurden nach einem Masern-Fall 26 ungeimpfte Kinder von der Schule ausgeschlossen. Die Volksanwaltschaft fordert gesundheitspolitische Maßnahmen. Ministerin Hartinger-Klein (FPÖ) ist jedoch gegen eine Impfpflicht.

(Symbolbild)

© imago(Symbolbild)



Graz – Die Bezirkshauptmannschaft Weiz in der Oststeiermark hat nach einem Masern-Fall 26 nicht geimpften Kindern der Volksschule Anger vorübergehend den Schulbesuch behördlich verboten. Bezirkshauptmann Rüdiger Taus bestätigte am Mittwoch einen entsprechenden Bericht der Kleinen Zeitung. Die Maßnahme sei zwar „ungewöhnlich“, aber in Anbetracht der hohen Ansteckungsgefahr nötig.

Neben den 26 nicht geimpften Kindern gibt es weitere 15 Kinder, die nicht alle Teilimpfungen erhalten haben. Sie können sich entweder nachimpfen lassen oder müssen über einen Bluttest nachweisen, dass sie ausreichend geschützt sind. Insgesamt gehen 134 Kinder in die Volksschule Anger. Die nicht geimpften Schüler dürfen laut Bescheid auch keine Kinderbetreuungs- oder Gesundheitseinrichtungen wie etwa Hausarzt oder Krankenhaus, keine Sporteinrichtungen wie Fußballplätze, Schwimmbäder oder andere öffentliche Veranstaltungen und Einrichtungen besuchen.

Taus zufolge sind keine Lehrer oder anderes Personal der Schule vom Verbot getroffen, da alle geimpft seien oder ihren Immunstatus nachweisen konnten. Der Bezirkshauptmann ist nach eigenen Angaben Befürworter der Impfprophylaxe, „damit genau solche Probleme vermieden werden“.

Volksanwaltschaft fordert Masern-Impfpflicht

Volksanwalt Günther Kräuter hatte erst vor wenigen Tagen „endlich wirksame gesundheitspolitische Maßnahmen“ gefordert: „Seit Jahren fordert die Volksanwaltschaft eine konsequente Gesundheitspolitik gegen die hochansteckenden und gefährlichen Masern. Vor allem Kleinkinder, die noch nicht geimpft werden dürfen, sind die Leidtragenden.“ Statistisch gesehen würde ein an Masern Erkrankter rund 18 Personen anstecken.

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Eine Masern-Impfpflicht müsse in den Mutter-Kind-Pass aufgenommen werden, was die Gesundheitsministerin allerdings schriftlich bisher gegenüber der Volksanwaltschaft abgelehnt habe. „Dafür fehlt mir jedes Verständnis. Diese Chance muss ergriffen werden, denn Aufklärungskampagnen und Appelle haben sich als letztlich wirkungslos erwiesen, sagte Kräuter.

Ministerium verwies auf Impf-Notwendigkeit

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, sondern eine schwere, hoch ansteckende Erkrankung. Einer von vier Erkrankten wird ins Krankenhaus eingeliefert, einer von fünf Infizierten erleidet Komplikationen wie Lungenentzündung, Bronchitis, Mittelohrentzündung oder Gehirnentzündung, hieß es am Dienstag in einer Aussendung des Gesundheitsministeriums zu den in Österreich aufgetretenen Erkrankungen.

Die Masern könnten auch bleibende Schäden oder den Tod zur Folge haben. „Erkranken Kinder unter einem Jahr an Masern, so haben sie das hohe Risiko von eins zu 600, einige Jahre später an einer speziellen Gehirnentzündung (subakut sklerosierende Panencephalitis, SSPE) zu erkranken, die tödlich endet. Zudem kommt es nach Masern zu einer über mehrere Jahre andauernden Schwächung des Immunsystems, die das Risiko erhöht, an anderen Infektionskrankheiten zu sterben“, hieß es in der Aussendung.

