Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 13.02.2019


Osttirol

Nach Unwettern in Osttirol: Baumstämme sollen vor Lawinen schützen

Nach den schweren Unwettern im Oktober 2018 bekommt Kals eine „rustikale Lawinenverbauung“.

So sieht die „rustikale Lawinenverbauung in Holz“ aus. Entrindete Baumstämme werden zu Wänden zusammengefügt.

© Wildbach- und LawinenverbauungSo sieht die „rustikale Lawinenverbauung in Holz“ aus. Entrindete Baumstämme werden zu Wänden zusammengefügt.



Von Catharina Oblasser

Kals – Riesige Windwurfflächen erinnern in der Großglockner-Gemeinde Kals noch an die Stürme und Regenfälle Ende Oktober 2018. Damals wurden viele Wälder zerstört, darunter auch Schutzwälder. Nun macht sich die Wildbach- und Lawinenverbauung Osttirol daran, in Kals aufzuräumen und Schutzbauten zu errichten. Das Projekt kostet rund 17 Millionen Euro, berichtet Otto Unterweger, Leiter der Wildbach- und Lawinenverbauung im Bezirk, und es ist auf 20 Jahre ausgelegt. Betroffen ist eine Fläche von 425 Hektar auf Seehöhen zwischen 1300 und etwa 1900 Metern.

Details dazu nennt Unterwegers Stellvertreter und Projektleiter Hanspeter Pussnig: „Bevor wir mit dem Aufräumen beginnen, müssen Erddämme als Steinschlagschutz errichtet werden“, schildert er. Der Grund: „Falls sich während der Arbeit Steine lösen, könnten diese die darunterliegenden Häuser beschädigen.“ Diese Dämme werden vier bis sechs Meter hoch und sind unter anderem in den Ortsteilen Arnig und Lana geplant. Rund drei Jahre veranschlagt die Wildbach- und Lawinenverbauung für die Aufräumarbeiten.

Dann folgt der zweite Schritt: das Errichten von Lawinenschutzwänden, die aus Holz bestehen. „Dafür verwenden wir auch Baumstämme aus dem Schadholz“, erklärt Pussnig. Sie werden entrindet, damit sich keine Borkenkäfer einnisten. Die hölzernen Wände werden als „rustikale Lawinenverbauung“ bezeichnet und sind 1,5 bis zwei Meter hoch. Zusätzliche Netzkonstruktionen sollen die Sicherheit erhöhen. Parallel zu diesen Arbeiten werden die zerstörten Schutzwälder wieder aufgeforstet, vorwiegend mit Lärchen und Fichten.

Die Wände aus Baumstämmen fügen sich zwar harmonischer in die Landschaft ein, sind aber nicht für die Ewigkeit bestimmt. „In etwa 20 Jahren verfallen diese hölzernen Wände“, sagt Pussnig. „Aber bis dahin kann der aufgeforstete Wald wieder die Schutzfunktion übernehmen, die er vor der Zerstörung durch die Unwetter hatte.“ In St. Jakob im Defereggen gibt es ein ganz ähnliches Projekt mit rustikaler Schutzverbauung, und zwar im Bereich der Oberseit-Lawine. „Die Erfahrungen aus St. Jakob helfen uns natürlich sehr in Kals“, sagt Pussnig.

Heute Mittwoch findet im Kalser Gemeindehaus dazu ein Infoabend für alle Bürgerinnen und Bürger statt. Beginn ist um 19 Uhr, Hanspeter Pussnig wird das Projekt erläutern.

Neben dem Kalser Projekt führt die Wildbach- und Lawinenverbauung zwei weitere, kleinere Schutzprogramme im Villgraten und im Tiroler Lesachtal durch. Zuständig ist sie überall dort, wo die Gebiete steiler als 60 Prozent sind. Im Villgratental werden etwa 5,7 Millionen Euro verbaut, im Tiroler Lesachtal sind es rund 5,5 Millionen. Zum Villgrater Projekt gibt es ebenfalls heute Mittwoch einen Infoabend. Otto Unterweger informiert alle Interessierten ab 19.30 Uhr im Haus Valgrata in Außervillgraten.