Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.02.2019


Gesellschaft

Migration füllt Tirols Kassen

Einwanderer haben in Tirol zwischen 2004 und 2017 ein jährliches Plus von 32,6 Millionen Euro generiert. LR Fischer fordert eine schnellere Integration in den Arbeitsmarkt.

Die Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) hat im Auftrag des Landes Leistungen wie Grundsicherung mit Steuerabgaben und volkswirtschaftlicher Nachfrage gegengerechnet.

© iStock/Getty ImagesDie Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) hat im Auftrag des Landes Leistungen wie Grundsicherung mit Steuerabgaben und volkswirtschaftlicher Nachfrage gegengerechnet.



Von Benedikt Mair

Innsbruck – Mit den Ergebnissen dieser Studie sei bewiesen, dass jene, die von Migration als reine Belastung sprechen würden, „reine populistische Angstmache betreiben“, sagt Gabriele Fischer (Grüne). Das Ressort der Soziallandesrätin hat die Erhebung bei der Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) in Auftrag gegeben. Ergebnis: Zwischen 2005 und 2017 generierten Asylwerber und -berechtigte im Bruttoregionalprodukt ein Plus von durchschnittlich 32,6 Millionen Euro. Dazu kommen rund 427 Vollzeitarbeitsstellen in jedem Jahr. Heißt: Flüchtlinge bringen im volkswirtschaftlichen Sinne mehr Geld, als sie kosten.

Der Autor der Studie, Stefan Haigner, erklärt, wie er zu den Ergebnissen gekommen ist: „Wir haben uns auf der einen Seite die Transferleistungen angeschaut, also jenes Geld, das Migranten vom Staat bekommen. Dazu zählen Grundsicherung, bei Bedarf Mindestsicherung oder auch Pensionen.“ In einem weiteren Schritt habe man die Abgaben, also verschiedenste Steuern, sowie die Auswirkung der zugereisten Menschen auf die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen mit dieser Summe gegengerechnet. „Herausgekommen sind die 32,6 Millionen Euro“, sagt Haigner.

Laut dem GAW-Experten sei das Ergebnis „eher konservativ“ formuliert. Es sei nämlich so, dass Einwanderer erst nach fünf Jahren zu Nettozah­lern würden – sprich mehr bezahlen, als sie an Leistungen erhalten. Die insgesamt erhaltenen finanziellen Zuwendungen seien erst nach 13 Jahren wieder eingebracht. Nachdem die meisten Migranten aber erst nach der Flüchtlingsbewegung im Jahr 2015 nach Tirol gekommen seien und diese sich demnach „negativ“ auf die Gesamtsumme auswirken würden, könne davon ausgegangen werden, dass der volkswirtschaftliche Gewinn von Migration und Integration in Tirol sogar noch um einiges höher sei.

Landesrätin Fischer sieht sich und ihre politische Arbeit durch die Ergebnisse der Studie in ihrem Weg bestätigt. Immerhin sei sie immer eine jener gewesen, die das Positive an Migration und Integration gesehen hätten. „Man darf nicht vergessen, dass es auch für die Vielfalt der Gesellschaft ein Gewinn ist, neue Menschen aufzunehmen.“ Durch die Veröffentlichung der GAW sei aber auch der ökonomische Nutzen bestätigt, klare Fakten geschaffen worden, an denen „man sich politisch orientieren kann“.

Sie sehe die Zahlen auch als Signal an die Bundespolitik, welche alles dafür tue, dass Flüchtlinge in Tirol oder Österreich keine Arbeit finden. „Ein gutes Beispiel hierfür ist die Lehre im Asyl. Wenn ich jemanden habe, der so eine beginnt, dann lasse ich ihn sie auch bitte fertig machen.“

Zu einem ähnlichen Schluss wie die Grün-Politikerin kommt auch der Studienautor. Weil die Aufenthaltsdauer der Asylwerber in Tirol durchschnittlich nur 4,14 Jahre betrage, gebe es in Summe also weniger Nettozahler. Haigner spricht sich für einen „schnelleren Zugang zum Arbeitsmarkt“ aus. Dadurch würden das Steueraufkommen, die Kaufkraft und logischerweise auch die getätigten Sozialabgaben steigen. Dies würde bedeuten, dass „das Transferaufkommen sinkt, da die Grundsicherung für Asylwerber durch das normale Einkommen ersetzt wird“.