Die Masern gehen mit grippeähnlichen Symptomen und später einem charakteristischen Hautausschlag einher. (Symbolfoto)
Die Masern gehen mit grippeähnlichen Symptomen und später einem charakteristischen Hautausschlag einher. (Symbolfoto)
- iStockphoto

Abgesehen vom Leid der Erkrankten und Angehörigen müsse im Zusammenhang mit der Virusinfektion auch bedacht werden, dass ein Masernausbruch weitere Konsequenzen hätte: Im Ausbruchsfall sind die zuständigen Behörden dazu verpflichtet, jede einzelne Kontaktperson zu identifizieren, zu kontaktieren, aufzuklären, den Impfstatus zu erheben, gegebenenfalls zu impfen oder entsprechenden Einschränkungen zu unterziehen.

Das bedeutet, wer nicht ausreichend gegen Masern geschützt ist, kann im Falle eines Kontakts mit einem Masern-Patienten bis zu 21 Tage von der zuständigen Behörde vom Besuch von öffentlichen Einrichtungen ausgeschlossen werden, das betrifft auch zum Beispiel Arbeitsplatz, Kindergarten, Schule oder Hort. Handelt es sich um Risikogruppen wie Neugeborene, Säuglinge oder Immunsupprimierte, kann es notwendig werden, intravenöse Immunglobuline zu verabreichen, was eine Aufnahme ins Krankenhaus bedeutet.

Analyse zeigt Lücken bei Durchimpfungsraten

Eine Analyse der Durchimpfungsraten hinsichtlich Masern für das Jahr 2017 in Österreich ergab, dass es immer noch rund 48.000 zwei- bis fünfjährige Kinder gibt, denen die zweite Masernimpfung fehlt, 27.000 Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren, weiters eine halbe Million 15- bis 30-Jährige, die nicht ausreichend gegen Masern geschützt sind. Es sei deshalb nicht verwunderlich, dass es immer wieder zu Krankheitsausbrüchen komme.

Der in Österreich vorhandene Impfstoff gegen Masern ist ein Kombinationsimpfstoff mit Mumps und Röteln (MMR-Impfung). Entsprechend dem Impfplan Österreich 2019 werden zwei MMR-Impfungen ab dem vollendeten 9. Lebensmonat empfohlen. Fehlende MMR-Impfungen können und sollen in jedem Alter nachgeholt werden. Vollständiger Schutz kann nur angenommen werden, wenn schriftlich nachweisbar ist, dass zwei Impfungen gegen Masern vorliegen oder ein Schutz mittels einer Antikörperbestimmung (Blutabnahme) bestätigt ist. Weil es sich um einen Lebendimpfstoff handelt ist ein „Überimpfen“ nicht möglich.

Hartinger-Klein gegen Impfpflicht

„Bei den Impfstellen der Bundesländer kann man sich impfen lassen, die Impfung ist für alle in Österreich lebenden Menschen kostenfrei. Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffes sind eindeutig belegt. Die Kosten für die Impfungen werden vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz, den Sozialversicherungsträgern und den Ländern getragen. Die Impfung gegen Masern ist freiwillig, aber ich hoffe, dass sich viele Menschen impfen lassen,“ wurde Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) zitiert. Am Mittwoch hat sich Hartinger-Klein am Rande des Ministerrats gegen eine Impfpflicht ausgesprochen. Man setze auf „Selbstbestimmung“ und Aufklärung durch das Gesundheitspersonal, dass Impfungen sinnvoll seien.

Sozialministerin Beate Hartinger-Klein.
Sozialministerin Beate Hartinger-Klein.
- APA

Vorsorglich behandelte Babys entlassen

Nach den Masern-Fällen am LKH Graz hat die Kinderklinik 27 von 28 vorsorglich behandelten Säuglingen bis Mittwoch wieder entlassen, hieß es in einer Aussendung. Sie waren einer Therapie mit Immunglobulinen unterzogen worden. Bei einem Baby bestehe der Verdacht einer Infektion, das Laborergebnis sei aber noch ausständig.

Zudem wurden seitens der Klinik elf weitere Eltern kontaktiert, deren Babys mit dem Virus in Kontakt waren. Von ihnen kommen nun laut LKH fünf Säuglinge zur Therapie mit Immunglobulinen in die Kinderklinik. (APA)