Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.02.2019


Exklusiv

Er zieht ganze Panzer: „Ich werde zur menschlichen Skischanze“

Anfangs wollte Franz Müllner Konditor werden. Stattdessen zieht der Sportler heute Boeings und Panzer. Sein 33. Rekordversuch bringt ihn nach Tirol.

Franz Müllner.

© APAFranz Müllner.



Von Judith Sam

Innsbruck – Man muss Franz Müllner nicht verstehen. Es reicht, seinen Arbeitsalltag zu bestaunen. Der besteht meist aus Ziehen und Heben. Klingt unspektakulär. Bis man einen Blick auf die Details wirft: Mal zieht der 49-Jährige ein­e 160-Tonnen-Boeing, mal trägt er einen Helikopter, mal hält er das Bungee-Seil, an dem sich zwei Frauen von der Europabrücke stürzen.

Kurzum: Der selbsternannt­e „Austrian Rock“ lebt von Extrem­sport: „Mir ist klar, dass man nicht ganz normal ist, wenn man das macht. Ich bin ein Verrückter, der nach dem Außergewöhnlichen sucht.“ Wer sich davon überzeugen will, kann am 17. Februar selbst Teil seines aktuellen Rekordversuchs werden: „Dann werde ich zur menschlichen Skischanze.“

Bei den Bergbahnen Venet in Zams wird der Salzburger aus der Region Lungau eine selbst gebaute Rampe hochstemmen, über die 100 fünf- bis zehnjährige Skifahrer mit Anlauf springen. Bankdrücken der Superlative.

Franz Müllner schreckt vor keiner Herausforderung zurück, das Kraftpaket zog bereits eine Boing 777 mit 150 Tonnen Gewicht auf einer Rollbahn am Wiener Flughafen.
Franz Müllner schreckt vor keiner Herausforderung zurück, das Kraftpaket zog bereits eine Boing 777 mit 150 Tonnen Gewicht auf einer Rollbahn am Wiener Flughafen.
- Franz Müllner

„Ich werde auf dem Boden liegen und die Rampe bei jedem Kind hochdrücken. Zehnmal zu stemmen, ist kein Problem, das könnte jeder Sportler. Beim zwanzigsten Mal wird den meisten schwarz vor Augen, weil die Muskeln nachlassen. Ab dem dreißigsten Heben ist es eine Frage der Stärke, ob man kapituliert oder gewinnt.“ Dabei spricht der fünffach zum stärksten Mann Österreichs Gekürte nicht von physischer, sondern mentaler Stärke: „Würde ich denken: ,Ich probiere das jetzt einfach, mal sehen – hoffentlich reißt mir kein Muskel!‘, würde ich scheitern. Ich sage mir: ,Ich gehe jetzt da raus und mache das. Fertig.‘“

Was die gerissenen Muskeln angeht, hätte Müllner durchaus Erfahrung. In seiner 30-jährigen Laufbahn als Extremsportler sind ihm mehrfach die Bizeps-, Brust- und Oberschenkelmuskeln abgerissen: „Auch in diesen Fällen darf man nicht aufgeben.“

Diese Einstellung hat sich der 32-fache Weltrekordhalter – vom Stemmen der schwersten Holzhantel bis zum Bierfassdrücken – während seiner Ausbildung angeeignet: „Eigentlich wollte ich Konditor werden. Doch mein Vater meinte, man bekäme davon nur faule Zähne. Auf seinen Wunsch hin wurde ich Fliesenleger. Ein Job, der mir kein­e Freude bereitet hat. Darum habe ich den Wehrdienst genutzt, um eine Spezialausbildung zum Kampftaucher, Scharfschützen und Fallschirmspringer zu absolvieren. Dort wurde ich für den Krieg gedrillt und lernte, dass mich nichts umhauen kann, wenn ich an mich glaube.“

Kein Wunder, musste der zweifache Vater damals doch etw­a 280-Kilometer-Märsche in fünf Tagen absolvieren – 40-Kilo-Rucksack inklusive. Nach der Ausbildung arbeitete Müllner als Minensucher im Irak: „Als Ausgleich dazu habe ich mit Ausdauersport begonnen. Der wurde mir allerdings bald zu monoton.“

Auf den Vorschlag seiner Frau wechselte Müllner zum Kraftsport: „2006 bin ich erstmals mit einem Weltrekordversuch in die Öffentlichkeit getreten.“ Im Rahmen einer RTL-Show landete ein Hubschrauber auf einem Gestell, das Müllner auf den Schultern trug: „Bei der Probe hat sich der Heli mit einer Kufe darin verheddert und mich 20 Meter durch die Luft geschleudert. Meine Frau war damals hochschwanger und extrem nervös.“ Doch die Vorführung selbst lief reibungslos ab und eröffnete dem Salzburger die Möglichkeit, mit seinen Rekorden von Mexiko bis Australien in TV-Shows aufzutreten.

Um für diese Herausforderungen gewappnet zu sein, trainiert Müllner bis zu sechs Stunden täglich: „Wenn ich übe oder meine Freizeit mit unserem Pferd und Hund in der Natur verbringe, schwirren mir ständig Gedanken durch den Kopf, was ich als Nächstes machen könnte.“ Er liebäugelt etwa mit der Idee, ein Kreuzfahrtschiff zu ziehen: „Aber das ist Zukunftsmusik. Derzeit trainiere ich für Zams.“

Wer sich nicht traut, über die „menschliche Schanze“ zu hüpfen, kann Müllner am Venet zusehen, wie er einem seiner Hobbys nachgeht: „Ich werde ein paar Bratpfandln zusammenrollen. Eine simpl­e Übung, die mir leicht von der Hand geht.“

Informationen zum Weltrekordversuch unter mobile.muellner-franz.at.

„Ich wurde beim Militär für den Krieg gedrillt und lernte, dass mich nichts umhaut, wenn ich an mich glaube", sagt Franz Müllner
 (Extremsportler).
„Ich wurde beim Militär für den Krieg gedrillt und lernte, dass mich nichts umhaut, wenn ich an mich glaube", sagt Franz Müllner
 (Extremsportler).
- Müllner