Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 11.03.2019


“Vision Wattens“

Wattens: „Der Visionsprozess soll nie fertig sein“

Mit der „Vision Wattens“ setzen Gemeinde und Destination Wattens einen breit angelegten Nachdenk- und Partizipationsprozess um. Zentral ist die aktive Mitarbeit der Bevölkerung.

GF Matthias Neeff (Destination Wattens, l.) und BM Thomas Oberbeirsteiner laden die Bevölkerung zur aktiven Beteiligung an der „Vision Wattens“ ein.

© DomanigGF Matthias Neeff (Destination Wattens, l.) und BM Thomas Oberbeirsteiner laden die Bevölkerung zur aktiven Beteiligung an der „Vision Wattens“ ein.



Von Michael Domanig

Wattens – Von „Busanbindung Seniorenheim“ bis „Kneippanlage im Park am Kirchfeld“, von „Fischteich“ über „Indoor-Spielplatz“ bis „Jugendlokal“. Von „Mir fehlt ein nettes Café“ über „Alle REX-Züge sollen halten“ bis zu „Behindertenfreundlicher werden“. Oder aber schlicht: „H&M“ und „C&A“. Die Wünsche und Ideen, die Wattener Bürger auf zahlreichen kleinen Zetteln an der Wand hinterlassen haben, decken eine gehörige Bandbreite ab, von der Utopie bis hin zum ganz konkreten Vorschlag.

Noch bis Ende März (Di. bis So. von 10 bis 17 Uhr) ist die Bevölkerung eingeladen, im temporären „Raum ohne Namen“ im Museum Wattens Ideen zur künftigen Entwicklung der Gemeinde zu platzieren – und so aktiv bei der Fortschreibung der „Vision Wattens“ mitzuwirken.

Im Frühjahr 2016 hatten Markus Langes-Swarovski und BM Thomas Oberbeirsteiner das bekannte Architekturbüro Snøhetta beauftragt, sich gemeinsam mit anderen Beteiligten Gedanken über das Wattens der Zukunft zu machen – entstanden ist daraus eben der ungewöhnliche Zukunftsprozess „Vision Wattens“.

Die boomende Werkstätte Wattens ist ebenso Teil der Vision wie die laufende Neugestaltung des Kirchplatzes oder der Park beim „Haus am Kirchfeld“.
Die boomende Werkstätte Wattens ist ebenso Teil der Vision wie die laufende Neugestaltung des Kirchplatzes oder der Park beim „Haus am Kirchfeld“.
- Destination Wattens Regionalentw

„Wir haben exemplarische Projekte formuliert“, erklärt Matthias Neeff, Geschäftsführer der Destination Wattens Regionalentwicklungs GmbH, die die Umsetzung der Vision koordiniert, Vorhaben initiiert und begleitet. „Diese sollen aber vor allem die Diskussion in der Bevölkerung anregen und Ideen geben.“ In gebundener Form kann man die Vision derzeit auch im „Raum ohne Namen“ nachlesen – „aber als Ausgangspunkt, nicht als Abschluss des Visionsprozesses“, wie Neeff betont. „Dieser soll nie ‚fertig‘ sein.“

Eine Reihe von Projekten, die in die „Vision Wattens“ eingebettet sind, haben freilich längst Fahrt aufgenommen: Zu nennen ist hier allen voran das internationale Gründer- und Unternehmerzentrum „Werkstätte Wattens“: Auf Teilflächen des Swarovski-Werks 2 im Süden des Ortes haben sich inzwischen bereits knapp 55 Unternehmen mit rund 250 Mitarbeitern angesiedelt. Zur Gesamtfläche von aktuell ca. 4200 m² sollen heuer nochmals an die 1000 m² Team-­Office-Bereich dazukommen. „Es ist ein hochdynamisches Umfeld“, freut sich Neeff.

Mit alternativen Wegen im Verkehrsbereich beschäftigt sich die Initiative „Mobilität Wattens“: Zuletzt wurde etwa das Pilotprojekt „ummadum“ gestartet, ein Belohnungssystem für jene, die andere zur Arbeit mitnehmen (die TT berichtete). Bisher wurden immerhin schon 10.000 km gemeinsam gefahren.

Teil der „Vision“ ist auch die laufende aufwändige Umgestaltung des Kirchplatzes im Ortszentrum. Bis Spätsommer wird hier eine Begegnungszone umgesetzt, der Platz soll künftig aktiv bespielt werden und tatsächlich wieder Platzcharakter erhalten. Auch die Idee einer Streuobstwiese wurde bereits realisiert, ebenso jene eines naturnahen Parks beim „Haus am Kirchfeld“.

„Bei der Vision geht es um das Bild unserer Gemeinde, wie wir sie uns in Zukunft vorstellen“, sagt BM Oberbeirsteiner. „Dieses soll aber weder von der Politik noch von Swarovski oder der Destination Wattens aufoktroyiert werden. Essenziell ist, dass sich die Bürger aktiv einbringen und mitarbeiten.“

Möglich ist das nicht nur derzeit an der „Visionswand“, sondern auch bei regelmäßigen „Visionscafés“, die seit 2017 insgesamt rund 330 Teilnehmer verzeichneten (das nächste findet am heutigen Montag um 19 Uhr im Museum statt und dreht sich ums Thema Wohnen). Und laut Oberbeirsteiner gibt es auch erste Gruppen von Wattenern, die sich eigenständig treffen und Projekte ausarbeiten – wie es das eigentliche Ziel der Vision ist. Ein Gemeindemarkt läuft z. B. bereits, im Frühjahr startet die Initiative „Essbare Gemeinde“: Südlich der „Smokerei“ stellt die Marktgemeinde eine Grünfläche zur Verfügung, auf der Wattener einen Kräuterhügel, Gemüsebeete, eine Blumenwiese und mehr anlegen wollen.

Auch mit Jugendlichen will sich Oberbeirsteiner regelmäßig im Rathaus treffen und sie für die aktive Mitgestaltung begeistern. Natürlich sei all das „ein großer Aufwand“, gibt der Bürgermeister zu – aber ohne wiederholten, aktiven Dialog mit den Bürgern sei die Vision nicht zu verwirklichen.