Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.02.2019


Tirol

Koch und Basketballer: Mansata bleibt am Ball

Vor mehr als fünf Jahren flüchtete Mansata Cisse nach Österreich. Jetzt schloss er seine Kochlehre an der Klinik ab, hat geheiratet und auch sportlich will er noch hoch hinaus.

Das Kochen und das gute Miteinander (mit Küchenchef Josef Lindner) in der Innsbrucker Klinikküche haben es dem 23-jährigen Mansata Cisse angetan.

© Thomas BöhmDas Kochen und das gute Miteinander (mit Küchenchef Josef Lindner) in der Innsbrucker Klinikküche haben es dem 23-jährigen Mansata Cisse angetan.



Von Theresa Mair

Innbruck – Kiechl ausziehen, Ossobuco zubereiten oder Schnitzel herausbacken – das fällt Mansata Cisse nicht schwer. Das Kochen hat der 23-Jährige in dreijähriger Lehrzeit an der Klinikküche in Innsbruck gelernt. Eher schwierig war der Theorieteil bei der Lehrabschlussprüfung, „weil da muss man viel Deutsch sprechen. Ich habe dafür dreimal so viel gelernt wie die anderen“, schildert Cisse. Dass die Muttersprache des Senegalesen Französisch ist – neben sechs weiteren Sprachen, die er spricht – ist ihm bei den hierzulande gebräuchlichen französischen Küchenausdrücken aber auch entgegengekommen.

Die Büfflerei hat sich jedenfalls gelohnt, seit 17. Jänner hat er den Abschluss in der Tasche, „mit gutem Erfolg“ noch dazu. Dass dem frischgebackenen Koch die ein oder andere deutsche Silbe noch ein bisschen schwerer über die Lippen kommt, fällt gar nicht sofort auf. Das Erste, was beim Kennenlernen aber sehr wohl ins Blickfeld rückt, ist seine ungewöhnliche Größe von sage und schreibe zwei Metern und sieben Zentimetern. „Wenn ich mit meiner Mutter telefoniere, sagt sie, dass ich viel zu groß geworden bin“, sagt Cisse mit breitem Grinsen.

Vor mehr als fünf Jahren ist er alleine vom Senegal nach Mauretanien geflohen und von dort in einem Fischerboot nach Spanien übergesetzt, bevor er letztlich im Flüchtlingslager in Traiskirchen ankam. Den Senegal zu verlassen, „war meine eigene Entscheidung“. Kurz streift ein Schatten sein fröhliches Gesicht, er spricht nicht gerne über diese Zeit. „Es sitzt hier noch tief“, sagt er und hält die Hand an sein Herz. Doch Cisse hat genug anderes zu erzählen. Denn seit er in Österreich ist, punktet er auf ganzer Linie.

Mansata beim Suppe umrühren.
Mansata beim Suppe umrühren.
- Thomas Boehm / TT

Das begann bereits im Erstaufnahmezentrum in Traiskirchen. „Im Hof gab es einen Basketballkorb. Wir waren immer ein paar Jungs, die dort Körbe geworfen haben“, erinnert er sich. Die Betreuer haben dann die Mannschaft von Traiskirchen angerufen, damit sie das Basketball-Talent zu sehen bekommt. So kam der Ball ins Rollen und Cisse als Bundesligaspieler nach Wien.

Dort wurde ihm, der schon als kleines Kind Profi-Basketballer werden wollte, aber auch klar, dass man in Österreich den amerikanischen Traum nicht leben konnte. „In Österreich geht Basketball nicht ohne Beruf.“

Kurz bevor sein Visum abgelaufen wäre, holte ihn Hans Licha, der damalige Coach der Basketball-Abteilung bei den Swarco Raiders, nach Tirol. Bei seinem Freund, der für Cisse wie ein Vater geworden ist, durfte er wohnen und im Team spielen. Gleichzeitig startete er mit der Kochlehre.

Seither sind die Tage des Energiebündels vollgestopft mit Arbeit, Deutschkurs und Training. Vor gut einem Jahr habe er schließlich die dauerhafte Aufenthaltserlaubnis bekommen. „Bei der Einvernahme wurde mir gesagt, dass ich eigentlich keinen Fluchtgrund habe, weil der Senegal jetzt stabil ist. Aber ich darf bleiben, weil ich gut integriert bin und weil meine Ausbildner so zufrieden mit mir sind.“

Und: „Ich muss noch dazusagen, ich bin jetzt verheiratet“, fügt der 23-Jährige hinzu. Vor einem halben Jahr feierten er und Jana Hochzeit. Er und die Russin hatten sich bald nach seiner Ankunft in Tirol kennen und lieben gelernt, auch wenn sie mit seiner Sportleidenschaft gar nichts am Hut habe. „Sie hat gar keine Ahnung von Sport. Ich muss ihr immer erklären, wie es geht“, sagt er lachend. Wenn es so geht, wie er es sich vorstellt, dann steigt sein Verein in der nächsten Saison in die zweite Bundesliga auf.

Im April wird sich auch beruflich einiges ändern. Die Klinikküche schickt alle Ausgelernten erst einmal fort, damit sie sich woanders beweisen können. Cisse hat ein Praktikum in einem großen Hotel in Mieming gemacht, wo er auch gerne als Koch anfangen würde. Doch der Abschied von seinen Kollegen fällt schwer. „Es tut mir wirklich leid. Ich kenne hier jeden und jeder kennt mich. Wir haben eine gute Zeit zusammen“, sagt er.

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- Thomas Boehm / TT

Deshalb möchte er vielleicht auch wieder zurückkommen. Er würde eine Zusatzausbildung als Diätkoch anhängen. Dieser Küchenbereich und der Fleischplatz – „Schnitzel ist voll toll, ich bin ein Fleischtiger!“ – gefallen ihm am besten. Die Arbeitszeiten an der Innsbrucker Klinik lassen sich auch gut mit dem Training vereinbaren. „Josef, mein Chef, hat gesagt, ich soll mich melden, wenn ich wieder da bin.“

Und was ist, wenn doch noch die Basketball-Profis aus Amerika bei ihm anklopfen? „Dann mach’ ich das. Ich bin ein Mensch, der jede Chance gerne annimmt.“